Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1894 — Heidelberg, 1894

Seite: 344
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Weinlese. Auch knuu die Ortspolizeibehörde fiir sonstige uuverschiebliche Arbeiten
in der Land- und Forstwirtschaft Nachsicht crteilen, wenn die Notwendigkeit dcr
Sonntagsarbeit ncht von dem Uuteruehmer absichtlich herbeigefiihrt oder durch
Fahrlassigkeit verschuldet ist.

Uuter das Verbot des Z 1 Ziffer 1 dieser Verordnuug fällt stets das Abhciltcn
von Treib- uud ähnlichen Zagdeii.

8 6. Verkehr in Wirtschafteu. Ju Gast- uud Schankwirtschaften diirfen
an den iu § 1 Ziffer 1 dieser Verorduung bczeichneten Tageu vor Schlus; des
vormittägigeu Hauptgottesdienstes uud währeud des Nachiuittagsgottesdienstes keiue
geräuschvollen Belustiguugen uud kein lärniendcs Zecheu und Spielen stattsiiiden.

§ 7. Aufzüge, Musikauffilhrungen, Schau- und Vorftelluiigeu
uud sonstige Lustbarkeiten. Die Verailstaltuug vou öffentlichen Auszügen,
Musikaufführungeu, Schaiistelluilgeu, theatralischeu Vorstellungen oder sonstigcn
Lustbarkeiten ist untersagt:

1. für den gauzen Tag: aiu Christtage, an sämtlicheu Tagen der Charwoche,
am Oster- uud Pfiugstsonutage, ferner in Geineindeu, in welcheu die katholisch
Koiifessiou Psarrechte hat, am Fronleichiiaiustage und iu Genieindeu, in welchene
die evangelische Konfession Pfarrechte hat, an dem Sonntage, auf welchen der
Buß- und Bettag fällt;

2. sür die Dauer des vorinittägigen Haupsgottesdienstes: an den übrigen in
8 1 Absatz 1 Ziffcr 1 dieser Verordnung bezeichueteil Souu- und Festtagen.

Jedoch dürfeu außerhalb der deiu vorinittägigen Hauptgottesdieuste gewidiuetcn
Zeit au deu letzten drei Tagen der Charwoche Auffüliruiigen eruster Musik und
au den ubrigen uuter Ziffer 1 bezeichueten Tageu Musikausführungeu, welche
einem höheren Znteresse der Kunst dieueu (Konzerte), sowie Thcatervorstellungen
ernsten Znhalts stattfinden, vorbehaltlich der uach 8 63 des P.-St.-G.-B. der Poli-
zeibehörde zustehenden Ulitersagungsbefuguis.

8 8. Bekanlitinachung der Zeit des Gottesdienstes. Die Zcit
des vormittägigeu Hauptgottesdienstes beziehuugsweise (8 6) auch des Nachmittags-
gottesdienstes, für welche obige Verbote Platz areifen, wird uuter Berücksichtigung
der von den kirchlichen Orgäuen getroffeneu Bestimmung durch die Orrspolizei-
behörde bekauut gemacht.

8 9. Schlußbestimmurig. Diese Verorduung tritt am l. Juli 1892 in
Kraft, für die iu 8 2 bezeichueteu Betriebe jedoch erst von dem späteren Zeitpunkte
au, auf welchen für dicse Betriebe die Bestimmungen der 88 105n ff. der Gewerbe-
orduung durch Kaiserl. Verordnung (Art. 9 Abs. 1 des Gesetzes vom 1. Zrini 1891,
betreffend Abänderuug der Gewerbeordnuug, Ncichsgesetzblatt ^eite261) in Krafl
gesetzt werden.

Von dieser Zeit treten die Verorduungen vom 28. Zanuar 1869 und 20. No-
vember 1879, die weltliche Feier der Sonn- und Festtage betreffeud, außer Wirk-
samkeit.

?. Die Sormtagsruhe im Nandelsgewerbe.

Bezirksamtliche Anordniingen für den Amtsbezirk vom 24. Mai 1893.

I.

Zm Handelsgcwerbe dürfen an Sonn- und Festtagen (vergl. Ziffer V)
Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter vorbehaltlich der uachstehend verzeichneten Aus-
nahmen nur während höchstens fünf Stunden beschäftigt werden, und zwar:

1) Jn den Städten Heidelberg, Reckargemünd und Echönau:

n. Jm Gewerbebctrieb der Kolonia lwaren-, Delikatessen-, Wildpret-
und Geflügelhändler

während dcr Monate März bis einschließlich Oktober
von 7—9 llhr Vormittags und vou 11—2 Uhr Nachmittags,
während der Monate November bis Februar
von 8—9 llhr Vormittags »nd von 11—3 Uhr Nachmittags,

b. in den andern handelsgewerblichen Betrieben während des ganzen Zahres
von 8—9 Uhr Vormittags und von 11—3 Uhr Nachmittags.

2) Jn allen übrigen Gemeinden des Amtsbezirks allgemein von
7—8 Uhr Bormittags nnd von II—Z Uhr Nachmittags.
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