Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1896 — Heidelberg, 1896

Seite: 352
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/AdressbuchHD1896/0386
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
facsimile
351

Außer dieser Zeit hat der Kutscher bei Strasvermeiden aber auch dann zu fahren,
wenn er zuvor eine desfallsige Bestelluug erhalten uud angcnommen hat.

Leere Droschkeu können von den Halteplätzen und von der Straße aus zum
Vorfahren an einen aewissen Punkt, wo dcr Fahrgast einsteigen will, gerufen wer-
den. Die erfolgte Bestellung ist alsbald auf die in 8 17 Abs. II oben vorgeschriebene
Weise erkennbar zu machcn.

Bestellungen einer Droschke nicht zu sofortiger Benützung, sondern auf einen
späteren Zeitpunkt, gleichviel ob eine solche Bestcllung auf dem Halteplatz oder
anderswo erfolgt, ist der im Dienst befindliche Kutscher anziinehmen nicht verpsiichtet.
Nimmt er sie aber an, ohne etwas anderes über den Fahrpreis zu verabreden, so hat
er weder Auspruch anf Bezahlung fnr die Zwischenzeit, noch darf er für die Fahrt
mehr als die im Tarif festgesetzte Taxe fordern, ist aber seinerseits bei Straf-
vermeiden verpflichtet, die Bestellzeit genau einzuhalten.

8 19. Wenn ein Droschkenkutscher eine etwa erfolgte Bestellung feines Fahr-
zeugs nicht durch den Bestellschild stz 17 Absatz II dieser Vorschrift) erkenntlich ge-
macht hat und infolge dessen in der Zwischenzeit eine andere Fahrt annchmen muß,
deren Dauer ihn an Erfüllung der früheren Verpflichtung verhindert. so hat er
abgeseheu von der Straffolge dem ersten Besteller gegenüber für entsprechenden
Ersatz zn sorgen.

Droschken, welche zum Bahndienst befohlen sind, dürfen Vorausbestellungen
nur uach vorherigcr Anzeige an den dienstthuenden Schutzmaun und nur v o n bezw.
für solche Neisende annelimen, wclche längstens innerhalb einer Viertelstnnde nach
Aufsteckung des Bestellschildes mit einem Zuge ankommen werden.

Fahrweise. Zeit- und Rachtfahrten.

8 20. Während der Fahrt sind die Pferde besetzter Droschken stets ill kurzem
Trabe zu halten, ausgenommen wenn der Fahrgast das Schrittfahren ausdrücklich
verlangt, bei besonders langen Touren uud arl Stellen, wo aus straßenpolizeilichen
Gründen das Schrittfahren ersorderlich oder angeordnet ist.

Der Droschkenführer ist verpflichtet, bei allen Fahrten den kürzeslen Weg ein-
zuschlagen, wenn nicht bei Zeilfahrten (Zifser VI des Tarifs) der Fahrgast einen
anderen, für die Droschke fahrbaren Weg selbst bestimmt.

Dem Verlangen des Fahrgastes, langsam gefahren zu werden, ist der Kutscher
nur bei Zeitfahrten zu entsprechen verbunoen.

Die Zeitberechnung des Kutschers bei Zeitfahrten ist der Fahrgast dann anzu-
erkcnnen verpflichtet, wenn der Kutscher ihm vor Beginn der Fahrt die Uhr vor-
gezeigt hat. Jm Unterlassnngsfalle hat der Kntscher die Zeitangade des Fahrgastes
anzuerkennen.

8 21. Die Zeitberechllung für die Zeitfahrten beginnt mit dem Augenblick
des Absahreus vom Halreplatz, bezw. wenn die Bestellung nicht auf einem Haltc-
platz erfolgt ist, mit dem Augenblick des Vorfahrens am Einsteigeort.

Bei anderen als Zeitfahrten ist dcr Kntscher verpflichtet, am Einsteigeort fünf
Minuteu unentgeltlich zu warten; sür jede weiteren angefangeuen fünf Minuten
kann er ein Wartegeld von 20 Pfg. beanspruchen.

8 22. Tritt der Fahrgast ohne Verschulden des Kutschers eine bestellte Fahrt
nicht an, so hat der Kutscher 50 Pfg. oder wenn er länger als 20 Minuten warten
mußte, Bezahlung nach der Zeit zu fordern.

Tritt der Fahrgast die Fahrt an, setzt sie aber nicht fort, so hat er die volle
tarismäßige Taxe bis zum Aufhören der vereinbarten Fahrt zu bezahlen.

Hält der Kutscher bei solchen Fahrten, für welche irn Tarif eine besondere
Taxe nicht festgesetzt ist, ansnahmsweise die Vergütung nach der Zeit nicht für
angemessen, so ist cs seine Sache, sofort bei Annahmc des Auftrags dafür zu sorgen,
daß eine ausdrückliche Uebereinkunfr geschlossen wird, andernfalls kann er me mehr,
als die in Ziffer VI des Tarifs festgesetzte Zeittaxe verlangen.

8 23. Nachtfahrten beginnen während des ganzen Jahres abends 10 Uhr und
endigen morges 6 Uhr.

Für dieselben ist die doppelte Personentaxe zu entrichten, vorbehaltlich der Be-
stimmungen in Ziffer II und V des Tarifs.

Wird die Fahrt vor 10 Uhr abends begonnen, so ist nur für denjenigen Teil der
Fahrt die doppelte Taxe zu entrichten, welcher nach 11 Uhr ausgeführt wird. Für
loading ...