Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1894 — Heidelberg, 1894

Seite: 371
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8 3. Die Friedhofs-Kommission teilt das Gesuch mit sämtlichen Belegen unter
Beifugung ihrer eigenen Aeußerung dem Bezirksamt mit, welches erforderlichen-
falls vor Abgabe seiner Entschließung den Großh. Bezirksarzt darüber zu hören
hat, ob inhaltlich der Belege die Todesursache als eine natürliche oollkommen klar-
gestellt ist.

Bestehen nach dem Gutachten des Großh. Bezirksarztes ,jweifel hierüber, so
kann das Bezirksamt den Angehörigen des Verstorbenen anheimgeben, zur Hebung
der Zweifel die Leichenöffnung durch den beamteten Arzl vornehmen zu lassen und
den Befund vorzulegen.

Werden auch durch das Grgebnis der Sektion nach Ansicht des Großh. Bezirks-
arztes hicr die Zweifel iiber die Todesursache nicht vollständig beseitigt, so ist die
Erlaubnis zur Vornahme der Feuerbestattung vom Bczirksaml zu veri'agen.

tz 4. Beim Bestehen des Lerdachts einer gcwaltsamen Todesnrsache leinschließ-
lich Selbstmord und Unglücksfälle) richtet sich das Weitere nach dcn Lorschriflen
über das Verfahrcn bei gewaltsamen Todesfällen. Die Berbrennung ist in diesen
Fällen unstatthaft.

8 5. Wird die Genehmignng erteilt, so stellt das BezirkSaml den nachsuchenden
Angehörigen einen schriftlichen Genehmigungsbescheid zu und setzt hievon den Groß-
herzoglichen Bezirksarzt und die Friedhofs-Kommission in Kennrnis.

tz 6. Leichen von auswärts verstorbenen Personen, welche hier zur Verbrennnng
kommen follen, dürfen erst dann hierher gebracht werden, wenn die nach K 2 fi.
dieser Lorschrift erforderliche bezirksamtliche Genehmigung zur Feuerbestattung er-
teilt ist.

Solche Leichen sind unmittelbar nach der Ankunft in die Feuerbestattungsaustalt,
bezw. wenn deren Einäscherung ausnahmsweise nicht sofort erfolgen kann, zunächst
in die Leichenhalle zu verbringen und hat deren Lerbrennung, wenn möglich, noch
am gleichen, spätestens aber am folgenden Tage stattzufinden.

ß 7. Die Einsegnungsfeierlichkeiten für hier Lerftorbene finden in der Regel
in der Leichenhalle statt, worauf die Leiche im Zug nach der Feuerbefrattungsanstall
verbracht wird.

Auf Wunsch der Hinterbliebenen können die Feierlichkeiten auch in der Feuer-
bestattungsanstalt, wohin in diesem Falle die Leiche vorher zu verbringen ist, ab-
gehalten werden.

§8. Hinsichtlich der Feuerbestattung selbst wird Folgendes beüimmt:

a) Die Größe des Sarges, welcher aus weichem Holze hergestellt sein muß und
nicht mit metallenen Zierraten versehen sein soll, darf folgende Timensionen nicht
überschreiten: Länge 2,25m, Breite 0,75m, Höhe 0,72m.

b) Nach Ankunft der Lciche in der Feuerbestattuugsanstalt mird der Sarg auf den
dort befindlichen Sarkophag gestellt und mit diesem nach Beendigung der Einfcgnungs-
feierlichkeiten iu den unteren Ranm der Feuerbestattungsanstalt durch hydraulische
Lorrichtung versenkt, während sich gleichzeitig die Einseiikungsöffnung geräuschlos
wieder schließt; im unteren Raum wird der ^arg von dem Personal auf den eisernen
Lerbrennungswagen verbracht und sodann mittels Schiencn in den Lerbrcnnungs-
raum geschoben, worauf unmittelbar der eigentliche Lerbreiinnugsakt beginnt.

e) Der Verbreunungsakt muß so geleitet werden, daß während des ganzen Lor-
gangs weder gefärbter Rauch dem Kamin entsteigl, noch irgend welcher Gcruch wahr-
nehmbar wird. '

8 9. Während des Feuerbestattungsvorgangs dürfen sich anßer den mit der Aus-
führung und Ueberwachung beanftragtenPersonen nur dic (nächsten) erwachsenen An-
gehörigen des Verstorbcnen im Lorraum des Lerbrennungsofens aufhalten.

Die Beobachtung des Lerbrennungsaktes selbst ist in der Regel nur dem obeu-
genannten Dienstpersonal und für diejenigcn Fälle, in welchen die fragliche Bcobach-
tung durch cinen Sanitätsbeamteu aus besonderein Anlaß dringend gcboten ist, dem
Großh. Bezirksarzt gestattet.

Ausnahmsweise kann die Erlaubnis hierzu von der Fricdhofkommission auch den
nächsten Leidtragenden, sowie mit Zustimmung der letzteren solchen Personen ertcilt
werden, welche an der Beobachtung ein wissenschaftliches oder tcchnifches Fnteresse
haben.
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