Heidelberger Adreß-Kalender für das Jahr 1868 — Heidelberg, 1868

Seite: XXV
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bis auf den Krautthurm, mit allen Angebäueu während ein
paar Stunden in Stein- und Aschenhaufen verwandelt worden,
so daß außer dem Bau, worin die Bibliothek und das Archiv
gewesen, welcher bis jezo noch aufrecht steht, nichts mehr als
Rudera zn sehen seind."

„Die Canzley ist dnrch Herabsallen der dicken Thurms
sehr beschädiget worden, sonderlich an dem Theile gegen die
obere Vorstadt zn. Die ganze Neckarbrücke mit dem jenseits
gestandenen Thurm ist von den Minen in Stücke geschlagen
und in's Wasser gestürzt. Auch seind die Stadtmauern und
Pforten theilweise rniniert. Jn der Stadt selber seind zunächst
der kurfürstliche Marstall, sodann die 4 Mühlen und ein
Theil der neuen Baraquen angezündet worden rlnd ligen ganz
in Schutt und Asche."

„Die Stadt selbsten hat man nach verübter Plünderung,
soviel in der Eile geschehen können, hin und wieder in Brand
gesteckt, und es würde dieselbe gänzlich in Rauch aufgegangen
seyn, wenn nicht durch sleißiges Löschen das überige ge-
rettet worden. Wie viel Häuser nnd Gebäue abgebrannt, ver-
mag man jezt noch nicht zu wissen, znmalen an unterschiedlichen
Orten das Feuer noch nicht gelöscht ist nnd immer wieder in
volle Flammen ausbricht^). Unter viel anderen Häusern ligt
das Rathhaus, wie auch des Herrn Barons von Sickingen
Haus in der Asche."

„Was an dem uralten kursürstlichen Residenz-Schloß
vor eine abscheuliche Verwüstung zu ersehen, auch was vor
ein Jammer in der Stadt mit Weinen und Weheklagen zu
hören, ist nicht zu beschreiben. Die Franzosen seind nicht
eher aus dem Schlosse abgezogen, als bis Alles in voller
Flamme gestaltden, so daß, da auch fast alle Minen schon
gesprungen waren, kein Löschen mehr möglich gewesen."

„Nach dem Abzuge des Feindes hat man Anstalt gemacht,
die Thore durch einige Mannschaft von den Bürgern zu be-
setzen, um zu verhüten, daß nicht allerhand Gesindel herein-
laufen könne^ch). Jm Ueberigerr ist die Bürgerschaft sehr besorgt,

^) Nach späteren Nachrichten waren es gegen 30 Häuser, welche
abgebrannt, daher die Stadl von Glück zu sagen hatte, nüt diesem Opfer
davon gekommen zu sein. Sie verdankte es aber ganz besonders dem edel-
müthigen Grasen von Tesse, welcher ihr wahrer Schutzengel geweson.

„Um 12 Uhren war kein Soldat mehr in der Stadt, und nun
bewachen die Bürger mit allerhand Gewehr die Thore/ Spina.
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