Freie Vereinigung Darmstädter Künstler   [Hrsg.]; Städtisches Ausstellungsgebäude auf der Mathilden-Höhe <Darmstadt>   [Hrsg.]
200 Jahre Darmstädter Kunst: 1830 - 1930: Darmstadt, Mathildenhöhe 1930 ; vom 22. Juni bis 28. September 1930 ; als Festgabe zur 600-Jahr-Feier der Stadt Darmstadt — Darmstadt, 1930

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„In der Kunst aber wird das
Gute niemals abgetan."

Friedrich Pecht.

ie stille bescheidene Residenzstadt Darmstadt hatte ums

Jahr 1830, dem Todesjahr des ersten Großherzogs Lude-

L^rffl wig I., Schöpfers des neuen Darmstadt, etwa 21 000 Ein-
wohner.Wenn man trotz dieser mäßigen Größe und den kleinen
Verhältnissen, in denen der überwiegende Teil der Bevölkerung
lebte, von einem Kunstleben der Residenz sprechen und dabei
feststellen kann, daß die verschiedensten Zweige der bildenden
Kunst gepflegt wurden und recht zahlreiche Vertreter hatten, so
darf man neben dem Einfluß des kunstliebenden Großherzogs
und seines hochverdienten berühmten Kabinettssekretärs Ernst
Schleiermacher dem Freund Goethes,Mercks und vieler berühmter
Männer, sowie der reichen Tätigkeit des ausgezeichneten Baumei-
sters Georg Moller wohl an ein Wort Hans Thomas erinnern, das
da sagt „Kunst ist Offenbarung der Liebe zur Natur".
Diese Liebe zur Natur, zu der prachtvollen Umgebung der Stadt
am Fuße der Bergstraße, am Eingang zum Odenwald, mit den
tiefen herrlichen Wäldern und ihren Baumriesen, die Nähe des
Rheins, die vielen Burgen und malerischen Ruinen haben gewiß
in den empfänglichen Seelen begabter junger Menschen den
Entschluß zur Künstlerschaft reifen lassen. Ebenso wie früher
schon der geniale Jüngling Carl Phil. Fohr, dessen Wirken noch
lange unvergessen blieb, ist die Darmstädter Künstlerjugend
mit dem Skizzenbuch hinausgezogen. Von vielen wissen wir, mit
welcher Freude und Begeisterung sie ihren Studien in den Wäl-
dern, in dem damals noch unvergleichlichen Park und dem roman-
tischen Mühltal oder an den malerischen Tümpeln der Ziegel-
hütte nachgingen.

Die stärkste Anregung zur bildenden Kunst gab in Darmstadt
die Großherzogliche Gemäldegalerie, die ebenfalls Ludewig I.
gegründet hat. Von seiner Mutter, der großen Landgräfin Karo-
line, auf das vortrefflichste erzogen, vielseitig begabt und inter-
essiert, weitgereist, hatte der Fürst schon als Erbprinz und als
Landgraf Kunstsachen gesammelt. Durch eine Stiftungsurkunde
vom Jahre 1820 hatte er seine Erwerbungen dann dem Lande

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