Heidelberger Adreß-Kalender für das Jahr 1868 — Heidelberg, 1868

Seite: VIII
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in Folge dessen die herrliche Pfalz und die angränzende Mark-
grafschaft Baden räuberisch nnd mordbrennerisch gebrandschazt,
ausgeplündert und verwüstet wurden!

Noch während der Belagerung von Philippsburg sandte
der Dauphin, welchem der König den Oberbefehl dieses
Feldzuges übertragen, zwei höhere Officiere ^) nach Heidelb erg,
mit der Vollmacht, die Uebergabe der pfälzischen Residenz zu
verlangen. Diese Aufforderung versezte die gute Stadt in
nicht geringe Verwirrung. Der ganze Geheimrath bis auf
ein einziges Mitglied und die Hälfte der Regierungs-,
Hofgerichts- und Kammerräthe hatten sich bei Aunähe-
rung der Gefahr davon gemacht^), die Gebliebenen aber sahen
in der Ergebung an den Feiud den einzigen Rettungsweg.

Das Ergebniß ihrer Berathilng mit den Profesforeu und
Stadtherren war der Beschluß, „daß man sich keinem feindli-
chen Angriffe aussetzen könne, sondern mit der Kroue Frank-
reich in Unterhaudlung zu treten snchen müße." Jn Folge
deffen kam denn auch zwischen dem königlichen Bevollmächtig-
ten von Chamlay einerseits und dem heidelbergischen Eom-
mandanteu Cataneo, dem Reste der pfälzischen Regierung,
dem Rector der Hochschule und Bnrgermeister der Stadt
andererseits, am 24sten October eine CapitulatioiG) zu

b) Den königlichen Keneral-Duarliermeister monnionr äo Odnnilaz'
und den gewesenen Oommaudanlen von Landnu monmour äo Lollooroix,
welche am Nachmitlage des 22sten Octobers in der Stadt anlangten, und
auf dem Schloß bei dem Obermarschall von Stein-Callenfels und
dem Oberforstmeister vou Geluhauseu ihre Nufwartuug machteu.

^) Die kurpfälzischen R eg ieru n g s rä th e wareu: vr. Schreiber,
Coccejns, Riesmann, Jörger, Schelm vou Bergeu, Neuhof, Rochau, Kreit,
Pastorius (Vicecanzler), Fuchs und Lingelheim (Secretär), wovon nnr die
4 ersteren in Heidelbcrg geblieben; die Kirchenräthe: Barou von Stein,
I)r. Fabricius (Universitats-Rector), Salmuth, vr. Mieg, vr. von Spina
und Kreutz (Secretär), welche sämnitlich geblieben i die Hofgerichtsräthe:
vr. Thulemarius, Neukirch, Fraps, vr. Tertor, Vultejus uud Zachmann,
deren nur die ersteren beiden dageblieben; die Fiuanzräthe: Baron vou
Sickingen, Tombe, Heilmann, Müller, Uebelacker und Ullmann, wovon nur
die 2 lezteren geblieben; die Räthe dcr geistlichen Ndministration:
Wifsenbach, Schorr, Catzgro und Langhanus, welche alle geblieben; die
Geheimräthe endlich: Baron von Stein (Oberhofmarschall), Baron von
NCch (Hofkanzler), Graf von Hamiltou, Baron von Degeuseld, Baron von
Sickingen und Baron Spiring, welche sich bis auf den erstern alle nach
einander entfernt hatten.

b) Am Morgen des 23sten Octobers fand eine Berathung des Barons
von Stein mit den in Heidelberg noch anwesenden Regierungsherren und
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