Heidelberger Adreß-Kalender für das Jahr 1868 — Heidelberg, 1868

Seite: XXIV
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/AdressbuchHD1868/0029
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
facsimile
XXIV

dung uach Paris gewesen sein mnße. Der Verfasser erzält
den Verlanf, wie „die Franzosen. bey ihrem Abzug aus Hey-
delberg in seinem Haus gewüthet, geplündert und gebrannt",
folgender Maßen.

„Vor lingefähr 14 Tagen seind bey mir einlogiert
worden 8 Capitäns, 3 Lientenants und 2 Reiter, nebst den
Officiersdienern, welche 35 Personen ich u m s o n st habe speisen
müßen. Während dieser Zeit bezahlte meine Frau 30 Gulden
an Winterquarti er-Geld, 18 Gnlden an Ungeld und
20 Gnlden an Brandsch atzung — thnt in Allem zusam-
men 68 Gulden"!

„Wie nun das uralte kostbare Schloß, nebst dem Mar-
stall, dem Rathhaus, den Laraquen und Mühlen, auch viel'
andere Häuser im Brande stnnden, kommt der trriKvtlier Nelne
mit 150 Pferten vor die Thür, ilnd weilen meine Hansknechte
nicht gleich aufgemacht, laßt er 35 Dragoner absteigen, welche
die Brunnen-Tbüre aufhauen, über den Brunnen in's Haus
fteigen, darin alle Kästen ailfbrechen, meine, wie meiner Frau
und Kinder Kleider, Leinwand und was sie sonst finden, hin-
wegnehmen, und hieranf im vordern Haus, unten im Saale
die Stüle nnd Bänke mit einer großen Schaube anstecken, was
aber durch meine Leute sogleich wieder gelöscht worden".

„Ferner haben sie obeil die Bettladen mit viel Stroh an-
gesteckt, so daß die Flamme zum Hause hinaus geschlagen. Und
als der große Stall und das Hinterhaus in der Hengasse ver-
brannt war, ist der Melac ganz coulant fortgeritten, indem
er gesagt: „Das ist meine Recompens für die Gominission nach
Paris." Das vordere Haus haben die Nachbarsleute soweit
gerettet, daß nichts als Bettladen, Tische und Stüle darin
verbrannt seind".

Der lezte noch am Unglückstage des 2ten Atärz erstattete
Bericht ist wieder an den Kurfürsten Philipp Wilhelm
nach Wien gerichtet. Unter einigem Allgemeineren enthält er
über die Morfälle in Heidelberg folgende Stellen.

„Heute Morgen, ohngefähr um 6 Uhr, hat man znvor-
derst einige Minen am Schlosse gesprengt; hierauf ist das
Schloß selbsten, anfänglich der Ban, wo die vorps <te knrcko
gewesen, folgends alle übrigen Baue, in Brand gesteckt worden
und gar bald in voller Flamme gestanden".

„Jnzwischen hat man auch die übrigen Minen gesprengt,
wovon sowohl der dicke Thurm, als die anderen Thürme
loading ...