Heidelberger Adreß-Kalender für das Jahr 1868 — Heidelberg, 1868

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schierte. Sechs Minierer blieben znrück, um die zalreichen
Minen anznzünden, wovon aber einige nicht los giengen. Was
an Wohnungen nicht abbrannte, ist durch die wenigen Lente,
welche sich im Schlosse befanden, mit großer Gefahr gerettet
worden, wobei jedoch ein Mann und zwei Weibspersonen leider
ihr Leben eingebüßt".

„Solchergestalt ist das uralte, niagnisique, in und außer
Deutschland berühmte kurfürstliche Residenzschloß innerhalb
eines Vormittages mit Allem, so noch hin und wieder in den
Gemächern sich befunden, bis auf die unteren Gewölbe und
Keller, abgebrannt und großentheils zu eiuem Aschen- und
Steinhaufen geworden".

Ein Anfschrieb von gewandter Hand schildert die Vorfälle
des 2ten Märzes im Kaltenthal. Es ift mir leider nicht
gelungen, den Verfasser davon heraus zu bringen; derselbe
berichtet Folgendes.

„Nachdem der vomts äo mit den übrigen Offi-

cieren den Burgweg heruuter kommen und sich zum Kalten-
thal gewendet, fielen die hinterher gehenden Grenadierer in
Herrn Canzler Pastoris und in Herrn Rombergs Haus,
woselbst aber der Brand durch die Nachbaren mit Hilfe eines
französifchen Officiers, der die Brenner mit Schlägen vertrieb,
bald wiederum gestillt wnrde^P Hierauf kam der Graf niit
seiner Begleitnng wieder vom obern Thor über den Neumarkt
dem Burgweg zu, wobei man gewahrte, daß des Herrn von
Sickingen Haus iu volle Flammen gerieth".

„Die Herren ritten den Burgweg hinauf und hielten da
eine Weile, als deliberierten sie über Etwas. Herr Darasso
und ich nahmen uns die Freiheit und giengen ganz nahe hinzu
und thaten die Bitte an den oomw 6 6 16 8 8 6, er möge doch

„Obwohlen bey 400 französische Soldaten commandirt wa-
ren, die ganze Stadl anznstecken, so hatten doch noch einige hohe Offi-
cierer ihr Mitleiden mit den armen Bürgern, ruid dcuteten ihnen deswegen
an, sie sollten Stroh in ihre Häuser tragen und etwas davon anzünden,
daß es einen Ranch gebe und das Nnsehen habe, als seyen selbige auch
angesteckt. Anderen von den Ofsicieren, sonderlich dem Gcneral de Tesse
und Herrn Ronville, presüe das Schreyen und Jammern der armen
Heydelberger die Thränen aus den Angen, und als der Bürgermeister
vor dem Generale aus die Knie niederfiele und ihn um Erhaltung von
Stadt nnd Schloß anflehte, gab derselbe mit einem tiefen Seufzer zur Ant-
wort: Es ist mir dieses Unglück zwar leyd, aber ich muß des Königs schar-
fen Befehl ausrichten." Kayfer, S. 5l3.
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