Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1892 — Heidelberg, 1893

Seite: Anhang_021
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6. Ist eine Gruft zur uormalen Beerdigungszeit einer Leiche uoch nicht fertig-
gestellt, so darf di,: Lelche vorerst in dem Leichenhaus jedoch nur in dcm vorge-
schriebenen eisernen Sarg aufbewahrt werden.

Diese Aufbewahrung darf aber die Frist von vier Wochen nicht iibersteigen.

Eine Wiedereröfsnnng des eiserncn Sarges nach Aufnahme der Leiche dars nicht
stattfinden.

Z 33. Die Errichtung von Grabdenkmalen samt Jnschristen sotvie Grabein- -
sassuilgen, welch letztere aus Stein oder Metall hergestellt sein mussen, bedarf der
Genehmigung der Friedhofs-Kommission. Zu dem Zwcck ist derselben vor dem Setzen
eines Grabsteins Zeichnung, Maß nebst Bnchstaben, Nnmmer des Grabes und Jn-
schrift des Steines einzureichen.

Die Grabdenkmale auf Familiengräbern müssen fuudamentiert sein; sie siud auf
die Grabstätte zu setzen und muß das Fnndament derselben miudestens 1,50m unter
und 0,30m über der Bodenfläche in Cemcnt hergestellt werden.

Jst das Grabdenkmal von solcher Größe, daß dasselbc auf Pseiler gesetzt wer-
den muß, so sind diese mit eisernen Schienen von genügender Stärke zu überdecken.

Grabeinfassungen von kleinen unbehanenen Steinen bedürfen einer Funda-
mentierung nicht; für solche aus behauenen Steinen oder Metall sind die Funda-
mente 1,50m tief aus Backsteinen mit Cement oder aus Cementbeton herzustellen.

Das Ausgraben aller Fundamente wird gegen die vorgesehene Taxe durch den
Todtengräber besorgt.

Grabsteine sind in der Regel auf Rollwagen an ihren Bestimmungsort zu ver-
bringen; vei Steinen, welche iiber 500 kß schwer sind, ist anch die Benützung eines
bespannten Wagens gestattet.

Jn jedem Fall ist der Unternehmer für jede Beschädigung in dem Fiedhof
haftbar.

8 34. Die Familiengräber sowie deren Denkmale, Einsassnngen und Anpflan-
zungen müssen von den Angehörigen in gntem Stand gehalten werden.

8 35. Blumen oder Kränze dürfen auf allen Gräbern niedergelegt werden,
sind icdoch von dem Friedhof zu entfernen, sobald sie in Zersetzung übergehen und
dadurch einen unangenehmen Anblick gewähren.

Von den allgemeinen Leichenfeldern entfcrnt diese Reste der Friedhofaufseher,
während die Jnhaber von Familieugräbern gehalten sind, sie entfernen zu lassen;
geschieht letzteres nicht rechtzeitig, so crfolgt dic Abräumung durch den Friedhof-
aufseher auf Kostcn der Jnhaber.

§ 36. Gräber von Crwachsenen dürfeu nicht vor Abfluß von 25 Jahren,
Gräber von Kindern nicht vor Abfluß von 15 Jahren geöffnet werden. Behufs
Uebertragung einer Leiche in ein Familiengrab oder nach auswärts kann auf An-
trag der Fnedhofs-Kommission unter Begutachtung des Bezirksarztes vom Bezirks-
amt eine Ansnahme gestattet werden.

Cin Familicngrab darf auch vor der Umgrabuugsfrist znr Aufnahme der Leiche
eines Kindes von nicht über 1 Jahr geöffnet werden.

8 37. Für den Besuch des Friedhofs gelten solgende Borschriften:

1) Der untere Eingang des Friedhofs am Steigerweg ist im Sommer von
6 Uhr moraenS, im Winter von Sonnenaufgaug bis zum Sonncnuntergang geöffnct.

Eine Viertelstunde vor dem Schließcn des Thores wird ein Zeichen mit der
Glockc gegeben, worauf dann jedermann den Friedhos zu verlaffen hat

2) Jcder Besucher hat ein anständiges, ruhigcs, der Würde des Lrts ange-
meffenes Benehnien zu bewahren.

3) Das Betreten der Leichenfelder ist nur den Beamten des Friedhofs, dcr
Leichenbegleitung, den Angehörigen der dort Ruhcnden oder den mit dcr Pfiege der
Gräber Beauftragten aestattet.

4) Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Besuch des Friedhofs unker-
fagt, auch dürfen keine Kinderwagen in denselben gebracht werden; dagegen haben
Mhrstühle, in welchen einzclne kranke Pcrsonen gcfahren werden, Einlaß.

5) Es ist verboten, Hunde auf dcn Friedhof mitzubringen oder auf dem Fried-
hof zu rauchen; ebenso ist untersagt, in den Anlagen oder auf fremden Gräbern
Blumen und Pflanzen zn pflücken.
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