Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbachbach für das Jahr 1891 — Heidelberg, 1891

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angemksftnes Benchmcn einhalren. Die Gehilfen müsscn gnl lieleunlnndet sein mid die
fiir ihr Geschäft crforderliche Gewandtheit besiLen. Gehilfen, welche sich den vorbczcich-
neten Anforderungen nicht geniigend eriveisen, hat der Kaminfeger sosort mn> »ciiieni
Dicnste zu entlassen. Das Reinigen dnrch Lehrlingc darf nnr nnter persönlichcr
Anivesenheit nnd Antsicht deo Meisters oder eincs tiichtigen Gehilsen geicheheii.
Mindcstcns einmal im Fahr ist jedcs Kamin gelegentlich dcs Neinigcns dcsselbm
dnrch den Kaminfeger selbst oder wenigstcns nnter seiner nnmittelbaren persönlichm
Leitmig mit Znhilfenahme eines Lichts cincr griindlichen Ilntersuchnng z» nntcrzieheii.

13. Das Neinigttiigsgeschäst 8) hät sich anf die Kamine, tlianchiäiige und
.<inrten, scrncr auf dicjcnigen Rohre, wclche als Fortsctznng von l7te>iröhrcii in
wcitcn Kaminen znr Verbessernng des ZngeS der Defen eingesnhrt sind «d. h. die
Knic- ilnd senkrecht in den weiten Kainiiten emporgcfilhrteil Nohrstncke- und auf
dic Fenerzügc der Lierde zn erstrecken. Dabei ist insbesonderc F-olgendes zn deachten:

1. Die bezcichiicten F-eiicrungsanlageil müssen vom Nnst völlstnndig gereinigt
werde».

2. Dic weiten Kaminc sind bis iiber das Dach hinans zn bcfteigcn, der Knß
mit einer cisernen Scharre sorgfältig abznkrat;eii nnd mit einem gnten Besen iauber
abzukehren, sowie ctwaige Absävc im Kamin, anf welchen sich dcr Nnst ansaiiiiiiclt,
gehörig zn rcinigcn.

3. Zum Neinigcn der cngcn Kamine sind Pnmpbesen aiizilwenden. Mo sich
Glanzrnß gebildet hat, i»t znr Gntfernnng dcsselbeii das Kamin ausznbrennen.

4. Nach dcm Reinigen ist Rnst nnd losgefallencr Vc.rpnlz ans dcn Kamiiteii

in das vom Hansbewohner bcreit zu haltcnde Gefäst zn schaffcn und sind die clwa

heransgcllommcnen Rohrc wicder einznseizen. Anch sind Pntzthnrcheii nnd Ansstcig-
laden wicder sorgfältig zn schliesten. Finden sich nnvcrschlossene Rohröffnnngcii iu
Kamlnen vor, so ist die Anbringnng von Verschlnstkapseln zn verlangen.

F 14. Jst nach ß 13 Ziff. 3 das Ailsbrcnncn dcs Kainins erforderliöi. so hat

dcr Kaminfeger den Hauscigentiimcr hiervon in Kenntnis zu sctzen nnd sich mit

demsclben iiber den Tag der Vornahme des Geschäfts zu verständigen. Das Aus-
brciiiien hat nnter pcrsönlicher Lcitnng des MeisterS nnd mit Bcachtnng nachstcheii-
der Vorsichtsmaßregclii zu geschhen:

1. Gs ist rechtzcitig vörher dnrch den Kaminfeger der Ortspolizeibehörde von
dcm Vorhaben Anzeige zu machen, damit diese die Rachbarn davon benachrichiigcn
und diesclben vcranlasscn kann, alle Ocffnnngcil, durch welche Funken ciufallen
können, forgfältig zu verschlicsten.

2. Währcnd der Vornahme des Geschäfts sind die Klappen der Ofcnröhren
und die Ofenthüren verschlossen z» halten nnd eine weiste Signalfahne ans dcm
Dache aufzustecken.

3. Das auszubrennende Kamin darf keine Risse haben und must iu gntcm
banlichcn Zustande sein. Die in dassclbe mündeuden Ofcnröhren dürfcn nicht
schadhaft sein und keine lcicht entzündlichen Gegenstündc sich in dcr Nähe besinden.
Dic Kamittputzthürchcn müssen verschlosscn sein. Uebcr alle diese Punkte hat sich
der Meister vor Bcginn der Arbcit genan zn verlässigen.

4. Die Zeit sür das Ansbrennen ist so zn wählen, dast das Geschäft bis spä-
tcstens 2 Uhr nachniittags beeudet ist. Das Ansbreltncn darf an kcinem stürmischeil
Tage und weder bei groster Kälte noch bei anhaltender Hitzc geschehen. Jn <^e-
bäuden mit Stroh- oder Schiudelbedachung soll das Ausbrennen unr in deu Mo-
naten November bis April vorgenommen werden.

5. Vor dem Beginn desselben sind die uötigen Vorsichtsmaßregeln zu trcffcn,
uui dem hinausschlageudeu oder übcrhandiiehmeuden F-encr durch Verschlust der
Ocffnung des Kamins mit Platten oder eiscruen Deckeln und dcrgl. sogleich mit
Grfolg bcgcgncn zu könuen. Auch ist vom Hausbcsitzer eiu zureicheuder Wasservorrat
in das Haus und insbesondere in die Nähe- dcs Kamins zn schaffen. Anf dcm
Dache ist cine Ueberwachung dcr Kaminausmüudilng dnrch eineu Gehilfen »ötig,
und in den Zwischeustockwerken das Kamin durch eine zuverlässige Person zn be-
obachten. Jn besonders gefährlichen F-ällen, wie illsbesondere auch bcim Ausbrennen
iu Gebäuden mit Stroh- oder Schindelbedachung, ist für Bereithaltung eiuer Spritze
sowie für den Beizug von Hilfsmannschaft Sorge zu tragen. Jst in ciucm Gebäude
mit Stroh- oder Schindelbedachnng das Ansbrenncn ausuahmsweise (s. Ziff. 4 a. E.)
in der Sommerszeit vorznnehmen, so müsscn austerdem nasse Tücher in dic Nähe
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