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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Stampati Palatini

Wegen ihrer Bedeutung für die protestantischen Theologen als geistige ‚Rüstkammer’ wurde die Heidelberger Büchersammlung schnell zum Ziel der katholischen Gegenseite. Papst Gregor XV. (amtierend 1621-1623) versuchte daher schon früh, sie der Vatikanischen Bibliothek einzuverleiben. Mit der Eroberung Heidelbergs durch die katholischen Truppen im Herbst 1622 war hierzu die Voraussetzung geschaffen. Nach einer Sichtung aller Bücherbestände in Heidelberg ließ der päpstliche Abgesandte Leone Allacci die ca. 3.700 Handschriften und ca. 13.000 Druckwerke nach Rom abtransportieren, wo sie im August 1623 ankamen. Bis auf die relativ geringe Zahl der deutschsprachigen Handschriften, die infolge der Friedensverhandlungen im Umfeld des Wiener Kongresses 1816 nach Heidelberg zurückgegeben wurden, befinden sich heute noch fast alle nicht-deutschsprachigen, also vor allem die lateinischen und griechischen Manuskripte sowie alle Druckschriften (stampati palatini) dieses Bestandes in der Biblioteca Apostolica Vaticana in Rom. Zu den Stampati Palatini wurde von Enrico Stevenson 1886 ein zweibändiges Inventar herausgegeben.

Die Büchersammlung umfasst die wichtigste Literatur in den Bereichen Wissenschaft und Belletristik des 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Während im universitären Bereich bereits seit der Universitätsgründung 1386 breit für Studium und Lehre gesammelt wurde, kamen im 17. Jahrhundert die Werke bedeutender zeitgenössischer Gelehrter hinzu. Unter anderem sind Jakob Wimpheling, Eobanus Hessus, Denis Godefroy, Marquard Freher und Martin Opitz mit Texten vertreten. Ein Garant für die Aktualität der Sammlung war seit 1602 der europaweit angesehene Philologe Janus Gruter (1560-1627), der der letzte Bibliothekar der Bibliotheca Palatina werden sollte. Er erwarb systematisch die wissenschaftlich relevante Literatur auf dem deutschen und europäischen Buchmarkt.

Aber auch die Heidelberger Kurfürsten trugen mit umfänglichen Schenkungen u.a. juristischer aber auch medizinischer Literatur zum Wachstum der Heidelberger Universitätsbibliothek bei. Als Vertreter der calvinistischen Glaubensrichtung sammelten sie beispielsweise auch theologische Werke aus der Feder und dem Besitz französischer und österreichischer Protestanten.

Sowohl bei den Handschriften als auch bei den Drucken sorgte die Übergabe der Bibliothek des Augsburger Protestanten Ulrich Fugger (1526-1584) für einen sowohl mengenmäßig als auch qualitativ kaum zu überschätzenden Zuwachs. Sein breit gestreutes Interesse zielte nicht nur auf Kaufmannsliteratur. In seiner Sammlung finden sich u.a. Texte zu Astronomie und Astrologie oder zu Zoologie und Botanik. Auch Schriften in griechischer, slawischer und arabischer Sprache sind zahlreich vertreten.

Die Microfiche-Edition der stampati palatini

In den Jahren 1989 bis 1996 wurden vom Münchner Saur-Verlag – herausgegeben von Leonard Boyle und Elmar Mittler und finanziell gefördert vom Land Baden-Württemberg – alle in Rom befindlichen stampati palatini verficht und mit einem alphabetischen Index versehen. Aufnahme in die über 21.000 Mikrofiches umfassende Edition und damit in den dazugehörigen Katalog fanden sowohl die Druckschriften aus den verschiedenen Sammlungen der Vatikanischen Bibliothek, in die sie nach ihrem Transport nach Rom eingearbeitet worden waren bzw. in die sie nach ihrer Weitergabe als Dubletten dann als Schenkungen zurückgekehrt sind, als auch die Drucke aus anderen römischen Bibliotheken. Sie alle wurden nach unterschiedlichen Kriterien wie Einbandgestaltung, Verfasserschaft, Eintragungen vatikanischer Mitarbeiter, aber auch mit Hilfe vorhandener Verzeichnisse und Kataloge, Akten und Forschungen zu Teilbeständen zusammengestellt. Nicht enthalten sind die abhanden gekommenen und die bislang nicht rekonstruierbaren bzw. aus verschiedenen Gründen nicht verfilmbaren Titel. Außerdem nicht aufgenommen wurden die in Deutschland verbliebenen Reste der Palatina, die sich heute teilweise im Besitz anderer Bibliotheken befinden, so in Mainz, Darmstadt, München, Köln (67 Drucke) und einen Ottheinrich-Band in der Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt.

Die Katalogisate der Inkunabeln sowie der Drucke des 16. und des 17. Jahrhunderts sind unter fortlaufender Nummer in einem Alphabet in den Bänden 1 und 2 des Kataloges enthalten. Die Einträge setzen sich jeweils aus Verfasser, Sachtitel, Druckort, Drucker/Verleger, Druckjahr, Blatt-/Seitenzählung, Signatur des Originals, Annotationen wie gegebenenfalls dem Erscheinungsvermerk in Vorlageform oder der Nennung angebundener Schriften sowie aus der Mikrofiche-Nummer zusammen. Mehrfachexemplare und andere Ausgaben eines Druckes wurden aufgenommen, hier allerdings nur die Abweichungen. Band 3 enthält das Register der Signaturen, das Register der Mikrofiches und ein chronologisches Register. In Band 4 folgen das Register der Personen. das Register der Verleger/Drucker mit ihren Werken in alphabetischer Reihenfolge und das Register der Verlags- und Druckorte.

Auf Mikrofiche abgebildet werden, in der Anordnung nach ihrem heutigen Aufstellungsort, die vollständigen Drucke mit ihren Gebrauchsspuren und Einbänden, die gerade bei der Palatina wichtige Identifikationsmerkmale sind.

Hinweise zur Benutzung

Alle Mikroficheausgaben der Druckschriften sind in HEIDI erfasst – Sie finden sie unter der Signatur 89 MA 246 [dort auf „Bände“ klicken].

Die Mikrofiches stehen im MultiMediaZentrum zur Einsicht zur verfügung. Mo-Fr 8:30-22:00 Uhr und Sa-So 9:00-22:00 Uhr werden Ihnen die Mikrofiches von den MitarbeiterInnen des MMZ vorgelegt.

Alle Mikrofiches der Edition werden oben rechts alphanumerisch gekennzeichnet; unter der angegebenen Nummer des Mikrofiche ist der gesuchte Titel auffindbar.

Zur Benutzung von Mikroformen stehen im MMZ digitale Reader-Printer zur Verfügung, mit denen Sie die Möglichkeit haben, die Mikrofiches kostenlos in digitaler Form rückzuvergrößern und die Daten zur Weiterverarbeitung auf mitzubringenden USB-Sticks oder CD-ROMs abzuspeichern. Einzelne Seiten können vor Ort auch kostenpflichtig ausgedruckt werden.

© Maria Effinger, Universitätsbibliothek Heidelberg, 10/2012

Weiterführende Literatur und Informationen