Freie Vereinigung Darmstädter Künstler   [Hrsg.]; Städtisches Ausstellungsgebäude auf der Mathilden-Höhe <Darmstadt>   [Hrsg.]
200 Jahre Darmstädter Kunst: 1830 - 1930: Darmstadt, Mathildenhöhe 1930 ; vom 22. Juni bis 28. September 1930 ; als Festgabe zur 600-Jahr-Feier der Stadt Darmstadt — Darmstadt, 1930

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Noack, den Brüdern Harres, den Kupferstechern Ernst und Karl
Rauch, Feising, dazu Daniel Fohr, Wilhelm Lindenschmit (Mainz)
und Philipp Foltz (Bingen) zieht auch Lucas 1828 zum Albrecht-
Dürer-Fest nach Nürnberg, wo in gehobener vaterländischer Stim-
mung Beratungen über deutsches Wesen in der Kunst und wie
der deutschen Kunst zu helfen sei, abgehalten werden. In dieser
Zeit beschäftigen ihn figürliche Kompositionen, Illustrationen,
Radierungen — Brotarbeiten. Endlich kann auch Lucas mit Hilfe
eines Stipendiums der Erbprinzessin Mathilde im Herbst 1829
nach Rom ziehen, wo schon App und der ebenfalls befreundete
Jakob Feising arbeiteten. J. A. Kochs und des diesem befreun-
deten Christian Reinharts Kunst zieht ihn dort in den Bann. Mit
Peter App tritt er bald in die Ponte-Molle-Gesellschaft ein und
damit in den Mittelpunkt der römischen Künstlerschaft. Mit einer
großen Alpenlandschaft (Rom 1830), die mächtige dunkle Baum-
gruppen in einem romantischenTal,darüber Berge und Gletscher
zeigt, macht er daheim Aufsehen. In diesem Werk, das er aus
Dankbarkeit seiner hohen Gönnerin geschenkt hatte, jetzt im
Besitz des Großherzogs, hat er sich von der Stilistik Kochs, die
im Grunde doch im achtzehnten Jahrhundert wurzelt, freige-
macht. Er geht über diesen hinaus zu gesundem Realismus, eine
Folge seines unermüdlichen Naturstudiums, sein Farbsinn ent-
wickelt sich außerordentlich, er beobachtet die mildernde Wir-
kung der Luft und gelangt bald zu hellen klaren Tönen. In den
vielen nachfolgenden Werken mit italienischen Motiven, wie wir
sie besonders in der Darmstädter Galerie, im Städel in Frank-
furt a. M., in Stuttgart, Leipzig u. a. O. finden, hat Lucas eine Höhe,
künstlerische Kraft und Reife, oft eine duftige Lieblichkeit der
Malerei erreicht, die ihn in die erste Reihe der deutsch-römischen
Maler stellt. Dies kann man ganz besonders klar erkennen, wenn
man das Gemälde „Die Wäscherinnen von Civitella" von 1835
im Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt a. M., das in einem
schönen Kabinett mit zahlreichen zeitgenössischen Malern des
deutschrömischen Kreises zusammen hängt, mit den übrigen
Bildern vergleicht. Diese ideale römische Landschaft des Lucas
ist vielleicht das köstlichste Stück in diesem Raum. In seinen
Zeichnungen, besonders einer Folge von kolorierten italieni-
schen Motiven im Darmstädter Kupferstichkabinett, steuert er

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