Adreßbuch der Stadt Heidelberg für das Jahr 1889 — Heidelberg, 1889

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tz 26. Die Gräber können mit Blumcn und uiedrigeu Sträuchcrn, mcht aber mit
TrLuerweiden oder anderem Gchölze besetzt werden. Die Gesträuche aus den Kanf-
gräbern iu erster Reihe dürfcn die Höhe von einem Meter nicht überschrcitcn, damit
die Jnschristen auf den Kaufgräbern in den hinteren Reihen sichtbar bleiben. Die An-
gehörigen dcs Toten dürsen dessen Grabstätte selbst bcpflanzcn unter Beaufsichtigung
des Friedhofsaufschers, dasselbc auch dnrch eincn Gärtner thun lassen nnter derBedin-
gung, das; diesclben alle Berantwortuug übcrnehmen nud der Gärtncr untcr Aufsicht
des FriedhossanssehcrS arbeiict. Glaubt cr sich den Anordnungcn dicscs nichl fügen zii
können, so hat er sosort die Arbeit einzusteUcn und seine Bcschwcrdc vor den Lorsitzen-
dcn der Fricdhosskommission zu bringen. — Den sich ergeben'ocn Schutt haben die
Bereiligten nach Benehmen mit dcm Friedhossaufseher wcgräninen zu lassen. Privat-
bänke oder Stühle dürsen außcrhalb der abgegebeiieu .Kanfgräder nicht daucrnd aus-
gestellt werden.

AUcn Gärtncru, wclche die Bcpflaiizung von Gräbern besorgen, ist bei Strafe
untersagt, Bänmc außerhalb der Grabstätten zu pflanzen, zu versetzen oder zu cntscrnen.

8 28a. Dic zu Familienbegräbnisscn abgegebenen Plätzc dürscn ausnahinsweiie
auch als Grustcn hergestcllt wcrdcn. Bczüglich derselbcn wird bestimmt:

1) Sie dürsen nur niiL Genehmigung dcr Friedhofskommission nach Anhörnng des
Stadtbanamts errichlet wcrden. Tie ersordcrlichen Plänc sind zur Gcnehmignng vor
Inangrifsnahmc der Arbeit vorzulcgen. Tic Umsassungswändc dcr Gruflen iind aus
hart gebrannten Backsteineu in dcr Stärkc von mindestcns 1' e Normalstcinen l—li8em)
und mit Gement gemauert, herzustcUen. Das abichließcndc Gcwölbc ist ebcnsaUs ans
hart gcbranntcn Backstcinen in 8cr Stärkc cines gestrcckten Steincs s-^2öemi anszn-
sühren. Bchuss Verhindcrung des Gindringens von Wasser ist das Gewölbc mit Asphall
abzudccken. Der Boden der Gruft ist ans Gcmentbeton von 20cm Stärke hcrzuslcUeii
und cbensaUs mit ciner Lagc Aspbalt abzudeckeu. Tas Gcwölbe, sowie die Umsassnngs-
wände im Jnnern sind mit 2 cm starkem Vcrpntz von Gemcnt zn verschcn. Ter Vcr-
schluß der Gruft hat mittclst ciner 12 cm starkcn Steinplattc, wclche in cincr Umrah-
mnng mit Falz liegt, zu gcschehcn. Tiesc Steinplalte ist niit 2 ciscrncn Ringen zn ver-
sehen und nach jeder Beisetzung von Leichen wiedcr gnt in Cemcnt zu verlegcn.

2) Gruflcn müssen nach jcdcr Beisetzung einer Lciche wiedcr vollständig dicht ner-
schlosscn und dürfen nur zur Bcisetzung einer weitercn Leichc wieder gcöffnct ivcrden.
Tas Oeffnen nnd Schließen geschieht ans Kosten dcs Bcsitzers.

3) Bor jeder Wiedcr-Gröffnung eincr Gruft <Ziff. 2) ist einc Ncinignng und Tcs-
infektion der Luft nach Anleitung des Bczirksarztes vorzunehmcii, ehe jemand siäi hin-
cinbegibt; zu diesem Zwecke ist vorher stets rechtzcitigc Anzeige an das Großh. Bczirks-
amt zu machen.

4) Jn Gruften dürfcn nnr Leichcn in lustdicht vcrschlosseuen Mctallsärgcn cin-
gesetzt wcrden.

st) Dunstrohrcn oder sonstige Bcutilatiousvorrichtungen dürsen an Gruften nicht
angebracht werden.

6) Jst eine Grust zur uormalcn Becrdignugszcit ciner Leiche noch nicht fertig-
gestellt, so darf die Leiche vorerst in der Kapelle dcs Fricdhofs, jeooch nur in cincm
lustdicht verschlossencn Metaltwra aufbewahrt werden. Diese Ausbewahrung dars aber
die Frist von 4 Wochcn nicht übcrsteigen. Gine Wiederöffnnng des Mctallsarges nach
Aufnahme dcr Leichc darf nicht stattsinden.

ß 28 b. Leichen, deren Anfbewahrung in dcr Friedhofskapelle ans irgcnd eincm
Grunde länger als 4 Tage notwendig ist, musscn in eincn luftdicht verschlossencn MctaU-
sarg gebracht werden.

ß 30. Auf dcm städtischen Friedhofe kann die Bcerdigung von alleu Verstorbcncn
ohne Nücksicht auf deren Konsession stattfindcn.

8 31. Kein Grab darf vor Vcrfluß von 20 Iahrcn wicdcr gcöffnct wcrden, wemi
nicht für eincn cinzelnen Fall nuf Antrag der Fricdhofkommission unter Begutachtung
des Bezirksarztes das Großh. Bezirksamt bcsondere Erlanbnis dazu erteilt. — Dic
Beisetzung einer zweitcn Lcichc in cinem Kaufgrabe vor abgclanfener Um-
grabungspcrtode ist nnznlässig und findet cine Ausnahme nur für Lcichcn vou
Kindern im Alter von nicht über 1 Jahr statt. — Dcr Beisctzung cincr zweiten Lcichc
in einem Kaufgrabc nach abgelaufener Umgrabnngsperiode steht da-
gegen uichts im Wege.
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