Freie Vereinigung Darmstädter Künstler   [Hrsg.]; Städtisches Ausstellungsgebäude auf der Mathilden-Höhe <Darmstadt>   [Hrsg.]
200 Jahre Darmstädter Kunst: 1830 - 1930: Darmstadt, Mathildenhöhe 1930 ; vom 22. Juni bis 28. September 1930 ; als Festgabe zur 600-Jahr-Feier der Stadt Darmstadt — Darmstadt, 1930

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der Münchener Akademie zu verdanken. Ausgebildet zuerst bei
Rudolf Hofmann, dann bei Kreling und Raupp in Nürnberg, bei
Diez in München, wird er 1880 Professor, 1891—1896 Direktor
der Münchener Akademie. Er malt einen famosen „Trödelmarkt",
der viel beachtet wird, dann aber läßt ihn seine besondere Liebe
zu den alten Meistern oft solche Stoffe wählen, die an Motive
der Alten erinnern. Er durchdringt indes seine Stoffe derart mit
gründlichem Naturstudium, einer Feinheit der Empfindung und
des Tones, oft mit einer so hinreißenden Anmut, daß er doch
ganz eigenes gibt. So der „Erasmus", „Kardinal', „Geiz und
Liebe", „Der Marinemaler" (Darmstädter Galerie), „Pietä", „Die
Näherin", „Die Alte", Bildnisse und vieles andere. Nach seinen
großen Erfolgen, die ihm höchste Auszeichnungen bringen, gehen
viele Werke nach Amerika, so daß wir kein rechtes Bild von seiner
früheren Tätigkeitgewinnen können. Ausgezeichnete Innenräume
und ganz feigenartige Landschaften, nicht zu vergessen den be-
rühmten „Krautgarten"; „Die Quelle", „Der Einsiedler", die „Land-
schaft mit dem Regenbogen" folgen. Indes wird Löfftz durch
seine Lehrtätigkeiten der er ganz aufgeht, ganzvon seiner eige-
nen Arbeit abgezogen, er arbeitet langsam und ein so wunder-
voll begonnenes Bild wie „Orpheus und Eurydike" verliert durch
zu häufiges Ändern und übermalen ganz die ursprüngliche Kraft
und Frische. Der Ruf der Löfftzschule dringt in alle Welt, die
Schüler drängen sich und es gehört selbst für Fortgeschrittene
zum guten Ton, sich den letzten Schliff noch bei Löfftz zu holen.
Er verstand es, ohne hineinzumalen, die Studien zu höchster
malerischer Delikatesse zu steigern — es entstanden meisterhafte
Arbeiten in seiner Schule. Einer seiner Schüler, kein geringerer
als Karl Stauffer-Bern schrieb: „Löfftz hat eine Anschauung
der Natur, wie nur wenige sie besitzen, so ungeheuer fein und
nobel. Er lehrt uns nicht nur etwas möglichst talentvoll malen,
sondern er strebt an, uns das Wesen der Kunst auseinanderzu-
setzen, das heißt uns das Gefühl für Schönheit in Auffassung,
Form und Farbe zu wecken und soweit wie möglich zu vervoll-
kommnen. Er opfert sich völlig für seine Schüler."
Löfftz persönlich nahestehend ist Heinrich Deuchert, geb.zu
Darmstadt 1840, 11923 in Oberallmannshausen bei Starnberg.
Er malt mit feiner Tonempfindung ;und delikater Technik Land-

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