Freie Vereinigung Darmstädter Künstler   [Hrsg.]; Städtisches Ausstellungsgebäude auf der Mathilden-Höhe <Darmstadt>   [Hrsg.]
200 Jahre Darmstädter Kunst: 1830 - 1930: Darmstadt, Mathildenhöhe 1930 ; vom 22. Juni bis 28. September 1930 ; als Festgabe zur 600-Jahr-Feier der Stadt Darmstadt — Darmstadt, 1930

Seite: 20
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von Ansichten der schönsten Gegenden Deutschlands beteiligt,
die der dritte Bruder, der Kunsthändler und Verleger Gustav
Lange, in Stahl- und Kupferstich herausgab. Dann wurde der
junge Künstler, der schon ein routinierterZeichnerwar, in Düssel-
dorf Schüler Schirmers, zog dann nach München. Die Akademie
Venedig beauftragte den angesehenen Künstler mit der Aus-
führung einer Reihe von Skizzen zum Studium der Landschafts-
malerei, die Akademie in Mailand ließ zwei größere Bilder von
ihm malen. Infolgedessen nahm er für einige Zeit seinen Aufent-
halt in Oberitalien. Nach München zurückgekehrt, erfreute er
sich der besonderen Gunst des Königs Max, der ihm auch den
Hofmalertitel verliehen hatte. Im Gegensatz zu der schlichten
Art des Bruders Ludwig waren die Bilder von Julius Lange, zu-
meist Hochgebirgs- und Schweizer Landschaften, in oft blenden-
der Weise auf malerische Effekte angelegt, vedutenhaft, von
verblüffender Wirkung, technisch ungemein geschickt gemacht.
„Seine Gebirgslandschaften gefallen sich immer wieder in den
harten Smaragd- und Saphirtönen der Bergseen, über denen
in kalkigem Weiß oder im schwülen Purpur der Abendsonne die
beschneiten Gipfel aufragen". Die Naturstudien von Julius Lange
sind von ausgezeichneter Frische und malerischer Reife und uns
heute erfreulicher als viele seiner fertigen Bilder, die damals
in zahlreiche Galerien und in alle Welt, viele nach Italien, Eng-
land und Amerika gelangten. König Ludwig I. kaufte zwei Werke
für die Neue Pinakothek, auch die Darmstädter Galerie soll
Arbeiten besitzen.

Ein Liebling aller Besucher des Landesmuseums ist mit Recht
ein Gemälde, das die Werkstatt des Bildhauers J. B. Scholl
darstellt, ein reizendes Werk der Biedermeier-Malerei, 1838
gemalt von dem Oberhessen Karl Engel von der Rabenau.
Der junge, erst 18 jährige Bildhauer, der dem Beschauer den
Rücken zuwendet, sitzt im lila Kittel vor seiner großen Statue
der hl. Elisabeth für Marburg und wendet den Kopf nach links
zum Fenster ebener Erde hin, durch das ein hübsches Mädchen,
die Schwester Schölls, ihm Brot und Äpfel hereinreicht. Die ver-
wirrende Fülle aller Einzelheiten der Bildhauerwerkstätte, un-
zählige Gipsmodelle auf Postamenten, Regalen, an den Wän-
den, Geräte, Handwerkszeug, Blumenstöcke, Möbel, die spie-

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