Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbachbach für das Jahr 1891 — Heidelberg, 1891

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§ 31. An deil, vou der F-riedhofs-Kominissioil beslimiilteli Pliwen werden iowohl
einzclne als ciuch Fmniliengrnvstätteii, dishcr sogeiiamite Kallfgriivcr, gegen die fest-
gesetzte Taxc uiid unter dcn iii dcr Anlagc enthalteneil Bedingimgcn avgegeden. - Die
Fläche einer solchcn Grabstätte iü 2,40 Meter lang nnd 1,20 Meter vreit. — Ter Fncd-
Vosanfseher hat nver dic Gravstättcn jedc AnSknnft zn crtcilcn, nnter thnillichstcr Aück-
sichtnahme anf die Wiinsche der Betciliglcn die Piägc ailzllwciscn, dic Aufträge ent-
gegenznnehmcii und dicselven bchnfs weikcrer Behandlnng der Friedhofs>-Kominiision
zn iivermitteln.

8 32. Dic Famitieilgrävcr di'irfcn anc'iiahme-wcise anch als Grnften hergerichtet
lverden. Bezüglich derselven wird vcstimmt: li Lie diirfen nur mit Gcnehmignilg
dcr Friedhofs-Kommission nach Anhörung desStadlvanamteö crrichtet werdcn. — Die
erforderlichcn Plänc sind znr Gcilchmiglliig vor Inangrifiiiahliic der Arveit dcr Fried-
hofs-5kommissioil vorzulegcn. — Die Unlfäfinngöwändc dcr Grnften sind anS harige-
vrannten Backstcinen in der Stärke von miildestcns 1> 2 Nornlalstciilcn — .33 cin nnd
mit Cemcnt gcmancrt hcrznstellcn. — Tas abschlicfzcnde Gewölve ist evensallö aus
hart gevralinten Backstcinen in der Stärke eines gestrcckten SteincS — 2st nm mit fic-
mcnt auszufilhren. — Bchnfs Berhindernng dcs Gindringeliö von Wasser ist da>;
Gcwölve mit Asphalt abzndeckcn. — Der Bodcn der Grnft ist auö (sementboden von
20 c-m Stärke hcrzustcllen nnd ebcnsallS mit eincr Lage Aöphalt avzudecken. —
Das Gewölbe, sowie die Umfassuligswände des Innern sind mit 2 em starkem Verpm;
von Cement zn versehen. Ter Verschlus; der Gruft hat mittelst ciner 12em starken
Steinplatte, welche in einer Uttirahmnng mit Falz liegt, zn geschehen. — Diese Stciii-
platte ist mit 2 eiscrnen Ringen zn verschen nnd nach jedcr Beisetznng wieder gnt in
Cement zu vcrlegen. — 2) Grnften nlüssen nach jeder Beisctznng eiiier Leiche ivicder
vollständig dicht verschlossen nnd dürfen nur znrBeisetznng einer weiteren Leiche wiedcr
geöffnet werden. — 8) Bei jeder Lbiedercröffnnng einer Grnft ist eine Reinignng nnd
Desinfizierung der Lnft nach Anleitnng desBezirksarztcs vorznnehirlcn, ehe sich jcmand
hineinbegiebt; zn diesem Zwcck ist vorher stets rechtzeitige Anzcige an daS Groszh. Be-
zirksamt zu machen. — 4) In Gruften dürfen Lcichen nnr in lnftdicht verschlossenen
eisernen Uebersärgen cingcsetzt wcrden. — 5) Dnnströhren oder sonstige Ventitatioiiö-
vorrichtungen diirfen an Grnften nicht angebracht sein. — 6) Jst crne Grnft znr nor-
malcn Beerdigungszeit einer Leiche noch nicht fertiggestellt, so darf die Lciche vorerst in
dem Leichenhaus jedoch uur in dem vorgeschriebenen cisernen Sarg anfbewahrt werden.
— Diese Aufbewahrnng darf aber die Frist von 4 Wochen nicht übersteigen. — Ginc
Wiedereröffnung dcs eisernen SargS nach Aufnahme der Leiche darf nicht stattfinden.

tz 33. Die Errichtung von Gravdenkmalen samt Jnschriften sowie Grabcinsai-
sungen, welch letztere aus Stein oder Mctall hergcstcllt sein müssen, bedarf der Ge-
nehmigung der Fricdhofs-Kominissioll. Zn dem Zweck ist dersclben vor dem Sctzen
cines Grabsteins Zeichnnng, Maß nebst Bilchstabcn, Nummer des Grabes und In-
schrift des Steins eittzureichen. — Die Grabdcnkmale anf Familicngräbern miisscii
fundamcntiert sein; sie sind anf die Grabstätte zn setzen und muß das Fnndameilt der-
selben miitdcstens 1,50 m unter nnd 0,30m über der Bodenfläche in Eement hergestellt
werden. — Jst das Gravdenkmal von solcher Größe, daß dasselbc auf Pfeilcr gesetzt
werden muß, so sind diese mit eisernen Schienen von gcniigender Siärke zu überdccken.
Grabeinfassnngen von kleinen nnbehanenen Steinen vedürfen einer Fundamentiernng
nicht; für solchc ans behauencn Stcinen oder Metall sind die Fnildamente 1,50m tics
aus Backsteinen mit Cement oder anö Ceineiltbetoll herzustellcn. — Das Ausgravcn
aller Fulidamente wird gegcn dic vorgesehene Taxe durch den Totengräber besorgt. —
Grabsteine sind in der Regel auf Rollwagen an ihren Bestimmuttgsort zu verbringen;
bei Steinen, welche über 500kg schwer find, ist anch die Benützung eines vespannten
Wagens gestattet. — Jn jedem Fall ist der Unternehmer fnr jede Beschädigung in dcin
Friedhof haftbar.

Z 34. Die Familiengräber sowie dereilDenkmale,Ciilfassungen nnd Anpflanzungen
miissen von den Angehörigen in gnteni Stand gehalten werden.

8 35. Blumen oder Kränze dürfcn auf allen Gräbern nicdcrgelcgt werden, sind je-
doch von dcm Friedhof zn entfernen, sobald sie in Zersetzung übergehen und dadnrch
einen nnailgcnehmeii Anblick gewähren. — Von den allgemeinen Leichenfeldern cntfcrnl
diese Reste der Friedhofaufseher, während die Jnhaber von Familiengräbern gchalten
sind, sie cntfernen zu lassen; geschieht letzteres nicht rechtzeitig, so erfolgt die Abrän-
mung durch den Friedhofaufseher auf Kosten der Jnhaber.
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