Heidelberger Adreß-Kalender für das Jahr 1868 — Heidelberg, 1868

Seite: XXII
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rvohlverwahrten Orten selber Stroh anzünden nnd die Fen-
ster ösfnen, damit die vorbey reitenden Osficiere und die ihnen
nachfolgenden Grenadierer den Nauch sehen könnten; sie würden
alsdann ohlle Weiteres vorüber passieren. Was wir also auch
gethan, Ulld dieselben (im Glauben an wirklichen Brand) haben
dieses scheinbare Werk mit größtem Leidwesen und sast mit
Thränen angesehen".

Der Nlüversitäts-Syndicus vr. Runkel lieferte einen
interessanten Beitrag zn diesen Berichten unter der Ueberschrift:
„Wahrhafter Verlauf, wie es in der Kettengaß' abgegangen";
ich theile denfelben daher wörtlich mit.

„Jn der Kettengafse haben zwey Hauptlente, Namens
Poriche und Cesac, bey dem Becker Schott, und zwey Lieu-
tenants mit Namen Prince und Nois bey mir logiert, welche
die Commission gehabt, diese Straße in den Brand zu stecken.
Weilen selbige aber rechtschaffene Leut' gewesen, bey denen
sich noch ein mitleidiges christliches Gemüth befunden, so ist
dnrch sonderbare Schickung Gottes vermittelst deren Conni-
venz") diese Straße vom Brande verschont geblieben".

„Damit die Officiere aber doch in Etwas ihrer aufgehab-
ten Brenn-Commission ein Genügen leisten möchten, haben
sie an meines Nachbars, Herrn Schwebels Hans, in dcr Stnbe
oben Feuer gelegt, welches wegen des Getäfels sogleich stark
angegangen, so daß man solches von Jnnen her nicht mehr
löschen können. Doch ist durch die geschehene Gegenwehr nur
ein Stockwerk mit dem Dachstule abgebrannt".

„Jn des Tentschen Haus, welches die Feind mit Gewalt
aufgehauen, hat ein MuSquetierer auch Feuer eingelegt; als
demselben aber meine gewesene Magd um den Hals gesallen
und etlichemal geküßt, hat es ihn dergestalt bewegt, daß er das
Feuer selbsten wieder mit den Schuhen ausgetreten. So ist
dieses Hails erhalten worden. Gleichermaßen hat man der Frau
Metzlerin Haus mit Gewalt aufgebrochen; die Soldaten aber
mit ihren Strohwischen wurden voil einem der obigen Capitäne
wiederum davon hinweg gejagt".

„Die commattdierenden Officiers haben sehr conniviert imd es
gescheheii lasseii, daß maii i,i maiicheii Häiisern eine Flanime von Slroh
angebracht, um Ombrage zu gcben, als ob dieselben anch angesteckt worden;
ohne dies rväre nicht der zehnte Theil der Stadt stehen geblieben."
S;nna, S. 193.
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