Adreßbuch der Stadt Heidelberg für das Jahr 1883 — Heidelberg, 1883

Seite: 196
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Ein Beispiel wird die Anwendung der Tabelle erläulcril.

Angenommen, es sollte eine Rohrleitung von 26m Länge sür 18 Flammen her»
gestellt werden, so hat man in der ersten Vcrtikal-Spalte der Tabette diejemge Aahl
zu nehmen, welche der angegebenen Leitungslänge am nächsten lommt. Gegeben ift in
unserem angenommenen Fall die Länge 26 ; es würde also in der Tabelle die Zahl 27
dasür zu nehmen sein. Man sucht nun in derselben tzorizontalzeile von links nach
rechts die nächst HSHere als die gegebene Flammenzahl, statt der angenommenen 18
mithin 21, und da diese in der Spalte sür 1 Zoll englisch — 25 Millimeter Rohr
steht, ist also ein Rohr von dieser Weite erforderlich und genügend, 18 Flammen bci
einer Leitungslänge von 26 Meter noch mit Sicherheit zu versorgen.

8 6. Die Röhrenleitung joll in der Regel zu Tag und muß stets mit dem nötigen
Gefälle gelegt werden. Auch bei Veränderungen und Erweiterungen bestehender Blei'
rohrleitungen müssen eiserne Röhren zur Verwendung kommen, sobald dieselben in die
Wand, unter die Decke, oder unter die Dielen gelegt werden sollen. Das Zudecken
derselben darf aber stets erst nach erfolgtcr sorgfältigster Prüfung der Dichtigkeit seitens
des JnstallateurS dieser Leilungen stattfinden.

Zum Ablassen der in den Röhren sich sammelnden Condensationsflüssigkeiten sind
an geeigneten Stellen, namentlich da, wo die Leitung von wärmeren in kältere Skäume
übertritt, Wasiersäcke mit ficherem Verschluß anzudringen. An feuchten Stellen find
Eisenröhren durch Anstrich gegen Opdation zu schützen.

8 7. Die Haupt- und Zwischenhahnen müsien in der Regel dieselbe Durchlaßöffnung
haben, wie die Rvhren, an denen sie angebracht stnd, ste müffen serner mit Stellstist
versehen sein und nicht aus ihrer Hülse herausgezogen werden können. Ter Kops des
Hahnens muß — am Besten mit einer tief eingefeilten Rille — so gekennzeichnet werden,
daß man auch im Dunkeln leicht erkennen kann, ob er geöffnet oder btschloffen ist. —
Bei auSgedehnten Leitungen find an geeigneter Stelle Zwischenhahnen rn dieselbe einzu-
setzen, auch müffen Kronleuchter durch leicht zugängliche Hahnen für fich abgeschloffen
werden können.

8 8. Den Privatinstallateuren ist es untersagt, die innere Leitung mit der Gasuhr
zu verbinden, letztereS geschieht vielmehr in allen Fällen von den Jnstallateuren des
städtischen Gaswerks, welche auch allein berechtigt stnd, die Zuleitungen anzusertigcn und
die Gasuhr zu stellen.

Vor dem Anschrauben der Lampen ist die Leitung mittelst eines Manometers mit
einem Luftdruck von 25 Centimeter Waffersäule zu prüfen, und muß der Wafferstand
im Manometer mnerhalb einer Beobachtungszeit von 3 Minuten keine wahrnehmbare
Veränderung zeigen.

Jede Gaslampe ifi vor dem Anschrauben auf das Genaueste auf ihre Dichtigkeit
zu prüsen und nicht eher anzuschrauben. bevor sie fich nicht vollkommen dicht erwiesen hat.

Nach dem Anschrauben der Lampen ift die Prüsung der ganzen Leitung zu wieder-
holen. Jst dieselbe gut ausgesallen, so rst bei der Gaswerksdirektion der schristliche
Antrag zu stellen, nunmehr die innere Leitung mit der Gasuhr zu verbinden. welchc
sodann ihrerseitS die Leitung Prüsen und nach Gutfindung derselben thunlichst bald
diese Arbeit ausführen laffen wird.

8 9. Der Verfertiger der GaSanlage ist verpflichtet, den betreffenden
Gasabonnenten mit allen Einzelnheiten dcrselben bekannt zu machen und ihn namcntlich
über alle Vorsichtsmaßrcgeln zu unterrichten, welche bei der Benützung deS Gascs
beobachtet werden müffen.

8 10. Der Gasabnehmer hat die Verpflichtung, die Gaseinrichtung in gntem
Zustande zu erhalten und vorgekommene Beschädigungen sogleich wieder herstellcn zu
laffen.

8 11. Uebertretungen werden an Geld bis zu 50 Mark beziehungSweise an Gcld
bis zu 150 Mark oder mit Hast bestrast.

L. Lauordnung.

1) Allgemeine Bauordnung v»m 15. Mai 1869 (fiehe Gesetz- und Ber-
ordnungsblatt No. 11).

2) Bauordnung für die Stadt Heidelberg vom 12. Dezember 1866
(in Separatabdrückcn in der Buchdruckerei von G. Mohr zu beziehen).
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