Adreßbuch der Stadt Heidelberg für das Jahr 1888 — Heidelberg, 1888

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tz 5. Die VorschriMll der §8 3 und 4 finden keine Anwcndnng, wenn abweichende
Bemimnnngen dnrch Ortsgebranch hergebracht sind nnd dessen Bestehen dnrch einen
Beschlnsz dcs Geineinderats sestgcstellt nnd össeittlich bekannt geinacht wnrdc.

8 6. Tienstlwten baben sich allen, ihren Igrästen nnd dein Bnhalte des Diensst
vertrages ciitsprecheiiden Verrichtnngen nach Aiiordnnng der Dienstherrschasi zn nnter-
zichen und sich dcr Ordnung des Hanses zn mitcrwcrsen. Die Dicnstboten sind nichi
bercchtigt, sich in den ihnen ausgerragcnen Verrichtnngcn veriretcn ;n lassen. ^rie müs'
ien, selbst wcmi sie nnr zn geivisscn Tiensten angcnoninien sind, nötigensaUs nnd vor-
libergchcnd anch anderweite, ihrcn Verhälliiisscii nicht iinaiigcmesscnc Verrichtmigeu
nach Anordnnng dcr Dienstherrschasi iibc'.iichnien. ,Hir Dchaden, welchen dcr Dienst
bote dcr .Vcrrschasl zngesiigt, Iiat er naeh Maszgabe der allgenieinen landrcchtlichcn Be
stiniinmigcn i'iber Dchadenersaizpstichk Ersatz zn leisten.

8 7. Dic Diensthcrrschast isl verpslichtet znr Mistnng deS tZohnes und llnterlialls
des Dienstboten in >iost mid Mohnuiig, wie solchc siir Dienstbotcii der glcichen Art iib-
lich sind. — Die Ansbezahlmig dcsLohnes ersolgl ain tsnde dcr Dienstzeit. Wird
nach Ablans dcr Dicnstzeit dcr Vertrag fortgcsetzt, so dars die stalilnng der Hälstc des
versallenen itzobnes mn vier Wochen vctschoben werdcn. Das ans die Daner eines
Vahres geinietctc (stesinde kann verlange», das; ihin nach vier Blonaten der Dicnstzeii
ein Viertel, nach acht B>onatcii cin iveitercs Vierkel des Iahreslohnes ansbezabli
werdc.

8 3. Wird ein Dicnstbote ohne eigcnes grobes Verschnlden krank, so hat die Dienst
herrschast ihn aä>t Tage lang zn verpflegen nnd die stosten siir den Arzt mid die Arz
neien zn übernchincii. Die ist indesscn bcrcchtigt, dcn .ttranken in östentlichen .(tranken-
anstalten Mllcrznbringen.

8 6. Stirbt cin Ticiistbote, so lönnen scinc (strben den 8iohn nnr für die Ieit bis
zmn stintritt der st'rkranknng sordern. Die Bcgräbniskostcn sallcn dein Dienstberrn
nicht znr 8iast.

8 lt». Die Dienstherrschast isr bcrechtigt, das (^esinde olnie Anskiindignng sosort
zn entlassen:

ivegen völliger llnsähigkeit zn den iibcrnoimnenen Dienstlcistnngcn, sowie wegcn
Verhindernng an deren Besorgnng, insofernc solches dnrch eigenes Verschnlden dcs
Dienstboten veranlasst ivnrde, oder bei znsälligcr (rntstchnng iiber 14 Tage andanerte,
wegen Untrene, hartnäckigen Ungehorsains, wcgen Unsittlichkcit, iiberhanpt ivegen
iolchcr.vandlnngcn, ivelchc nach ihreni Wesen init dcui siir das Dicnstbotenverhältnis
ersorderlichcii Verrranen, oder niit der hänslichcn Ordnuiig mivercinbarlich sind.

8 11. Das 64esinde ist besngl, den Tienst ohnc Anstiiiidigmig sofort zn verlassen:
wenn der Dienstbole dnrch schwcre (srkranknng znr Iortsctznng des Dicnstes nn-
verinügcnd ist, ivcnn die Dienstherrschaft in <6a»t gerät, iven» sie den Wolmori blei-
bend verändert odcr den Dienstboten nötigen will, längere Aeisen in entfernte C>'cgen-
dcn mitzmnacheii.

wenn sie den Dienstboten iniszhandclt, ihin Unsittlichcs ansinnl oder ihn vor sol-
chen Imnntungen Anderer, die znr Ianiilie gehören odcr ini .Banse regelmäsügeii
Intritt haben, nicht schützen konnte oder wollte;

wenn sic dem Dienstboten den Lohn über dic Verfallzcit vorenthält oder ihm den
nötigen Unterhalt verweigcrt, sowie überhanpt wegen solcher Haiidlnngcn der Dicnst-
herrschast, welche wie die angesührten, mit dcn voin (stesinde gegenüber der Herrschasl
nach dem Dienstbotenverhältnisse znstehcnden Ansordernngcn nnvercinbarlich sind.

8 12. Ter anf länger als ein Vierteljabr abgeschlossene Vertrag kann vor Ablanf
der Dienstzeit mit Frist von sechs Wochen ansgckündet iverdcn, wenn das Hanpt der
Iamilie oder das ÄUtglied derfelben stirbt, für dcssen bcfondere Bedicnnng das (stesinde
gemietet lvorden ist.

8 13. Wenn der Dienstbote während der Dienstzeit gcmäs; 8 10 entlassen tvird
oder anstriit, so tann er nnr nach Biaßgabe der Daner des Vertragsbcrhältnisscs An-
sprnch anf die Gegeiileistnngen des Dicnstherrn crheben.

Tas (stleiche gilt in den Fällcn des 8 12.

8 14. Wenn ein Dienstbote vcrtragswidrig den Dicnst nicht antritt, unbefngt ans-
tritt,'oder gemäs; 810, nnd zwar in F-olgc eigenen Verschuldens entlassen wird, so
kann der Dienstherr, ohne daß eine gerichiliche Auflösnng dcs Vertrags, cinc Verzngs-
setzung oder der Beweis dcs (s'intritts nnd Bctrags des Schadens nötig fällt, statt der
(s-rsüllnng des Vertrags eine (siitschadigmig werlangen odcr in Anfrechming bringen.
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