Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1896 — Heidelberg, 1896

Seite: 325
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ck. Der Vekriev der Nerglmhn.

Ortspolizeilicho Borschrift vom 5. April 1890.

8 1. Die Leitung des Betriebes der Drahtseilvnhn, sowie die Aussicht über die
Unterhaltung der Bahu und deren Betriebsmittel ist einem Borstande zn übertrageri,
welcher für die Geschäftsführnng, insoweit dieselbe der staatlichen Beaufsichtigung
unterliegt, der AufsichtSbehörde vcrautwortlich ist.

tz 2. Die Bahn mit ihren sämtlichen Nebenanlagen und Betriebmitteln ist fort-
während in vollkommen betriebssicherem Zustande zu erhalte», dergestalt, daß dieselbe
ohne Gefahr mit der gestatteten Geschwindigkeit (8 besahren werden kann.

Jeder Wagen mus; außer einer von Hand zu bedienenden Bremsvorrichwng mit
einer bei einem Seilbruche sicber wirkenden setbstthätigen Bremse versehen sein.

Ferner sind die Fenster der Wagen auf der inneren Bahnseite so zu versichern,
daß ein Hinausbeugeu seitens der Fahrgäste oder ein Hinansstrecken von Körperteilen
auSgeschlossen ist.

Die drei Stntionen sind durch elektrische Läutewerke zu verbinden.

§ 3. Die Geleise sind außerhalb der Bahnstationcn 0,3 m über die Wagenbreite
hinaus von allen Anhäufungen von Erde, Kies nnd sonstigen Fahrhindernissen frei
zu halten.

Die Bahnstrecke und sämtliche Betriebsmittel sind während der Betriebsdauer
täglich mindestens zweimal, darunter einmal vor Beginn der Fahrten durch Begehen
der Bahn, sodann durch den Revisionszug zu revidieren; dabei ist insbesonderc auch
auf den Zustand der Zahnstange und der Bremsen zu achlen.

Allen wegen der Unterhaltung der Bahn nnd der Betriebsmittel W 2 und 3),
fowie wegen der Bahnpolizei in der Folgc ctwa ergehenden weiteren Anordnungen
der AufsichtSbehörde hat die Betriebsunternehmerin Folge zu leisten.

Zu den von der AufsichtSbehörde für notwendig erachteten, nuf Kosten der Be-
triebsnnternehmerin vorznnehmendeu technischen Revision hat die letztere das etwa
erforderliche Hilfspersonal zu stellen.

ß 4. Jedem Zuge ist das zur Führung und Bediennng erforderliche Personal
beizugeben. Dasselbe muß zur Besorgung der ihm übertragenen Lerrichtungcn be-
fähigl und zuverlässig sein; die Nachweise hieriiber siud dem Bezirksamte eiuznreichen
und darf die Einstellung zur selbstäudigen Berwendung erst erfolgen, wenn die amt-
liche Zulässigkeitsbescheinigung erteilt und ausgehändigt ist.

Die BetriebS-Ordnung sowie die Dienstweisungen für die Bedicnsteten bedürfen
der polizeilichen Bestätigung.

Bedienstete, welche sich Zuwiderhnndlungen gegen die Bestimmungen der Be-
triebsordnung oder ihrer Dienstweisung bezlv. sonstige Nachläsigkeiten im Dienste zn
Schulden kommen lassen, sind — unbeschadet ihrer Bestrasung anf Grund dieser Bor-
schrift — auf Berlangen der AnfsichtSbehörde zu entlassen; das letztere gilt auch von
solchen Bediensteten, welche sich zur weitereu Besorgnng des Dienstcs in der Folge
als nnbefähitzt erweisen.

tz 5. Tne Fahrgeschwindigkeit darf l'/^m in dcr Sekunde nicht übsrsteigen.

Bei Fahrten während der Dunkelheit muß daö Bahngeleise vermittelst einer an
den Wagen nach vorn anzubringenden Laterne derart erhellt werden, daß das Geleise
auf mindestens doppelte Bremslänge übersehen werden kann. Außerdem sind die
Wagen im Jnnern, sowie die Warteräume und Stationszugänge zu beleuchten.

8 6. Die Züge dürfen nur aus einem auf- und einem absteigenden Wagen be-
stehen. Die höchste Zahl der in einem aussteigenden Wagen zuzulassenden Personen
beträgt 50, nämlich 40 im Jnnern uud 10 auf der oberen Plattform. Für den ab-
wärtsgehenden Wagen wird als Höchstmaß der Wasserfüllung festgesetzt:

bei 10 Fahrgästen auf 8 Kdm,

20 „ „ 7

,, 30 „ „ 6 „

» ,, ,, 5 „

,, 50 „ »4 „

Bei Beförderung von Gepäck ist die festgesetzte Personenzahl oder Wasserfüllung
dem Gewicht des Gepäcks entsprechend zu vermindern.

8 7. Das Betreten des Bahnkörpers ist nur den Bahnbediensteten und dem Aus-
sichtspersonal gestattet.
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