Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1894 — Heidelberg, 1894

Seite: 287
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Zn der Rekmgirilg der Fabrikkcrmme ist die Neiitt'gung der wagrccht vom ztesscl
mch dem Kamin fuhrenden Feucrzüge nicht inbcgriffen. Für die Prüsung eines neu-
erbauten und die Untersuchnng eines solchen Fabrikkamines, dessen Reiuigung dem
Eigentümer überlassen ist, hat der Kaminfeger ohne Nücksicht aus die Hähe des Kamins
eine Taxe von 2 Mark zu beansprnchen. Bei Neinigung und Besichngnng (Prüsung,
Untersuchlttig) von Fabrikkamiuen außerhalb des Wohnorts des Kaminfegers erhält
derselbe, wenn sie nicht gelegentlich anderer Geschäste vorgenomrmn werden können,
eine Ganggebühr nach Maßgabe von Ziffer VI.

V. Für die nach 8 16 der Kamiilsegerordnung vorzunehmerlde Uiltersnchung der
außer Gebrauch gesetzten Kamine, mit AuSschluß der Fabrikkamine, hat der Kamin-
seger die gleichen Taxen, wie für eine Reinigung der betreffenden Kamine zu bean-
spruchen.

VI. Der Kaminseger erhält von dem Bauherrn für die Unlersuchung eines neu-
erbauten Kamins bei einstöckigem Kamin einschließlich des Dachraums sO Pfg.

bei zwei- und dreistöckigen Kaminen.60 Pfg.

bei mehrstöckigen.00 Pfg.

und außerdem bei einer Besichtigung außerhalb des Wohuorts des Kaminfegers, wenu
sie nicht gelegeutlich von Kanttnreinigungen vorgenommen werdeu kann, bei emer Ent-
fernung bis zu 4 Kilometer einschlicßlich eine Ganggebühr von mindestens 1 Mark,
bei weiteren Giltfernilngen erhöhr sich die Ganggebüyr sür jeden angefangenen Kilo-
meter um 20Pfennig. — Unter Entfernung ist die wirkliche räumliche Entfernuug des
Wohuorts vom Ort der Vornahme des Geschäfts, gemessen nach der beide Orte in kür-
zester Linie verbindenden Straße verstanden, also: der einfache Hinweg (nicht Hin-
und Rückmeg). Werden mchrere Besichtigungen an einem Tage vorgeuommen, so ist
nur eine Gauggebühr von den Bauherren gemeinsam zu entrichten.

VII. Die Taxe für das Reinigen einer Hurte oder eines sogen. Rauchlochs be-
trägt 6 Psg.

VIII. Hierbei wird noch bemerkt:

a. Oeffnen uud Schließen der Klappen und Putzthürchen wird nicht besonders
bergütet.

b. Halbstöcke, Mansarden, Souterrains oder Keller zähleu als Stockwerke.

o. Der Kaminfeger hat sämtliche Reinigungsapparate zu stellen und den Ruß
aus den Kaminen herauszuschaffen.

ä. Das Begehen des Daches durch den Kaminfeger von einem Kamine zum an-
dern ist verboten.

8 6. Diese Vorschrift tritt mit dem 1. April 1888 für den ganzen Amtsbezirk —
Stadt Heidelberg uud Landgemeinden — in Kraft. Mil diesem Tage sind die bezirks-
polizeilichen Vorschriften vom 29. Februar 1872 und 12. Dezember 1874 aufgehoben.

8 7. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschrift imrden gemäß 8 23 der Kamin-
fegerordnung vom 29. November 1887 und 8 368 Ziff. 8 R.-St.-G.-B. bestraft.

v. Vauvrdnnng.

(Jst in amtlicher Sonder-Ausgabe erschienen und bei I. Hörning,
Uttioersitäts-Buchdruckerei, Hauptr. 55 a zu haben.)

L. Dis Errichtung neuer Wolrngebäude und Vrunnen in der Nätze

des Friedhofes.

Ortspolizeiliche Vorschrift vom 4. Juni 1891.

Neue Wohngebäude, welche in der Umgebung des städtischen und israelitischen
Friedhofs erbaut werden sollen, dürfen, soweit das nordöstlich des Steigerwegs und
südlich des sogenaunten Hasenbühlerwegs gelcgene Gelände in Betracht kommt, nur in
einer Entfernung von mindestens 50 m, im Uebrigen mit Ausnahme der schon in
den Baubezirk einbezogenen Ecke der Rohrbacher- und Schwetzingerstraße nur in einer
solchen von miiidestens 90m von dcr nächstliegenden Grenze des Friedhosgebietes er-
richtet werden.

Brunnen dürfen nur auf der Nückseite der in der bezeichneten Umgebung des
Friedhofes zur Errichtung gelangenden Gebände und mindestens 10 Meter hinter der
bestimmten Bauflucht derselben erschlossen werden.

Ausnahme von obiger Vorschrift kann in besonders dringenden Fällen die Bau-
polizeibehörde mit Zustimmung des Stadtrates und nach Anhörung des Großh. Be-
zirksarztes bewilligen.
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