Freie Vereinigung Darmstädter Künstler   [Hrsg.]; Städtisches Ausstellungsgebäude auf der Mathilden-Höhe <Darmstadt>   [Hrsg.]
200 Jahre Darmstädter Kunst: 1830 - 1930: Darmstadt, Mathildenhöhe 1930 ; vom 22. Juni bis 28. September 1930 ; als Festgabe zur 600-Jahr-Feier der Stadt Darmstadt — Darmstadt, 1930

Seite: 11
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/200_jahre_darmstaedter_kunst1930bd2/0013
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
und ethnographischen Gegenständen, ebenso die bändereiche
Hofbibliothek hatte in dem neueren von Landgraf Ernst Ludwig
erbauten Teile des Residenzschlosses stattgefunden, der vorher
lange unvollendet und unbenutzt dagestanden hatte. Die nicht
allzu umfangreiche Gemäldesammlung barg bereits bedeutende
Stücke fast aller Schulen. In der Folge wurde die Galerie sehr
geschickt durch Werke alter Meister sowie durch bezeichnende
Hauptwerke der damaligen Zeit vermehrt, durch Werke, deren
dauernder Wert sich seither erwiesen und die von großem Ein-
fluß auf die heranwachsende Künstlerjugend waren. So wurde
1838 Eduard Steinbrücks gefeierte „Genovefa", noch heute ein
Liebling der Galeriebesucher und das reizende Bild der Werk-
stätte Schölls von Carl Engel von der Rabenau, 1839 Schir-
mers große Abendlandschaft mit dem Heidelberger Schloß, 1840
die vier kleinen schönen Achenbachs, 1841 die große Odenwald-
landschaft von August Lucas, 1851 die feine Mosellandschaft
von Lessing, 1854 die große italienische Landschaft von Lucas
der Sammlung einverleibt.

Der Gemäldegalerie war seit 1818 eine Zeichenschule angeglie-
dert, hoch oben in dem der Rheinstraße zugekehrten Gebäude-
teil des Schlosses nach Nordwesten zu untergebracht. Die Lei-
tung dieser Anstalt hatte der jeweilige Galerieinspektor, zuletzt
Professor Ludwig Hofmann-Zeitz bis zu dessen 1895 erfolgtem
Tod. Von da ab waren nicht mehr Künstler, sondern Kunsthisto-
riker die Leiter der Sammlung, die Zeichenschule, die 77 Jahre
lang dem Darmstädter Künstlernachwuchs unentgeltlichen Unter-
richt geboten hatte, war sang- und klanglos eingegangen.
Galerieinspektor Franz Hubert Müller war ein gebildeter Mann,
klarerKopf und sorgfältiger Lehrer, der seineSchülerzu strenger,
fleißiger, im Sommer 10Va stündiger Arbeit anhielt. Zu seinen
ersten Schülern gehörten neben den Brüdern Feising, Wilhelm
Noack und dem Neffen desTheatermalers Sandhaas aus Haslach
Peter App (1803—1855) und August Lucas (1803-1863).
App, in seiner Vaterstadt bis vor kurzem völlig vergessen, war
nach seiner strengen Darmstädter Lehrzeit zu Cornelius nach
Düsseldorf, dann nach München gegangen. Dann zog er, mit
einem Stipendium versehen, nach Rom, wo treffliche Studien und
1828 sein großes figurenreiches Gemälde „Blick nach Kanaan"

11
loading ...