Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1896 — Heidelberg, 1896

Seite: 390
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8 20. Aus besonders crhcblichen Gründcn und nur, ivo die Wohnungsoer-
hältiiisse eiue vollständige?,solierung dcr Lciche ermöglichen, kann das Bezirksamt
gcstatten, das; cinc Leiche dis znr Becrdigung im Lrcrbehaiije ocrbleibt.

Dic Erlaiibiiis ist jcdcinalls zu versagen, ivcun der Dod infolge eincr an-
steckeiiden Krankheit eingetreteii oder ivciiii dic sosorrige Berbringung der Lciche in
die Lcichenhalle im sannätspolizeilichen Bnleressc gcboteu ist.

Dic Vorschristen der W 0, 7 und 8 sind jedoch auch in diesen Ausnahmefällen
genau zu besolgen.

8 21. Die Ucbersühruiig dieser Lcichen sindet aur dem kürze>lcu Wege uiuer
thimlichstcr Vermeidung der Oauplstraste zu den in 8 l7 sestgesevtcn Zeiten statt;
die nähcren Anordnungcn erläszt die Friedhoss-Kommissiou.

8. 22- Leichen, rvelche aus irgend eincm Grunde länger als vier Tage iu dem
siädtischcn Leicheuharise aiifbewahrt iverdcn sotlcn, milsscii in einem lustdicht vcrschlos-
seneu eiserncn Sarge beigesctzt iverdeu.

III. Friedhof-Ordnunfl.

8 23. Der Friedhos ill dic regelmäßige Begräbnisstättc aller in hiesiger Ge-
iiieinde Verstorbenen.

Dcn Isracliten ist gestatret, Leicheu von Angehörigeu ibres Bekcniiluisscs auf
dcm israelitischen Fricdhos zu bccrdigeu.

Bezüglich dcs letztereu rrnd der'Becrdigung ans demselben finden die Bestim-
mungcn dieser Leichen- und FriedhostOrdnung, nir die aus dem israesitischcn Fried-
hof errichtctc Leichcnhalle irisbesondcre die Beslimmungen der M 11, 12, 13, 14,

15 und 16 gleichmäßig Anivendiliig.

Zur Beerdigung auswärts Gestorbener aus dem hiestgen Friedhos ist die Er-
lanbnis der Fricdhoss-Kominission nnd, wenii der Tote nicht hiesiger Einwohner
bezw. das Kind eiiics solchen war, die Entrichlung der hienür vorgesehenen beson-
deren Taxen erforderlich.

8 24. Die unniittclbarc Aussicht über deu F-riedhoi sührt der Fricdhofaus-
seher, dessen Anordniiilgen auf dem Friedhos das übrige Lcichenpersonal unbedingt
Folge zu leisten hat.

8 25. Der Friedhos ist in allgemcinc Leichcnselder iür Erwachsene und solche
sür Kiuder nach fortlairfendcn römischen Zahlen eingeteilt: die Gräber werden in
Reihcn, welche mit fortlaufeiideu arabischen Zahlen zu bezeichnen srnd, angelegt.

Außerdem sind bestimmte Plätzc des Friedhoss sür Familiengräber, bisher
sogciiannte Kaufgräber, vorgesehen; die Plätze sind nach Buchstaben und dic cin-
zelnen Gräbcr nach fortlaufenden Zahlen geordnet. Auskunft iibcr sämtliche Gräber
crtcilt der Friedhofaufseher.

8 26. Ueber die allgemeineli Leichenselder, sowie über die Familiengräber führt
der Friedhofaufseher qetrennte Bücher, in deren crsterem die Nummer des Leichen-
icldcs, die Zahl der Gräberreihe, die Nummer des Grabes, Namen, Geschlecht und
Alter des Gestorbencn, sowie Tag, Monat und Fahr der Beerdigung angegebcn ist;
in dcm Buch übcr die Familiengräbcr werdcn auszcr dcn obcngciianiiten Auszeich-
unilgeii der Buchstabe der Plätze iind die Nnminer des (6rabes eiugctragen.

Dicsc Bücher werdeu doppelt geführt und je cin Exemplar auf dem Bureau der
Friedhosskommission, das andere bci dem Fricdhosausscher aufbewahrt.

Einsicht in diese Bücher ist jedcrmann gestatrer.

8 27. Iedes Grab für Erwachseue rniiß 2,10m lang, 0,75w breit uud 1,50m
ticf, sür Kinder unter 10 Jahren 1,50m lang, 0,60m breit und 1,00m tief fein.

Zwischen allen Gräbern muß ein Zwischeiiraum von mindestens 0,30m bleiben.

8 28. Unmittelbar uach der Beerdigung müssen die Gräber von dem Totcn-
gräber ausgefüllt werden.

Die Hinterbliebenen miissen, sofern sie das Grab einsassen, bepflanzeii oder niit
eincm Grabstcin versehen lassen wollen, die Ausführung dicser Arbeiten biiincn vier
Wochcn anordnen.

8 29. Es bleibt den Hiiiterbliebenen anhermgestellt, die Bepflanzuiig der Gräber
selbst zn besorgen oder durch eiiien Gärtner bcsorgcn zu lasscn.

Für die Handlunaeii dcr Beauftragten, soweit sie nicht zu strafrechtlicher Verfol-
gung Veranlassung geben, bleiben die Hinterbliebencn mitvcrautwortlich.
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