Adreßbuch der Stadt Heidelberg für das Jahr 1890 — Heidelberg, 1890

Seite: Anhang_056
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Z. wenil der Arbcrtgeber oder seme Bcttrcter odcr Fomilicnangehorigc derjelben
dic Arbeiter oder deren Familienangehörigc zu Handlungen verleiien oder init
den Familienangehörigcn der Nrbeitcr Handlungen degehcn, welciic wider
die Gesetze oder die guzen Sitten laufen;

4. wenn der Arbeitgebei den Arbciter» deu schrrldigett Lohn ttichr irr der be-
dungenen Weise aurzahlt, bei Stücklohtt nicht sür ihre ansreichende Bcichiisti-
gung sorgt, oder wenn cr sich widerrechtlichcr Uebervorteilungerr gegen sie
schuldrg macht;

5. wenn bei Fottsetzung der Nrbeit das Lcbcn oder die Gesuudheit der Arbeiter
einer erweislichcn Gefahr ausgesetzt sein würde, wclche bei Eingelttmg dcs
Arbeitsvertrage« nichl zu erkcnncn war.

In den untcr Rs. 2 nnd 3 gedachterr FäÜcn ist der Anstritt arrs der Arbcit nicht
mehr zulässig, weun die zn Grundc üegerrdeu Thatsachen dcm Arbeiter länger als cine
Woche bekannt siud.

ß 125. Ein Arbeitgeber, welcher cinen Gejellen odcr Gehilftn verleitet, vor rccht-
mäßiger Beendiaung de« Ardeitsberhältuisses dre Arbcit zu verlasieu, ist dem frnlicren
Arbeitgeber für oen dadurch entstchenden Achadcn als Selbstschuldmr mrwerhaflcr. In
gleicher Wcise hastct ein Arbeitgeber, wclcher cinen Gcscllen oder Gehilftn amnmmt
sder behält, von dem er werß, dah dcrserbe cincm audere» Ardeitgebcr zur Arbcü uoch
verpfiichtet ist.

1». «e-rtttt-Svertz»ltiMr.

tz 120. Dcr Lehrherr ist vcrpfiichtet, den LehrUng in dcn bci ftinem Betricbe vor-
kommenden Arbeiten dcs Gewcrbes in der durch den Zwcck der Ausbildung geborcnen
Reihenfolge und Nusdchnung zu nnterweisen. Er muß entweder ftlbst odci dmch
einen gceigncten, ausdrücklich dazu bcstimmten Vertreter die Ausbildung des LcliUiiigs
leitcn. Er darf dem Lehrling dre zu ftiner Ausbildnng nnd znm Besnche dcs ottuies-
dienstcs an Sonn- und Festtagen erforderlichc Zeit und Gelcgeuheit dnrch Berwcndnng
zu anderen Dienstlcistungen nicht entzichen. Er hat dcn Lehrling zur Arbeiliamleit
und zu guten Sitten anzuhalten und vor Ausschweifungen zu dewahien.

H 127. Der Lehrling ist dcr väterlichcn Zncht dcs Lchrherrn mtterworfeu. Tcm-
jcnigcn gegenüber, welcher an Ltcllc dcs Lehrherrn ftine Ausbilduug zu lcitcii bai. ist
cr zur Folgsamkeit verpflichtet.

tz 128. Das Lehrvcrhältuis kann, wenn eiue längcrc Frist nicht vereinbait ist,
währcnd der erstcn vicr Wochen nach Beginn der Lehrzeit durch cinseitigcu stiiicktritt
aufgelöst werdcn. Eine Vercinbaruug, wonach dicse Probczcit mchr als drci Monaic
betragen soll, ist nichtig.

Nach Ablauf der Probczeit kann dcr Lehrling vor Bccndignng der vcrabicdcien
Lehrzeit entlasicn werden, wcnn eincr der im ß 123 vorgeschcncn Fälle auf ilm An-
wendung findet.

Von ftiten des Lehrlings kann das Lchrvcrhältnis nach Ablanf der Probezcir aiif-
gclöst wcrden:

1. wenn cimr dcr in ß 124 untcr Nr. 1, 3 bis 5 vorgefthencn Fälte vörlicgr -,

2. wenn dcr Lehrherr scinen gesetzlichcn Verpfiichtnngen gegcu dcu Lclnlittg iu
einer die Gesnndheit, die Sittlichkcit oder die Ausbildung des Lchrlittgs ge-
fährdenden Weise vernachlässigt, oder dasNecht dcr väterlicheuZucht mistlnauäit,
oder zur Erfüllnng der ihm vertragsmästig obliegeuden VerpfiichNmgctt mi-
fahig wird.

Der Lchrvertrag wird dnrch dcn Tod des Lehrliugs aufgehobcu. Durch dcn lod
dcs Lchrhcrrii gllt der Lehrvcrtrag als anfgehobeu, wfern die Aufhebnug imicrlialb
vier Wochcu geltend gemacht wird.

tz 129. Bei Bccuvigung dcö Lehrverhättuisies hat dcr Lehrl-crr dcm Lehrliug miür
Augabe des GcwcrbkS, m wclchem dcr Lehrliua miterwicfen wordcu ist, übcr dic Tauer
der Lchrzeit und die währead dcrselbeu erivorbeucn Kcmttnisft uud Fertigkeiten, soivie
über sein Betragen cin Zeugnis auszustellen, ivelchcs vou der Gcmemdebehörde kostcn-
und stempeifret -u beglaubigen ist.

A» Stelle diescr Zeugnisse köuuen, wo Jnnttiiacu odcr audere Vertretiiilgcn
der Gewerbetreibenden bestchcu, die von dicscn ausgcstcllten Lehrbricfe tretcu

ß 190. Verläht der Lehrling in ciuem durch dics Gcsetz uicht vorgesehencii Fallc
ohne Zustimmnng des Lehrherrn die Lehre, so kann letzterer deu Auspruch auf Riickkchr
de» Lehrttngs nnr geltend machen, wenn der Lehrvertrag schriftlich gefchlosicn ist. Dre
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