Adreßbuch der Stadt Heidelberg für das Jahr 1890 — Heidelberg, 1890

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VII. Rrchts»rrhLlt«iffk srr gmrrblichr« Arhritrr nntz tzrr

Dir«fftstr«.

^ G^wrrbNchr Nrbrltrr.

I. ANGemeitte Verhättniffe.

8 1V5 Die Fesri'etzung der BerlMmsie zwischen dcu ftldWandigcn tüewerft-
trcibenden und dcn acwcrbUchen Arbeitern ist, vordehalttich der durch Aciwsgcsetz be-
gründeten BeschrLnMngen Gegenstand sreier Uedereinkunst.

Zum Arbeiten an Sonn- und Festtagen könuen dftGewerbetreibeudeu dic Arlmtcr
nicht verpflichten. Ardeitcn, welche nach dcr Natur des Gewerdebeiriedes ci»cu Aus-
schnb oder eine Unterdrechung nicht gestattcn, sallen «ntcr die vorstchende BeniimmnH
nicht. Wclch« Tage als Festtage geitcu. bestinnuen die Laudesrcgftrnngcu.

8 1V7. Personen uutcr einundzwanzig Jahren dürseu, soweit reichsgesetzliö, ujcht
ei» anderes zugelassen ist, als Ardcitcr nur beschüftigt werden, wenn sie mü cincm
Arbeitsbuche vcrsehen fiud. Bei der Unnahme solchex Arbeiter hat dcr Arbeiigebcr das
Arbeitsbuch einzuforderu. Er ist verpfiichtet, dasftjbe zu verwahrcn, aus amtliches
Verlaugen vorzulegen nud nach rcchtnicihiger Lösuug des Ardeilsverhältuisscs dem
Arbeiter wieder ansznhändigen.

Aus Niuder. welche zum Besuch der Bolksschnle vcrpfijchtet sind, sinden voinciicudr
Bcstimmungen keine Anweuduug.

8 111. Bei dem Einlrittc des Arbeiters in das Arbeitsverhältnis hat dcr Arbcit-
gcbcr an der dafür bestimmten Stelle deS Arbeitsbuches die Zeit des Siutritics uud dic
Art der Beschästignng, am Eude des Arbeiisvcrdältnisses die Zeit des Austriücs uud,
Mn» die BeschSstigung Aeudermigen ersahren hat, dic Art der letzten Beschäsiiguug
dcs Arbeiters einzutragen.

Die Eiiitragmigeu find mit Tinte zn bewirken und von dcm Arbctigcver zn uutei-
zeichncu. Sic dürfcn nicht mit einem Merkmale vcrsehe» sein, wclches den Fnhuäci dcs
Arbeitsbuches günstig oder nachteilig zn kcnnzerchnen bezwcckt.

Dic Mntraguna eines Urteils über dft Ftthrnng oder dft Leistnnaeu des ArbcücrS
und sonstige durch dftses Gesetz nicht vorgesehcne Mntragmtgen oder Bermerke m odcr
an dem Arbeitsbuche find unzulässig.

8 113. Oeim A^ange können die Arbciter ein Zengnis ttber die Art und Dauci
ihrer BcschSstigung forvern.

DftftsZeugnis ist aufVerlangen der Arbeitcr anch ans ihre Ftthrung aiiszudcimem

tz 114. Auf Antrag des Arbciters hat die L)rtspolizcibehörde die Miitraguug >n
das Arbcitsbuch mid das dem Ardciter ettva ausgcstclltc Zengnis kosteu- mid ücmpel-
frei zu bealaubigcn.

ß 115. Dft Getverbctreibenden sind ver-pfiichtet, die Löhue ihrer Arbeitcc bar in
Reichswährnng auszuzahftn.

Sie dürfen denftlben keine Warcn krcditierc». Die Verabsolgung von tü'bcus-
mittcln an die Arbkiter Wt, sofern sie zu eiuem die Anschafsnngskosteu nichi libcrnej-
genden Preise erfolgt, nnftr die vorstchende Bestimmmig nicht; anch könncn dcn Ar-
beilern Wohnung, Fenermig, Landmitznng, reaclmähige Beköstigimg. Arzneien uud
ärztliche Hilft, sowie Werkzenge imd Stoffe zu dcn ihnen ttdertiagencn Arbeiteu mücr
Aurechmmg bei der Lohmahlung vcravsolgt weiden.

8 120. Die Gewerveunterllchmer siud verpfiichtet, bei der Beschästigmig vou
Arbeitertt unter achtzehn Iahrcn die durch das Alter dersclben gcbotene besoudere
StüSsicht anf Gefimdheit und Sittlichkeit zn nchmen.

Sie haben ihren Arbeitern imftr achtzehn Jahrcn. welche eine von dcr Gemciude-
behörde oder vom Staate als Fortbildimgsschule anerkamtte Unftrrichlsaiistaü be-
sttchen, hierzn die, crforderlichcusaUs von der zuständigen Bebdrdc ftstzufttzcnde ftit zu
gcwähren. Für Arbeiter nnter achtzehn Iahren kann dic Verpftichtung zimi Brsuche
ettier Fsrtbilvuttgsschnlc. soweit die BcrpftWmig nicht landesgesetzlich bestebt, dmch
Ortsstatut 142) begrttndet werden.

Dle Gewerbeunternehmer sind endlich vcrpftichftt. alle dicftnigen Einrichtnugen
herzustellen nnd zn unterhalftn, welche mit Rücksicht a»s die besondere Beschäffculieit
des Gewerbebetriebes nnd dcr Betriebsstätle zu tbnnlichsftr Gicherheit gegcn tstcsuln
sür Leben snd Gesimdheit notwendig sind. Darüber, welche Eimichlnngen srir ullc
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