Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1896 — Heidelberg, 1896

Seite: 392
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3. Bci jeder Wiedercröffnung einer Gruft lst eine Reim'gung und Desinfizie-
runsi der Lnft nach Anleitung des Bezirksarztes vorzunehmen, ehe sich jcmand
hineiii begicbt; zn dicscm Zivcck ist vorhcr stets rechtzeitige Anzeige an das Groß-
herzogliche Vczirksamt zn machcn.

4. Jn Grnstcn dürfcn Leichcn nnr in lustdicht vcrschlossenen eisernen Ueber-
särgen eiiigeseht iverdcn.

5. Dnnströhrcn odcr sonstige Vciltilationsvorrichtiingcil dnrsen an Grnften
nicht angebracht sein.

6. Zst cinc Grnft znr normaleil Beerdigungszei't eincr Leiche noch nicht fcrtig-
gestellt, so darf die !c'cii1:e vorcrst in dem Leichenhaus jcdoch nur in dem vorge-
schriebeneil ciserncn Sarg anfbcwahrt wcrden.

Dieje Ansbewaiirnng dm f abcr die Frist von vier Wochen nicht übersteigen.

Einc Wicdcrerössnnng dcs eisernen Sarges nach Aufnahme der Leiche darf ni'cht
stattfinden.

8 33. Dic Errichlnng von Grabdenkmalen samr Jnschristen sowic Grabein-
fasslingcii, welch lctztere ans Stcin oder Mctall hcrgestcllt sein miissen, bedarf dcr
Geiichinigung dcr Friedhoss-Koniittiffion. Zu dem Zweck ist dcrselben vor dem Segen
elnes GrabstciiiS Zclchniing, Äi'as; nebst Bnchstabcn, Nuiiimer des Grabcs und In-
schrift dcs Steiiies einznreichen.

Die Grabdcnlinale anf Fami'üengrcibcrn müsfcii fnndainenti'ert fcin; sie si'nd auf
di'c Grabftättc zu selzcn nnd inust das Fniidameilt derselben mindestens 1,50 m unter
nnd 0,30 m über dcr Bodeiiflächc in Gcinent hergcstelll werdcn.

Ist das Grabdenkinal vo» solchcr Größe, daß dasselbe anf Pfeiler gefevt wcrden
mnß, so sind diese mit eiserncn Schicnen von genügendcr Stärke zn überdecken.

Grabeinsassniigcn von klciiien lmbehaiienen Sleinen bedürfeii einer Funda-
menticrimg nicht; für solchc aus behaiienen Stcinen oder Mcrall sind die Fundamcnte
1,50 m ticf mis Backsteiiicn mit (5ement odcr ans lfemcnlbcroil herznftcllcn.

Das Ansgraben aller Fiiiidamcnle wird gegen die vorgesehene Taxe durch den
T otengräbcr besorgt.

Grabstciile sinh in dcr stt'egcl anf Rollwagcn an ihreir Bcstimmungsort zu vcr-
brmgcn; bci Steincn, wclche iiber 500 fchrvcr sind, ist auch die Benützung eineS
bejpanilten Wagens gestattet.

, ^ In jedcm Fall ist der Untcinehiiicr für jede Beschädigung in dem Friedhof
haftbar.

8 34. Die Fainili'engräbcr sowic dcrcn Tenkmale, Einfassungen und Anpstau-
zuilgeii müssen von den Angehörigen in gntem Stand gehalten werden.

. 8 35. Blnmen oder Zkrmize dürfcn auf allen Gräbcrn niedergelcgt werdcn, sind

stdoch von dcm Friedhof zn ciitferncn, sobald sie in Zcrsetzung übergehcn und dadurch
ernen unangenehmen Anblick gewähren.

Von den allgenieinen Leiclicnfcldern cnlfernt dicse Reste der Friedhofauffeher,
tvährcnd die Jnhäber von Famiti'ciigräbern gehalten sind, fie entfernen zu laffen;
getchieht letzteres in'cht rcchtzeilig, so ersolgt die Abränmnng dnrch den Friedhofaufseher
anf Kostcn der Inhaber.

8Z6 Oträber von O'rwachscncii dnrscn nicht vor Abflnß von 25 Jahreu, Grabcr
von Kindcrn nicht vor Absinß von 15 Iahren gcöffnel werdcn. Behufs Uebcrtragung
euicr Leiche in ein Famiticiigrab odcr nach auswürtS kann anf Antrag der Friedhofs-
Kominission nnter Bcgiitachtnng des Bezirksarztes vom Bezirksamt einc Ausnahme
gestattet werden.

Ein Fmiiilicngrab darf anch vor der Umgrabnngsfrist zur Anfnahme der Leiche
emes Kindes von nicht übcr 1 Iahr geöffnct werden.

8 37. Für den Bcsnch deS Fricdhofs gclten folgende Vorschriften:

1) Der nntcrc Eingang des Friedhoss am Steigcrweg ist im Sommer von 6 Uhr
morgens, im Winter von Sonncnaiifgang bis zum Sonnemmtergang geöffnet.

Einc Viertetstiinde vor dem Schließcii des Thores wrrd ein Zeichen mit der Glocke
gegeben, worcmf dann jedermann den Friedhof zu verlaffen hat.

2) Jedcr Bcsiicher hat ein anständiges, ruhiges, der Wiirde des Orts angemessenes
Benehmen zn bewahren.

3) Das Betreten der Lcichenfeldcr ist nnr den Beamten des Friedhofs, der Leichen-
begleitung, den Angehörigen der dort Nuhcnden oder den mit der Pstege der Gräber
Beauftragten gestattct.
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