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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Kaiserchronik digital

KaiserchronikDie „Kaiserchronik“ ist eine um die Mitte des 12. Jahrhunderts entstandene, frühmittelhochdeutsche Reimchronik, die vermutlich in Regensburg von einem nicht näher bekannten Geistlichen verfasst wurde. Die Chronik ist mit über 17.000 Versen das umfangreichste und mit bislang 50 bekannten Textzeugen das am dichtesten überlieferte Werk frühmittelhochdeutscher Literatur. Erzählt wird die Geschichte des römischen Reichs von Gaius Iulius Caesar († 44 v. Chr.) bis zum römisch-deutschen König Konrad III. († 1152).

Der Text ist in unterschiedlichen Fassungen überliefert: Es gibt drei Rezensionen der Reimfassung (A bis C) und eine Prosafassung (D). Außerdem werden auch einzelne Textepisoden herausgelöst aus dem größeren Textzusammenhang tradiert (E). Von den drei Reimfassungen ist Fassung A die älteste. Bei Variante B handelt es sich um eine erste Bearbeitung vom Anfang des 13. Jahrhunderts aus dem bairisch-österreichischen Raum, die den Text um ca. 1.600 Verse kürzt, Fassung C ist die nach 1250 verfasste zweite Bearbeitung, die einen neuen Prolog einbaut und außerdem den Text bis ins Jahr 1250 fortsetzt. Sie ist vermutlich wieder in Regensburg entstanden.

In dem auf fünf Jahre angelegten „Kaiserchronik Project“ der Universität Cambridge unter Leitung von Prof. Christopher Young und Dr. Mark Chinca sollen die drei Rezensionen (A bis C) der “Kaiserchronik” ediert, kommentiert und übersetzt werden.

Im Rahmen des Forschungsprojekts wird die gesamte Überlieferung (derzeit sind 50 Handschriften aus dem 12.-16. Jh. bekannt) erfasst, analysiert und – so möglich – in einer Virtuellen Bibliothek zusammengeführt. Projektergebnis werden zudem eine dreibändige wissenschaftliche Printedition sowie eine einbändige Studienausgabe sein.

Zwei der Handschriften (Cod. Pal. germ 154, Cod. Pal. germ 361), die beide zur Überlieferungsgruppe der Rezension A („der alte Text“) gehören, sind Teil der Bibliotheca Palatina und werden in der Universitätsbibliothek Heidelberg aufbewahrt.

Die UB Heidelberg übernimmt in dem Kooperationsprojekt den Aufbau der virtuellen Bibliothek sowie die Präsentation der digitalen Edition.