Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1896 — Heidelberg, 1896

Seite: 375
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lichcn Dicnstcil gemietct wcrden. Bci dcm Gedinge monatlicher Zahlung gilt der Der-
trag anf die Dauer eines Monats geschlossen.

8 4. Der Vertrag, welcher bei den anf ein Jahr gemieteten Dicnstboten nichl scchs
Wocheu, bei den auf ein Vierteljalir gcmietelen nicht vier Wochen oder bci monat-rweise
gemieteten Dienstboten nicht 14 Tage vor Ablauf der Dienstzeit gelnndigt ivird, iit als
für die gescnlich untersteille Daner der Dienstzeit stillschiveigend erneucrt anzusebcu.

8 5. Dic Vorschriften der 88 3 uud 4 finden keine Vnwendung, ivenn ubweichende
Bcstimmungen dnrch Drtsgebrauch bergebraclit sind und dcssen Besleben durch cincn
Beschlus; des Gemcinderats sestgestellt und öffentlich bekannt gemacbt wnrde.

8 6. Dienstboten baben sich allen, ibreu dkräslen nnd dem Znbalte des Dienst-
vertragcs entsprechenden Verrichtungen nacch Vnordnung der Dicnstberrschasl zu untcr-
ziehen und sich der Ordnung des Hüuses zu unterwersen. Dic Dicnstboten sind nicht
berechtigt, sich in den ibnen ansgetragenen Verrichtungen verlreten zu lassen. Sie
müssen, selbst wcnn sie nur zu gewisseü Diensten angenommen sind, nötigensalls und
vorübergehend anch anderweite, ibren Verbältuisseu nicbk unangeinesscne Verrichlungeii
nach Anordnung dcr Dienstherrschaft übernebmen. Z-ür Schaden, ivelchcn der Dienst-
bote der Hcrrschast zufügt, hat er uacb Vkaffgabe der allgemeinen landrcchtlichen Ve-
stimmnngen über Schadenersatzpflicht Grsatz zn leistcn.

8 7. Die Dienstberrschaft ist verpflichtet zur Deistnng des Dohnes »nd IlnterbaltS
deS Dienstboten in Kost und Wobnung, wie solche für Tienslboten dcr glcichcn Art iib-
lich siiid. Die Ausbczahlnng des Koljnes erfolgt am Gnde dcr Dienstzeit. Wird »ach
Ablauf der Dienstzeit dcr Vcrtrag fortgesetzt, so darf die Zablnng der Hälste des ver-
fallenen Lohnes um vier Wochen verschoben werde». Das anf dic Dauer eincs Iahres
gemietete Gesindc kanii verlangen, daff ihm nach 4 Monaren der Dienstzeit cin Viertel,
nach 8 Monalen ein wcileres Viertcl des Iabreslohnes ausbezahlt werde.

8 8- Wird cin Dienstbote ohne cigenes grobes Verschnlden krank, so hal die Dienst-
berrschaft ibu acht Tage lang zu verpflcgen uud die Kosten für den Arzt und die Arz-
neien zu übernehmen/Sie ift indessen berechtigt, den Kranken in öffentlichen Krankcn-
anstalten unterzub^jngen.

8 9. Stirbt em Tienstbote, so können seine Grbeu den Dohn nur für die Zeit bis
zum Gintritte der Grkrankung fordern. Tie Begräbniskostcu sallen dem Ticnsthcriii
nicht zur Last.

8 10. Tie Dieustherrschast ist bcrechtigt, das Gesinde ohne Anskündignng sofort
zu entlassen:

Wegen völliger Unfäbigkeit zu den übernommenen Tienstleistungen, soivie ivcgen
Verhinderung an deren Besorgung, insoferne solches durch eigcnes Verschuldcn dcs
Dicnstbotcn veranlafft wurde, odcr bei zufäUiger Gntstelmng über l4 Tagc andancrte,
wegen Untreue, hartnäckigen Ungehorsams, wegen Unsittlichkcit, überbaupt wegcn
solcher Haudlungen, welche nach ihrem Wescn mit dem für das Dienstbotenvcrhälinis
erforderlichen Vertranen oder mit der bäuslichen Ordnnng unvereinbarlich si»d.

8 11. Tas Gesinde ist befugt, den Tienst ohne Anskündigung sofort zu vcrlasscu:

Wenn der Dicnstbote durch schwere Grkrankung zur Fortsetzung des Dienstes >ni-
vermögend ist, wenn die Dienstherrschafl in Ganr gerät, wenn sie dcn Wohnort
bleibend vcrändert oder den Dienstboteu nötigen will, längere Neisen in entfernte
Gegenden niitzumachen;

Wenn sie dcn Dienstboten miffhandelt, ihm Unsittliches ansiniit odcr ihn vor sol
chen Zumntnngen Andercr, die zur Familie gehören oder im Hause regeliuäffigeu
Zutritt haben, nicht ichützen konnte oder wollte;

wenn sie dem Dienstboten den Kohn über die Verfallzeit vorcnthält oder ihm dcu
nötigen Unterhalt verweigert, sowie überhaupt wegcn solcher Handlungen dcr Ditnst-
herrschast, welche, wie dic angeführtcn, mit den vom Gesindc gcgenüber der.Herrschafl
nach dem Dienstbotenverhältnisse zusleheuden Anfordernngcn unvcrcinbarlich siud.

8 12. Ter auf länger als ein Vicrteljahr abgcjchlosseile Vertrag kann vor Ablauf
der Dienstzeit mit Frist von sechs Wochen aufgckündet werden, wenn das Haupt der
Familie oder das Mitglied derselben stirbt, für desscn besondere Bedienung das Gesinde
gemietet worden ist.

8 13. Wenn dcr Dienstbote währcnd der Dienstzeit gemäff tz 10 enllassen wird
oder austritt, so kann er nnr nach Maffgabe der Dauer des Vertragsverhältnisses An-
spruch auf die Gegenleistnngen des Dienstherrn erhebcn.

Das Gieiche gilt in den Fällen des tz 12.
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