Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1895 — Heidelberg, 1895

Seite: 268
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Vorüberqehendc Besuche von auswärtiqen Verwaudtcil oder Befreundeteu der
Pensionsinhabcr bleiben dabei anßer Betracht.

Uebertretunqen werden an Geld bis zn 20 Mark bestraft, vorbehaltlich der in
ß 49 P.-St.-G.-B. Absatz 2 angcdrohten hoheren Strafe für die daselbst vorgescheneii
erschwerten Fälle.

s. Das Vermieten von Schlafstellen.

Ortspolizeiliche Vorschrift vom 18. März 1889.

8 1. Wer sich mit dem Vermieten von Schlafstellen an Arbeitö-
gehilfen, Dienftboten und Lehrlinge befaßt, hat vorhcr hievon bci der
Ortspolizeibehörde Anzeige zu erstattcn. (8 14 Gewerbe-Ordnnng.)

8 2. Dcr Vermieter von Schlafstellen hat ein Buch zu führeu, in welchcs jelveils
nach Aufuahine des Schläfers defsen Name, Hciinat, bisheriger Aufenthalt, bisherige
und aegenwärtige Beschäftigung, sowie der Tag der Aufnahme in die Wohnnng und
des Verlassens derselben einzntragcn ist.

Das Buch ist jederzeit der Polizennannschaft, den Medizinalbeamten und dcn
Beauftragten der Ortskrankenkasse auf Verlangeu zur Einsicht vorzulegen,

Täglich in der Frühe, im Winter vor 8 Uhr, im Sominer vor 7 Uhr, ist eiu Au s-
zug aus diesem Buche bezügl. allcr in der vorhergchenden Nacht beherbergten Schläfer
(nicht nur der frisch aufgenommeuen) bei der Polizeibchörde einzureichen.

§3. Der Vermieter von Schlafstellen ist verpflichtet, für Erhaltung der Ncinlich-
keit, Sitte und Ordnung in den Schlafstcllen Sorge zu tragen.

§ 4. Personen, wclchc sich nicht durch ein von der Behördc ausgestelltes Legiti-
mationspapier anszuweiscn vcrmögen, dürfen nicht länger als eine Nacht beherbergt
werden,

8 5. Das Vermieten von Schlasstellcn in eincr Wohnung an Personcn beidcrlei
Geschlechts ist nntersagt.

Desgleichen dürfen in einem und demselben Hause Schlafstellen cntweder nnr für
männliche oder nur für weibliche Pcrsoncn cingerichtet werdcn.

8 6. Es darf kcine größere Zahl von Personcn znr gleichzeitigen Beherbergnng
aufgenommen werden, als uach Verhältnis des Naunies und den voihandenen Betlen
beherbergt werdcn können. Nötigenfalls wird diese Zahl von dem Bczirksamt fcstgestcllt.

Ein Bett darf stets nur von einer Person benutzt werden.

tz 7. Den Schläfern muß gestattet sein, sich auch nach dcn Arbeitsstnnden in der
Schlafstelle aufzuhalten.

8 8. Zuwlderhaiidlungen gegen diese Vorschriften werden gemäß 8 136 Polizci-
Strafgesetzduchs an Geld bis zu 50 Mark oder mit Haft bis zu 8 Tagen bestraft.

0. Die Neberwachmig -er von Privatpersonen gegen Enlgelt in

Pflege gegebenen Ninder.

Bezirkspolizeilichc Vorschrift vom 22. Angust 1889.

8 1. Wer Kinder unter 7 Iahren, welche von Privatpcrsonen in Pflege gegcbcn
werden, gegen Entgelt in Pflcge nchinen will, hat vor der Aufnahme nnter Vor-
lage der den Peisonenstand feststelleiiden Urkunde dic Genehinignng der Ortspolizei-
behörde hiezu einzuholen, Diese Genehmigung wird nur erteilt, wenn der Pflcger bc-
züglich seines Leumunds, seiner Familicn-, Erwerbs-, Wohnungs- nnd sonstigeii Ver-
hältnisse die Garantie dafür bietet, daß dem Kinde bei ihm die nötige Pflege und
Fürsorße zu Teil wird.

Die Pfleger erhalten eine Genehmigungsurkunde, worauf der Name des Kindes
bezeichnet ist nnd die wesentlichen Bestimmungen dieser Verordnung nnd eine bezirks-
ärztliche Belehrung über Ernährung und Pflege der Kinder enthalten sind, deren ge-
naue Beachtung den Pflegeeltern besonders zur Pflicht gemacht wird.

Die Bürgermeister-Aemter haben die ersorderliche Anzahl Jmpressen zn beschaffen
und den Pflegern bei Genehmigung der Pflege unentgeltlich abzugcben.

tz 2. Aendert der Pfleger seinen Wohnsitz oder seine Wohnung, oder wird das
Pflegeverhältnis durch Entlassung des Kindes aus der Pflege aufgehoben, so hat er
dies binnen 3 Tagen der Ortspolizeibehörde anzuzeigen.
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