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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Bilderschließung

Im Rahmen verschiedener Projekte werden sowohl der Bild- als auch der Initialschmuck der Handschriften der Bibliotheca Palatina kunsthistorisch erschlossen. So sind bereits alle Bilder der deutschsprachigen Handschriften in der Datenbank heidICON recherchierbar.

Da die Sammlung alle bedeutenden theologischen und profanen Texte und Handschriftentypen umfasste, erlangte sie im 16. Jahrhundert ihren herausragenden Ruf als „Mutter aller Bibliotheken”. Von gleichem Rang ist auch der kostbare Buchschmuck, der zahlreiche Handschriften dieser Büchersammlung ziert: dekorative Initialen und Miniaturen in feinster Deckfarbenmalerei mit Gold- und Silberauflagen stehen neben kolorierten Federzeichnungen. Eines der frühesten Beispiele stellt das „Evangelienbuch” Otfrids von Weißenburg von 870 mit seinen typischen karolingischen Flechtbandinititalen dar. Beachtenswertes Kennzeichen dieser Bibliothek ist vor allem die Vielzahl illustrierter Handschriften, die deutschsprachige profane Texte enthalten. Die bekanntesten sind sicherlich das „Rolandslied” des Pfaffen Konrad aus dem 12. Jahrhundert, der „Sachsenspiegel” des Eike von Repgow sowie der berühmte „Codex Manesse” aus dem 14. Jahrhundert.

Von Interesse sind auch ganze Buchgruppen des 15. Jahrhunderts, die aus denselben Werkstätten stammen und für ein ähnliches Auftraggebermilieu gefertigt wurden, wie etwa die 27 Codices umfassende Gruppe der sogenannten oberdeutschen Handschriften aus der im Elsass beheimateten Werkstatt von 1418, der des Diebold Lauber aus Hagenau und der in Stuttgart vermuteten Werkstatt des Ludwig Henfflin. Gerade diese Handschriften enthalten ikonographisch vielschichtige Illustrationszyklen, die in einem von der DFG geförderten Projekt erschlossen wurden. Die kunsthistorischen Informationen zu Bildthemen, -motiven und künstlerischen Zuordnungen für die ca. 2.000 halb- bis ganzseitigen kolorierte Federzeichnungen können zusätzlich zur Recherche in heidICON auch über eine eigene "Ikonographische Suche" detailliert abgerufen werden.

In einem weiteren durch die Manfred-Lautenschläger-Stiftung finanzierten Projekt wurden die Bilder aus allen weiteren der insgesamt 848 deutschsprachigen Codices erfasst. Begleitend zur kodikologischen Erschließung der lateinischen Bestände in der Vatikanischen Bibliothek in Rom wird auch zu diesen der Buchmalereischmuck unter kunsthistorischen und formalästhetischen Gesichtspunkten beschrieben.

Damit der Bildschmuck leichter auffindbar ist, ist er in der Bilddatenbank heidICON in zwei eigens eingerichteten Pools beschrieben (UB Bibliotheca Palatina (UB Heidelberg); UB Bibliotheca Palatina (BAV)). Die zentrale Aufgabe der Bilderfassung ist die ikonographische Bestimmung der Einzeldarstellungen, die sich bei weit verbreiteten Buchgattungen mit oftmals festgelegtem Motivrepertoir, wie beispielsweise der „Biblia pauperum”, auf die kurze Benennung des Bildthemas beschränkt und nur gelegentlich auffällige Abweichungen in der Datenbank notiert. Bei Buchgattungen, wo hingegen der Text durch die Darstellungen begleitet und illustriert wird, basiert die Bildbeschreibung auf einer Analyse der Bildinhalte im Verhältnis zu den Texten. Daher wird für diese Fälle im Kommentarfeld auch die Platzierung der Bilder im Text entsprechend der Verszählung von grundlegenden Texteditionen vermerkt.

Die Bilddatenbank erlaubt mithilfe einer Freitextsuche oder von Schlagworten eine gezielte Recherche nach ikonographischen Sachverhalten, Autoren und Textgruppen, Datierung und Herkunft.