Freie Vereinigung Darmstädter Künstler   [Hrsg.]; Städtisches Ausstellungsgebäude auf der Mathilden-Höhe <Darmstadt>   [Hrsg.]
200 Jahre Darmstädter Kunst: 1830 - 1930: Darmstadt, Mathildenhöhe 1930 ; vom 22. Juni bis 28. September 1930 ; als Festgabe zur 600-Jahr-Feier der Stadt Darmstadt — Darmstadt, 1930

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dasSchönste bei,was deutsche Landschaftskunst jenerZeit schuf.
In Darmstadt hat Lucas viel Bilder mit einheimischen Motiven
gemalt, sein großes Odenwaldbild der Darmstädter Galerie ist
eine der monumentalsten Gestaltungen geblieben, die je in
unserer engeren Heimat entstanden, die Sehnsucht nach Italien
verließ ihn jedoch nie, 1850 war es ihm noch einmal vergönnt,
dorthin zu pilgern.

Daheim hat er, stets kämpfend mit ungenügendem Verdienst,
abgelenkt durch 14 stündigen Schulunterricht, Malstunden für
Dilettanten und unbefriedigende Brotarbeiten aller Art, nicht
immer die Höhe seiner früheren Zeit erreicht, doch hält er stets
eine respektable Höhe. Es ist kein Ruhm für seine Vaterstadt
Darmstadt, einem Künstlerwie Lucas keine ausreichende Existenz
geboten und ihn zu öder Schulmeisterei gezwungen zu haben.
Trotz der sehr dankenswerten Veröffentlichung von Bernhard Lade
von 1924 ist Lucas in seiner ganzen Bedeutung noch immer nicht
genügend gewürdigt, er ist auch in den letzten Jahren bei Aus-
stellungen und Veröffentlichungen der Kunst seines Kreises im-
mer wieder vergessen worden. Seine Bedeutung ist aber durch-
aus keine nur lokale, sondern eine nationale.
Zuerst Schüler von Franz Hubert Müller war auch Bernhard
Schlösser, 1802—1859, der dann in Paris weiter studierte.
1836 erhält er vom Großherzog von Hessen den Auftrag, ein
Bildnis der Großherzogin zu malen. Er malt auch Miniaturen. In
Frankfurt erhält er ein Lehramt und ist von 1831 ab dort ansässig.
Georg Brunner, geb. 1804 zu Darmstadt, f daselbst 1882,
hat als junger Mann ein sehr gutes Selbstbildnis, hauptsächlich
jedoch Blumen und Früchte auf das sorgfältigste gemalt und
öfter den Pariser Salon beschickt. Man begegnet selten Arbeiten
seiner Hand.

Auch Heinrich Schiibach (1798—1851), Schüler von Prima-
vesi, hatte in der kleinen Residenz nicht ausreichenden Verdienst
finden können, deshalb hatte er 1828 die Stelle als Theatermaler
angenommen. Er hat als solcher hervorragend schöne vielge-
rühmte Dekorationen geschaffen. Auch Schiibach war in Rom
gewesen, wo er u. a. mit Ludwig Richter herzliche Freundschaft
fürs Leben geschlossen hatte. Sein „Castell Gandolfo am Al-
banersee" von 1839 im Landesmuseum, seine köstlich feinen

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