Freie Vereinigung Darmstädter Künstler   [Hrsg.]; Städtisches Ausstellungsgebäude auf der Mathilden-Höhe <Darmstadt>   [Hrsg.]
200 Jahre Darmstädter Kunst: 1830 - 1930: Darmstadt, Mathildenhöhe 1930 ; vom 22. Juni bis 28. September 1930 ; als Festgabe zur 600-Jahr-Feier der Stadt Darmstadt — Darmstadt, 1930

Seite: 45
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Philipp Otto Schäfer und August Wondra zusammengefunden,
die eine erste Ausstellung im Kunstverein unter Zuziehung des
neuzeitlichen Kunstgewerbes veranstalteten.

Der Erfolg der Ausstellung, deren Schutz Großherzog Ernst
Ludwig freudig übernommen hatte, übertraf alle Erwartungen,
sie war bahnbrechend.

Die nächste Zeit mit der Gründung der Künstlerkolonie durch
Großherzog Ernst Ludwig und deren erster Ausstellung, die größ-
tes Aufsehen erregte (1901), die rasche Entwicklung der Stadtmit
den schönen neuen Teilen, mit neuen Denkmälern und Brunnen,
die Umgestaltung der Sammlungen, vorab der des Landesmu-
seums in Alfred Messels Neubau 1906, die vorbildliche Kunst-
pflege in Hessen, ist so oft und eingehend in Werken, Zeitschriften
und Fachblättern dargestellt worden, daß es hier genügt, nur
noch einmal kurz auf die Bedeutung so ausgezeichneter Ver-
anstaltungen hinzuweisen, wie die Ausstellungen der Künstler-
kolonie, der „Freien Vereinigung Darmstädter Künstler", der hes-
sischen Landesausstellung 1908, der Ausstellung Deutsche Kunst
von 1650—1800 im Jahre 1914 und viele andere waren. Daß
bei Lage, Art und Vergangenheit der Stadt Darmstadt gerade
die Pflege der Kunst ein Gebot der Selbsterhaltung ist, dürfte
jedem Einsichtigen klar sein.

Der große Krieg hatte einen Stillstand, der Umsturz eine Auf-
lösung aller seitherigen Organisationen gebracht, viel, sehr viel
ging für Darmstadt verloren. Die furchtbare Not der Zeit, nicht
nur die wirtschaftliche allein, legt uns die bange Frage vor „Wie
wird es weitergehen?"

Die Ausstellung „Zweihundert Jahre Darmstädter Kunst", ver-
einigt mit der verspäteten Feier des 30jährigen Bestehens der
„Freien Vereinigung Darmstädter Künstler", die aus Anlaß des
600jährigen Bestehens Darmstadts als Stadt veranstaltet wird,
zeigt uns zahlreiche Werke der Vorfahren, die uns besinnlich
stimmen können.

Möchten die Bürger Darmstadts nie vergessen, daß es keinen
Wiederaufstieg ohne eine Pflege der idealen Güter geben kann,
möchten unserer Stadt auch in der Folge Künstler erstehen, die
ihrer Vorfahren würdig sind! Adolf Beyer

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