Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1896 — Heidelberg, 1896

Seite: 376
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/AdressbuchHD1896/0410
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
facsimile
375

§ 14. Weilil em Dieiistbote vertragswidrig deil Ticnst iiicht alikritt, lllibcfiigt aus-
tnch'oder gcmäst 8 10, mid zlvar iu Fosge eigeiien Berschuldens enttasfeli wird, so
kaii» dcr Diensthcrr, ohne dast cine gerichttiche Auflösttiig dcs Lertrags, eine Verzugs-
setznilg oder der Bewcis des Ö'intritts iliid Bclrags des Schadens uötig sällt, statt der
lZrsiillinig dcs Bertrags eine (Zntschädlgiiiig vcrlailgcu oder iu Aufrechiiiiiig briiigeil,
welche sich anf die Hälfie des Bierteljahreslohnes belänft. Wcnn Tienstbotcu fiir
laiidwirtschaftliche Oleschäfte in dcr ,'st'it voni Iniii bis einschlicstlich Lkiobcr vcrlrags-
briichig oder ciitlasseii wcrden, so erhöhl sich die O-iitschädigttiig auf den vierten Teil
des Iahreslohnes.

i; 15. Tein Ticilsthcrril steht znr Sicherliiig seiner lZiirschädigungsfordernng gegcu
deii Ti'ciistboteil an dcr in sciner Lbohiiiing cingebrachten Habe desselben, mit Aus-
iiahnie der znm taglichen Gebranch ilttentbehrllchcn LUeidiiliasstttckc, ein Aückbehaltungs-
recht zu. Weun der Dienstherr nicht innerhalb scchs Tageil scine (s-ntschädiguiigsklage
gegeii den Tieiistboteir bei dem znständigen Richter aiihangig machi, oder nicht inner-
halb acht Tagen nach (5'rivirknng cincs rcchtskräftigeii obsiegenden llrteils den Iugriff
anf die rnckbehallene Habc beautragt, so crlischt das Nnckbchaltungsrecht.

8 16. Wird ein Dienstbote von der vertragsschlrcsteiidcn Herrschaft nnbefirgter
Weise nicht angenominen oder vcrtragswidrig entlassen, oder ttinilltt er aus Lerschnlden
dcs Diciistherrn nach 8 11 seinen Austrirt, so kann er, anstcr deni Lohne für die abver-
dicnlc Zeit, ohne dast eine gerichtliche Anflösung des Lertragcs, cine Lerzngssctznng
oder der Bcweis des Üintritts niid des Betrags des Lchadens nötig fällr, stan der Ler-
tragserfiillung cinc (5'titschädignilg vcrlangeu, welche die Hälfrc des Lierteljahreslohns
betragt. Wcim Diciistboteii für landivirtschaftlichc (steschäsle in dcr Zeit vom Dktober
bis einschlicstlich Februar nicht aligenonimen, entlassen wcrden oder austrcten, so crhöht
sich die Entschädigllttg anf den vierten Teil des Iahreslolms.

8 17. Bei lnoiiatlveise verinietcteiii (stesindc bcläuft sich die Entschädigung anf dcn
Letrag des Lohns für einen halben Monat.

8 18. Sowohl den Dienstherrcn als den Tieiistboten blcibt in den F-ällen der vor-
hergehcnden 88 vorbchaltcn, einen höheren Schaden gerichtlich geltend zu niachen.

8 10. Wer eiiicn Dicnstboten, der iliibefiigtcr Weisc den Tienst nichr angclreten
hat oder unbefugker Weisc aus dem Dienste ausgetreteii ist, wissentlich vor Bereinigiliig
seiuer friiher eiilgegangeiien Lerbindlichkeilen iii ein neues Tieuslverhällnis aufnimnit,
kaiin von dcm beschädigten Diciistherrii gerichtlich zum Ersay des durch den Lertrags-
bruch eiitstandciien Schadens, soweir solchcr nachgewiesen rvird, angehalteu wcrden.

8 20. Jn Streitlgkeitcn zwischcn Ticnstboleii nnd Tiensthcrrschaft ist die Tagfahrt
zur Lerhandlnng über die Klage nüt thuiilichster Beschleunignng abziihalteu. Tie Tag-
fahrt darf nur cinnial und nnler der Loraiissetzniig, daß cin uiiabwettdbares Hinderms
angcführt nnd bcschcinigt sei, verlegt werden. Tie Lollstreckiittg des tlrtcils wird, nri-
geachtct eiugelcgter Rechtsmittel, bei Sicherheitsleistiiiig ohne Aufschub vollzogen.

Gegebcn zu Karlsruhe in llnsereni Staatsininisteriuin, dcn 3. Febrnar 1868.

Friedrich.

Stabel. Iolly. Anf Sr. Königl. Hoheit höchften Befehl

schreiber.

o. KranlrenvLrstchernng der Nrdeiter nnd Dienftbvten.

Neichsgesetz vom 15. Iuni 1886 in der Fassung voni 10. April 1892.

1) Umfang der Krankenversichernngspflicht.

Die Krankeliversicherniigspflicht tritt hierorts kraft rcichs- nnd landesgcsetzlichcr
soivie ortsstatutarischer Lorschrift ein:

1. Für alle in Fabriken .'c., im HaridelSgewerbe, im Handwerk nnd in

sonstigen stehenden Gewerbebetrieben, bei Banten, auf Wcrften, in Briichen nnd
Grilben, sowic in solchen Betricben beschäftigten Pcrsonen, in dencn Dampskcssel
oder dnrch cleineittare Kraft bewegte Trieblverke zur Anweiidnng komiiien.

2. Fiir die Geschäftsbetriebe der Amvältc, Noiacc, Gcrichtsvollzichcr ?c.

6. Für jn den Bctrieben der Post-, Telcgraphen- uiid Giscnbahliverwaltlingen er.,
beim gewerbsmästigen Fuhrwerks-, Schifffahrts-, Flösterei- und Fährbetricb,
dein geivcrbsmästigen Speditionsbetrieb w., sowie:

4. Für dic in der Land- n. Forstwirtfchaft nnd deren Nebenbelricben beschäf-
tigten Personen (einschließlich der m solchen Betrieben beschäftigten Dicnstboten).

5. Für die häuslichen Dienstboten.
loading ...