Adreßbuch der Stadt Heidelberg für das Jahr 1890 — Heidelberg, 1890

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R«chtrag »rt-p-lireilicher Borfchriften.

Vir Lrtchen- und Fried'iofordnung sür die Stsdt Hetdrlderg betr.

<Ort«polizc!üche Vorschrist vom 15. Rsvember 1889.)

1. Aufsichts-Brhörde, Pcrsonal, allgcmeine Brstimmungen.

K 1. Dir Ueberwachung dcS VMßugs der Lcichen- und Fricdhof-Ordnung ist der
durch Ortsstatut cingesetzten Friedhos-Kommisflon Lbcrtragen. Dieselbc hat mit Aus-
nahme dcr Lcichenschau allcS zu ciner geregelten, würdigcn Beststtung Ersorderliche
anzuordnen.

4 2. Aus Autrag der Friedhoss-Äommission werden vom Stadtrat angrstcltt und
vom Bczirksamt verpftichtct:

1. Der Leichenordner.

2. Die Leichcmvärter und -wärterinnen.

8. Dic Leichcnträger.

4. Dcr Leichenho'uSauffehcr.

5. Der FrieLhsftmffeher.

6. Dcr Totcngräber.

§ 8. DaS aesamtc Lcichcnpersonal hat dm in dcr betreffcndcn Dirnstweisung gc-
gedenen Vorschnfteü gcnau nachzmommen; in Fällen, tvelchc in dcr Dienstwcisnng nicht
vorgeschen flnd. hat oasselbe dic Anordnung der Frichhof-Kommission cinzuhslen. —
DaSsclbc hat bei allen Tienstlcistnngett cin anständiges, ruhiges. crnstes Bcnehmen ein-
zuhalten. llnordnungen, Nachlässigkcit sder Widcrschlichkeit wcrdcn strenge bestraft;
Trunktnheil im Dicnst zicht sofortlge Entlassuug nach flch. Es ist dem Leichcupcrsonal
bci Strafc dcr Dicnstentlassuttg verbotcn, Anforderungcn an Geld oder andercn Dingcn
an die HiMcrdliebcncn zu machen; edcnsowenig dars dasselbe weder vor nsch nach dcr
Becrdigung Effen oder Trinken bcanspruchen, nsch darf demselben solches vcrabrcicht
werden. — Annahme von Gewinnanteilen bci Licfcrungcn in irgend einer Form wird
austrr dcr ctwaigcn strafrechttlchen Vcrfslgung mit sofortiger Entlassnng geahndet. —
Beschwcrden gegen das Pcrsona! sind bei der Fnedhofr-Kvmmisflon anzubringen.

8 4. Bezüglich der Kosten für samtliche Bccrdigungen lst die vom Stadtrat ausgc-
sttllte, diescr Vorschrift als Anlagc bcigefügtc, Taxordmmg maßgebend. — Nach der
sclben werdcn sttr dic Art dcs Bcgräbniffes 5 Klassen bestimmt. — Die Wahl dcr Klassc
uttd der ctwa wcitrr gewünschtcn austergcwöhnlichcn Lnstungcn ist von dm Hinterblie-
bcncn zu trcffci,, zu wclchem Zwcck der Leichcnordner densclbc« einen Bestellbogen, auf
wclchcm dic Drpen verzcichnet flnd, zur Ausfüllung vorlegt. — Bei Leichcn, dic nacl,
auswärls vcrdracht wcrdcn, kommen die für den cinzelncn Fall von der Friedhoss-
Kommisflon sestgesctzttn Gebühren in Anwendung. — Nach der Beerdigung «rhebt dcr
Leichcnordner unter Borlagc der Rcchnung die sSmtlichen Grbühren und Taxen und
bcichcinigt deren Empfang.

ß 5. Dic Rechnung über sämtttche Einnahmen und Aurgaben der Friedhofs-Koni-
misflon wird unttr der Bczeichming Friedhoss-Kassc von der Stadtkafle gesührt.

N. Lcichen- nnd Leichen-Haus-Ordnung.

K 8. Zeder Todersall muh unvcrzügttch nach dcm Eintritt des Todes dem Lcichen-
schauer u«d alsdan» dem Leichenordner angezcigt werdcn. Zu diesen Anzeigen ver
pffichtet ist das Familienbaupt und, wenn ein solches nicht vorhanden o^r an dcr An-
zeigc verdinderr ist, dericnige. in deflen Wshnung oder Behauiung der Ltcrdesall flch
ereianct bat. — Die Pfficht zur Anzeige erstreckt flch auch auf Lstgeburten. Vor An-
kunn des Leichcnschauers darf mit der Leichc ketne Beränderung vsrgenommen werdcn.

ß 7. Die »ach dcn Bestimmungen dcs 8 6 zur Snzcige verpmchteten Personen
müsicn dcn vom Lcichenschauer ausacstcütrn Sterdeschein spättstens 20 Slimdeu nach
erngctreienem Tod dem bürgerttchen Standrsbeanttm mtt dcr Snzeige des Todessalls
vorltgeii. welchcr nach Bollcndung des Etntrags tn das Sterderegtster den vorschrtsts-
mätzig au-gcittllttn ErlaudniS'chein zur B^erdigung den Erschienenm Sbergidt; auf
demsclben soü AcichMg demcrkt wciden. od der Tod in Fslg« ansttckender Krankhett
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