Heidelberger Adreß-Kalender für das Jahr 1868 — Heidelberg, 1868

Seite: IX
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StMde, rvelche durch den (unter dem Dauphin commaudieren-
den)- MarschaU von Duras feierlich bestätiget, und nach
etlichen Wvchen, als Monsiguor von Mannheim aus zur Be-
sichtigung des Schlosses und der Stadt selber nach Heidel-
berg kam, durch dessen eigenen Mund nochmals ausdrücklich
verbürgt wurde.

Diese Capitulation gestattete derr krupfälzischen Trup-
peu einen sreien, ehreuhasterr Abzug; sie bestimmte bezüglich des
Schlosses, der Stadt urrd ihrer Bemohner, dnß die Bürgerschast
der französischen Manuschast nur das Qirartier zu geben
habe; daß grite Orduuug uud Disciplirr solle gehalten, uud
deu abgezogeueu Herren vom Adel, vou der Regierung und
Hochschule das Jhrige ringehiudert verabsolgt werde; daß das
kursürstliche Residenzschloß mit allen Gebäuden und Zu-
gehöruugen in keiner Weise und aus keiueu Fall zerstört oder
beschädiget werden dürfe; daß die Stadt uud Hochschule
mit ihren (an- wie abwesenden) Angebörigen bei den herge-
brachten Rechten, Freiheiten uud Einküuften ruhig belassen
bleibe, und daß die eudlich den Heidelbergern süngst auserlegte
Contribution gänzlich abgethan sein solle.

Als die Nachricht vom Abschlusse der Capitulation aus's
Schloß gelangte, erregte es solchen Unwillen bei der dortigen
Besatzung, daß dieselbe nnter den gröbsten Schmähuugen
revoltierte und sich über den Wolssbrunneu heimlich davon
machte, um dem Feinde nicht vor die Augen zu gerathen.
Die Ileibdi agoner zerrisseu sogar ihre Standarte und Jeder
nahm einen Fetzen davon mit sich sort.

Die Franzosen besetzten Schloß und Stadt mit 984
Mann Znsanterie und 194 Mann Cavallerie, über deren Ver-
pslegung im Winter-Ouartiere ein geuaues Reglement gege-
ben wurde. Darin war der gemeine Soldat zu Fuß mit
^ 2 und der zu Pser/e mit 9 Sous sür den Tag angesezt;

ausserdem sollte derselbe täglich^n Psund Fleisch, anderhalb
Pfunde Brot und eine balbe Maß Wein erhalten. Vei der

etlichen Profeuoreu statt, deren Beschluß die Abfassung eiucs Capitula^
tious-Prosectes betraf. Dieieu Eutwurf hatte der Nath uud Secretär
Iörger zir ferugeu. weil cr des Französischcu im Schreibeu uud Sprecheu
gleich mächtig, wie auch bci deu frauz'ösischeu Sfsiciereu wegeu seiner geseil-
schastlichen Geivandtheit besouders wohl gelitten war. Die ckapitulation
ielber stehr in extknso abgedruckt bei Kayser (S. 492) und ist uilter
den psälzischen Kriegsacten noch iiu Concepte vorhanden.
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