Adreßbuch der Stadt Heidelberg für das Jahr 1888 — Heidelberg, 1888

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114. Auf Amrag des Arbeiters bal dic Trtspolizeibebörde dic (famragmig in das
Arbe'ilsbuch inid das dem Arbeiter ctwa ansgeUelUe Zeiigiüs lottcn- mid ttewpeliiei
zn beglaubigeii.

11ü. Tic Geiverbetrcibenden sind rnrpflichtet, die Löhne ibrer Arbeilcr bar in
Acichsiväbrnng ansznzahlen.

Sic dürfcn denfelbcn keine Warcn krcditieren. Tic Verabfolgiliig von l/ebens
niitteln an die Arbciter fällt, iofern sie zn eineni die Anfchaffmigskosten niebt ilbcrfteigeu
den Prcisc crsolgt, mitcr die vorftcliendc Bestiimnmig nicht: anch können den Arbeitein
Wobmnig, Tenerung, Ikandniipiina, rcgelinäftigc Beköftignng, Aizneien nnd ärztliän
.f?ilfe, soivie Wcrkzengc nnd Stoffe dcn ibncn übertragenen Arbeite» nnter Anreän
nnng bci der Lobnzablmig verabfolgl werden.

^ 1A>. Tie ('»lewerbettnternebiner sind verpflichtck, bei der Beschäftignng von Ar
beitcrn miter achtzehn Iabren die dnrch das Alter derselben gebotene besondere Rüeksichl
anf Gesnndhcit nnd Tittlichkcit zu nebiiicn.

Lic babcn ibren Arbeitcrn mitcr achtzehn Pmbren, ivelche eine von der Geineinde-
bebörde oder vom Staatc alS f>ortbildn»gsschnlc anerkanntc Nnterrichksaiistalt be
incben, hierzn die, crforderlichenfalls von dcr znständigen Bebörde f-ftznsepende escit zn
gcwäliren. Für Arbeitcr nntcr achtzcbn Iabren kann die Berpflichtnng zmn Bcsnrlie
eincr ^ortbildnngsschule, soiveit dic Berpflichtnng nicht landcsgcsetzlich bestebt, dmel,
Trtsftatnt s-z 142> begründct werdcn.

Tie Geiverbenntcrnebincr sind endlich vcrpflichtet, alle diejenigcn Giiirichtnngcn
berznftcllen mid zn nntcrbalten, welchc mil Rüeksichl anf dic bcsonderc Beschaffcnbcik
dcs Gewerbkbctricbes nnd dcr Bctriebtzftätte zn tbnnlichster Sicherbcit gegcn Gefaln
sür lpebcn nnd Gesundbcit notivendig sind. Tarüber, ivelelie Giiirichtlingcn für alle
Anlagen ciner beftintinten Art bcrznftcllen sind, könncn dnrä, Bcschlnft des Bnndesrats
Borfchriftcn erlassen werden. Soweit ioleiic nicltt erlasscn sind, bleibt es dcn nach den
Mrndesgeft'tzen znständigen Behörden übcrlaffcn, die crfordcrlichen Bettiminnngen zn
treffen.

iz lAG. Ltreitigkeitcn der selbstftändigen tttcivcrbktreibenden init ibrcn Arbeilern,
die a»f den Antritt, dic fz-ortsctznng odcr Ansbebnng des Arbcitsverbältnisses, anf die
gegcnseitigen Leistnngcn anS demselben, anf die Grtcilnng oder deii Jnhalt der Arbeits
bnchcr oder Bcngnisse sich bcziehen, sind, sowcit für dicsc Angclegcnbeiten befondcre Be
hörden bestchen, bei dieien znr Gntfcheidmig zu bringcn.

^nsoweit folche Bebörden nicht befteben, erfolgt dic Gntscheidnng dnrch die Gc-
ineindebehörde. Gegcn diese GMscheidnng steht dic Bcrnfnng anf den Rechttzwcg binncn
zehn Tagen offen; die vorlänsige BoUftrecknng wird dnrch die Bcrnfnng nicht anfge-
baltcn.

Tnrch Trtsstatnt 142) können an Stelle der gegenwärlig bicrfür bcftiinmten
Bchörden Schiedsgerichte init der Gntscheidnng bctrant rverden. Tiesclbeil sind dnreli
dic Geincindebehördeii nntcr gleichmäftiger Bnziehnng von Arbeitgebern nnd Arbeitern
zn bilden.

II. Berhältniffe der Gesetten und Gehilfen.

dz 121. Gescllen nnd Gchilfen sind vcrpflichtct, dcn Anordniintzcn der Arbeitgcber
in Beziehnng anf die ihncn übcrtragenen Arbeiten und anf die hänslichcn Gjm'jehtmigcn
Folgc zu lciften i zn häuslichen Arveitcn sind sie nicht verbnnden.

tz 122. Tas Arbeitsverhältnis zwischen dcn Gesellcn oder Gcbilfen nnd ihren
Arbeitgebern kann, wenn nicht ein andercü verabredet ift, dnrch eine jcdcm Teile frei-
ttebende, vierzcbn Tage vortzer erklärtc Attfkiiiidigling gelöst wcrde».

§ 123. Bor Ablanf dcr vertragsmäftigen Zcit nnd ohne Anfkündianng könncn
tzöesellen nnd Gehilfen eiltlassen wcrdcn:

1. wenn sie bci Abschlnft dcs Arbcitsvertragcs den Arbcitgeber dnrch Borzcignng
falscher oder verfälschtcr Arbeitsbücher oder Zcngnisse hintergangen oder ihn
nber datz Befteben cines andercn, sie gleichzcitig verpflichtcnden Arbcrtsvcrhält-
nisscs in cinen Jrrtmn versetzt haben;

2 wenn sie eines Tiebstahls, cincr Gntwcndnng, eincr Unterschlagnng, eincs
Betrnges oder cines liederlichen Lebenswandels sich fchnldig machen;

3. wcn» sic dic Arbeit nnbefiigt verlaffen haben oder sonst den nach dem Arbeits-
vertrage ihnen obliegendcn Berpfliäitungcn nachznkommen beharrlich ver-
wcigcrn;
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