Freie Vereinigung Darmstädter Künstler   [Hrsg.]; Städtisches Ausstellungsgebäude auf der Mathilden-Höhe <Darmstadt>   [Hrsg.]
200 Jahre Darmstädter Kunst: 1830 - 1930: Darmstadt, Mathildenhöhe 1930 ; vom 22. Juni bis 28. September 1930 ; als Festgabe zur 600-Jahr-Feier der Stadt Darmstadt — Darmstadt, 1930

Seite: 40
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Meister eine Ausbildung, die nicht nur im Technischen, sondern
in der geistigen Beherrschung des Stoffes, der großzügigen An-
schauung von Kunst und Leben bestand. „Das eigene unermüd-
liche, stets frisch unternehmende Schaffen Eugen Brachts ist's
nicht zum geringen Teil, was ihm den großen Einfluß auf seine
Schüler sichert! Daß sie ihn selbst mit denselben Problemen kämp-
fen und ringen sehen, die vor ihnen wie gewaltige Feinde stehen,
die sie überwinden müssen, das reißt sie hin, das zwingt sie in
seine Gefolgschaft, das lehrt sie selbst die Waffen schmieden
und gebrauchen, das macht ihn zu der seltenen Erscheinung als
Lehrer, die wir an ihm bewundern." (Prof. Carl Langhammer.)
Das akademische Lehramt war indes für Bracht kein Hindernis
gewesen, ein fast beispiellos umfangreiches Werk zu schaffen .
Bracht ist 1842 zu Morges am Genfer See als Sohn westfälischer
Eltern geboren, als Achtjähriger kommt er nach Darmstadt. Er
zeichnet von Kind auf, erhält früh Unterweisung von Hofmaler
Frisch, dann von Seeger. Mit 17 Jahren ist er Schüler der Karls-
ruher Kunstschule beiSchirmerund bereitsein ungemein geschick-
ter Landschaftszeichner. Er geht 1861 nach Düsseldorf, das ihm
nicht gut bekommt und ihn zu dem Entschluß bringt, der Kunst
zu entsagen. Es folgte eine zehn jährige Kaufmannschaft, während
derer jedoch das Zeichnen und Beobachten der Natur nicht lassen
kann. 1875 kehrt er zur Malerei zurück. Eine Reihe von Heide-
bildern bringt |ihm großen Erfolg, 1880/81 macht er die erste
Orientreise mit enormer Ausbeute, u. a. „Abenddämmerung am
Toten Meer" (Berlin, Nationalgalerie), wird dann von Anton von
Werner nach Berlin berufen, um den landschaftlichen Teil des
Sedan-Panoramas zu malen und die Professur für Landschafts-
malerei an der Kgl. Kunstakademie zu übernehmen. Fünf Jahre
;st er mit verschiedenen Panoramen beschäftigt, da das erste
großen Erfolg hatte. 1889 entstand das Hauptwerk der ersten
Periode „Das Gestade der Vergessenheit" (Darmstädter Galerie),
das die große goldene Staatsmedaille einbrachte. Bracht aber
fühlt, daß er seine Landschaftsdarstellung im Sinne des „Gestade"
weder überbieten noch weiterbilden könne. Nach einer zweiten
Orientreise mit weniger ^stofflichem als malerischem Programm
beginnt er eine veränderte Arbeitsweise, die darin bestand, daß
er nicht wie seither die Bilder erst nach Ideen und der dazu ge-

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