Freie Vereinigung Darmstädter Künstler   [Hrsg.]; Städtisches Ausstellungsgebäude auf der Mathilden-Höhe <Darmstadt>   [Hrsg.]
200 Jahre Darmstädter Kunst: 1830 - 1930: Darmstadt, Mathildenhöhe 1930 ; vom 22. Juni bis 28. September 1930 ; als Festgabe zur 600-Jahr-Feier der Stadt Darmstadt — Darmstadt, 1930

Seite: 34
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Es steht zu hoffen, daß dieser außerordentliche Künstler, seither
in der Literatur fast unbekannt, demnächst verdiente Würdigung
finden wird.

Auch der eigenartige Tiermaler und Illustrator Joseph]Wolf,
geb. 1820, war kein Darmstädter, aber er lebte als beliebte
und anregende Persönlichkeit wiederholt hier, mit Bildern und
Illustrationen, die er selbst sehr geschickt auf Stein zeichnete,
beschäftigt. 1846 zeichnete er in Darmstadt eine Reihe von
Wildvögeln, Enten, Birkhühner u. dgl. in großen Blättern auf
Stein für den Darmstädter Verlag von Ernst Kern, die von er-
staunlicher Lebendigkeit und derart gut in eine intim natura-
listisch studierte Landschaft hineingestellt sind, daß man stark
an den glänzenden Vogeldarsteller unserer Zeit, Bruno Liljefors,
erinnert wird. Wolf war schon 1847 in England gewesen, wo er
später festen Fuß faßte und viel Erfolg hatte. Er illustrierte „Das
Leben und die Gewohnheiten wilder Tiere" usw. Wolf starb in
London 1899.

Heinrich Hoffmann, geb. zu Darmstadt 1816, f 1891, war
zuerst Offizier. Nach seinem Abgang als Hauptmann (daher
zur Unterscheidung von [Joh. Mich.] Heinrich Hofmann-Dresden
Hauptmann Hoffmann" genannt) widmete er sich ganz
der Malerei, die er auch vorher schon betrieben. Er suchte mit
Vorliebe malerische alte Winkel zwischen Mauern, Klostergärten
und Kleinstadtarchitekturen auf, die er geschickt mit figürlicher
Staffage versah. Es steckt etwas vom Geiste und der Liebens-
würdigkeit Spitzwegs in den durchaus selbständigen kleinen
Bildern in öl und Aquarell. Die Architekturmotive waren zumeist
heimische. Das Stadtmuseum von hier besitzt eine Reihe von
aquarellierten Motiven aus dem alten Darmstadt.
Ganz anderer Art ist die Kunst von (Joh. Michael) Heinrich
Hof m a n n, 1824—1911, der sich einen großen Namen und viele
Ehrungen erworben hat, erst überschätzt, dann unterschätzt und
vergessen wurde. Heute wissen wir, daß sein Name nicht durch
die vielverbreiteten Christusbilder, sondern durch vorzügliche
Bildnisse erhalten bleiben wird, man kann ihn den vorzüglichsten
deutschen Bildnismalern des 19.Jahrhunderts zuzählen. Hofmann
ist zu Unrecht auf der deutschen Jahrhundert-Ausstellung 1906
vergessen worden.

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