Freie Vereinigung Darmstädter Künstler   [Hrsg.]; Städtisches Ausstellungsgebäude auf der Mathilden-Höhe <Darmstadt>   [Hrsg.]
200 Jahre Darmstädter Kunst: 1830 - 1930: Darmstadt, Mathildenhöhe 1930 ; vom 22. Juni bis 28. September 1930 ; als Festgabe zur 600-Jahr-Feier der Stadt Darmstadt — Darmstadt, 1930

Seite: 31
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unruhige Geist mit seiner jungen Frau nach Amerika. Dort läßt
er sich in Philadelphia, wo er großen Erfolg hat, nieder und
kehrt nach 10 jährigem Aufenthalt als wohlhabender Mann über
Frankreich und Schottland nach Darmstadt zurück. Die Werke
jener Zeit blieben in Amerika und zahllose weitere Bilder
der nachfolgenden Jahre wandern ebenfalls über das große
Wasser. Paris besuchte Weber öfter, doch malte er nie in der
Stadt, dagegen 1864 und auch später in Barbizon, wo er mit
Millet und Charles Jacques verkehrte. Schreyer, Bodmer, Teich-
lein und Brendel gehören zu dem dortigen Kreis. Gemälde wie
„Sandhügel bei Barbizon", „Waldinneres von Fontainebleau"
sind Meisterwerke. Die Veröffentlichung einer Folge von Stein-
zeichnungen, Landschaften, 1862 (Verlag von Karl Köhler in
Darmstadt), die als Zeichenvorlagen gedacht waren, trägt zu
Webers Bekanntwerden sehr bei, denn diese schönen Zeich-
nungen stehen hoch über sonstigen derartigen Vorlagen, sie
gaben mehreren Generationen Darmstädter Maler ihre land-
schaftliche Vorbildung. Weber hat in Darmstadt und Umgebung
zahlreiche Bilder gemalt, z. B. den prachtvollen „Rabenstein"
in mehreren Fassungen (zwei derselben im Besitz der Stadt
Darmstadt), Bilder von der malerischen Ziegelhütte, dem Mühl-
tal, den Darmwiesen, wo er stets den üppigen Vordergrund mit
großer Feinheit 'und Liebe durchführt. In Darmstadt entstand
auch Webers größtes Bild vom Lago maggiore mit den beiden
Regenbogen, sowie das ebenfalls sehr große Gemälde „Loch
Katherine", ein Motiv aus Schottland, das er im Auftrag der
Stadt Darmstadt als Hochzeitsgeschenk für den Prinzen Ludwig
von Hessen, nachmals Großherzog Ludwig IV., zu dessen Ver-
mählung mit der Prinzessin Alice von England ausführte. Obwohl
Großh. Hofmaler geworden, siedelte Weber 1871 nach München
über, wo er bis zu seinem 1916 im 94. Lebensjahre erfolgten
Tode rastlos schafft. Er arbeitete überaus leicht und rasch bei
größter Sorgfalt der Durchführung. Die Fülle seiner Werke —
Bildnisse, Genre, Tierstücke, Landschaften in öl und Aquarell
nebst unzähligen Zeichnungen und Studien — ist unübersehbar.
Paul Weber war gewiß kein unbekannter Mann gewesen, seine
Beteiligung an zahllosen Ausstellungen, seine Beziehungen zu
vielen unserer Besten während mehr als zwei Menschenaltern

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