Einwohner=Verzeichniß der Stadt Heidelberg nebst Angabe ihrer Wohnungen und Gewerbe in alphabetischer Ordnung für 1860 und 1861. — Heidelberg, 1860

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II. Dienftweisiiiig nir den Fleischbeschauer:

8 7. Bei Unglücksfällen, ber welchen vas Tbier nicht im Schlacht-
hause geschlachtet werden kann, hat ftch der Fleii'chbeschauer schleunigft an
Ort und SteUe zu verfugen und es dort zri unterüichen. Auch das von
außen in die Stadt eingcbrachtc Fleisch hat er zu untersuchen, Ge-
sundheitsscheine anSzustcUen nnv dafur, wenn es unter 50 Psund ftnd,
3 kr., nnd wenn es nber 50 Pnmd sind, 0 kr. anzusprechen (s. Berfügg.
dcs (str. OberamtS vom 8. Ott G51, No. i«--.'> -.

8 k. Bei allen Dicnftverrichtungen hat dcn Fleischbeschauer nöthi-
genfalls die Polizcimannschaft ;u uutcrstutzen, welche er jederzeit hierzu
aufsordern kann.

8 1l. Hinsi'chtlich d-r Zulanung von Vieh zur Schlachtung im
Schlachtbause gclten Gruudsähc nnd Bestimmungen, worüber die amtliche
Ausgabe der Mctzgerordnung zu vergleicheu ift.

8 17. Den Eigenthümern ift das ^chlachten vou Vieh und die
Verwendung zum bäiislichen Gebrauche oder der Verkauf des Fleisckes
in solgcudcu Fällen gestattct, wo die Zulaftung zuui Schlachthause poli-
zeilich verboten ift:

1) Thiere, die an rein cntzund l ichen Krankheiten leiden, dürfen
mitcr dcr Bediuguug des Ausbluicns gcschlachtel, dic cntzündeten Theile
abcr muncii verlocht werden. Dies gilt namentlich auch sür Knochen-
bruche uud Bkrwunduugen, welche bereits zu Cntzuudung und Wundfieber
gcfuhrt baben;

) bci altem uud bei abgemagercm Vieh, wenn das Fleisch
gesuud uud uoch hinreichend nahrharl ist, namentlich wv der tz 18 dieses
Abichuiites uicht zur Geltuug kommt, z B. bei niedercn Graden derKno-
cheubriichigkeit oder Markftiissigkeit des Rindviehs uud der Egelsucht der
Sckaafe, so lange keine Wassernicht sich ciugeftellt hat, bei Zehrfiebern,
welche uoch incht allzulangc gewabrt babeu u.s. w. ;

3) bei schiveren Geburlcu, Gebärmuttervorsällen u. dergl. der
Kiihc:

4) bei drobeuder Crft i ckn u gs g efa hr iu Folge verschluckter frem-
dcr Kerver, bei Autblahimg uud Ucbcrfuttcruug;

5) bci plötzlichem Tod durch Schlagftuß, Blähsucht, Erstickung
durch frcmde Korver, dic im Schluntc stcckcn bleiben, Erdroffelung, Er-
saiucu u. s. w.

In allen dicsen Fällen ift der Verkaut des Fleisches den Eigenthü-
mcrn uur dauu geftattct, wenu:

1 > eine Besichtigung vom Fleii'chbeschauer, edcr, wo irgcnd thunlich,
vom Thicrarzte vorausgegaugeu ift; und weun

2) vou der Polizcibehörde cine schriftliche Erlaubuiß vorliegt. (Er-
laß Gr- Miniftcriums d. Z. vom 4. Auguft 1818, No. 5220, Abs. 1, abge-
druckt im Verorduungsblatt res U.-Rb. vom Zabre 1845, No. 24, S. 56.
Vgl. auch l, 8,3.)

Zu den Fällcu 4 und 5 wird dic Erlaubuiß zum Vcrkaufe noch au-
sierdem an dic Bedingung geknüptt, daß sogleich nach d.m Tode die
Bauchboble eröffnct nnd die Eingewcire bcrausgcuoiumc!! wcrden.

tz Unter keiner Bckiugiiug ift der Verkauf uud sclbft der Ge-
nnß des Flcisches in folgendcn Fäücu zu acftatten, er ist vielmehr sowohl
dcm Mctzger als dem Eigcntbulmr dcs Viehes verboteu und polizeilich
zu vcrhindern:

l> bei allen Formen und in alleu Zciträuu'cu der M ilzseu che. Hier
ift wgar das Oeffncn der umgeft.iudeuen odcr getodtcteu Tlssere wcgca
der Gcfährlichkeit verboten. (Miuifterialverordnung vmn 28 Zuli 1822.
ncbft bcigcmgter Belehrung dcr (vr. Sauitatscoinmiffioii im Anzcig^bl.
dcs ReckarkrciseS v. Z. 1822, No. «»3, S. 465- 468.) Dalssn gchören:
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