Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1897 — Heidelberg, 1897

Seite: 323
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§ 10 b. Bcschaffenheit dcs F u hrlverk s. Es ist nntersagt, mif öffentlicheii
Wegen mit Fuhrwerkcn zn fahren, an dercn Seite ein hervorstehendes Sitzbrett
(sog. Faultenzer) angebracht ist.

Lastwa gen, wclche auf öffentlichen Wcgen mit stärkerem Gesälle fahren, müsscn
mit einer ausrcichcnden Brems-(Sperr-)VorrichtilNg vcrsehen oder mit einem Nadschuh
ausgcstatlet sein.

8 10e. Beschasfcnheit der Zugtiere. Es ist untersagt, bcim Fahren auf
öffeiulichen Wegen bisfige Zugticrc, sofcrn sic nicht mit einem vollständig sicheru
Maulkorb versehen sind, sowie als Schlägcr bekauiite, kollerige oder fallsiichtige Zug-
tierc zu verwendcn.

is lOcl. Verbalten der das Fuhrwer! lcitenden oder bcnützenden
Personen. Es isi untersagt, beim Fahren auf öffentlichen Wegen

1) LLagen, wclche so hoch beladen sind, das; dadurch die sichcre Leitung vom Fuhr-
werk aus gesährdet wird (ittöbejondcre Hcu-, Frucht-, Slroh- uud Laubivagen) vom
Wagcn auö zu leiken oder Zugtiere überyaupt ohne Leitseil vom Wagen aus ledigiich
mil Zuruf und Peilsche zu leuken.

2) Auf der Deichsel des Fuhrwerks, auf eiuem nach 10b verbotcnen Seiten-
brctl odcr bei Lastwagcn derart aus dem Vordcrteil des Wagens zu siveii, das; die
Beinc iu der Lust schwebcu oder auf die Wageudcichsel zu stehen koliimcii.

ts 10,-. Tragcu vou Senseu au f öffeiltlichen Wegcn. 2Lcr bcim Gehen
oder Fahren aus öff'eutlicheu Wegeu eine Seuse mit sich führt, hat die Spiye der
Seuse nach obcn oder an den Schaft augelegt zu trageu.

8 l 1. Anei ii a n d e r h ä n gen v o u W a g e u. Beim Fahrcn diirfen uie mehr
als zivei Wagcn aneinaudergehäiigt seiu.

Das Zusamincuhäugen vou zwci Wagen ist nur gestattct, wcnn dcr hiuterc
Wagen nicht siärker beladen, nicht gröffer uud uicht stärkcr ist als der vordere Wagcn,
uud wenii ausrcrdcm durch cine feste Verbiuduug beider Wageu (insbcsoiidere durch
Iliirerschiebuug der hiutcrcu Dcichsel iinter den vordcren Wagcn) für eine sichcre
Stcueruug des hiuleren Wagcus gcsorgt ist.

Durch die zuständige Behörde kauu für öffentliche Wcge oder Strccken dcrselbeu,
bci deuen das Fahren mit zusamiiiengchängten Wagen wegen der Grösie des Gefälls,
der Schärfe der .ttrnininnngen oder der Schmalheit dcr Fahrbahn die Vcrkehrssicher-
heit gcfährdct, das Zusaininenhängcit von Wageu gauz untersagt oder auf das An-
hängeu unbciadencr Wagen, von'Beiwägelchen oder in sonstiger Weise beschränkt
wcrden.

8 12. Langholztr a n 6 p o r t. Fnhrwerke, welche znm Transport von Lang»
holz aus öffciitlichen Wegen benützt werdcn, sind derart einzurichten nnd zu leiten,
dasi Gesährduugen der Verkehrssicherheit vcrmicdcn werden.

F-ür öffcniliche Wege odcr Strecken dcrselben, welckie wcgen der Grösie des Ge-
sälls, der Schärse und Zahl der Krümmungen oder dcr Schmälheit dcr Fahrbahn be-
sondere Schwicrigkcitcii sür den Langholztransport bicten, kann durch die zuständige Bc-
höide vorgeschricbcn ivcrden, dasi be»n LangholztranSport dcr Vorderwagen mit einem
drehbaren Sckiemcl, der Hinterwagen mit ciner Vorrichtung zuni Leilen (Schwickc)
verscheu scin und dem Wagen das zur Leitung uud Bedienung erfordcrliche Personal
(zwei crwachsene Personcn) beigegeben sein iiiusi.

8 18. Beleuchtnng der während der Dunkelheit fahrenden Fnhr-
werke. Fuhrwcrke, welche nach eingetrctencr Dunkelhcit auf öffcntlichen Wcgen
fahrcn, müssen mil einer hellleuchtendcn Laterne vcrsehen sein.

§ 14. B egeg n u n g v o u F n h rwerkcn i m A llgemcine n. Kommen zwei
Fuhrwerkc anf öffcntlichen Wegen einander entgcgcn, so sollcn sie sich nach rechts
ausweichcn.

Findct jedoch die Begcgnung auf steilen Wegen längs eines Abhangcs statt, so
soll mit dcm bcrgauf fahrenden Fuhrwerk gegen den Abhaug ausgewichcn werden.

8 15. B egegnung vo n I u h r w e r ken auf enge n W e g c n. Ist wegen der
Enge odcr sonstigen Bejchaffenheit deS Wcges das Ausweichcn nicht möglich, so hat
derjenige, welcher daS ihm cntgegenkoinmende Fuhrwerk zucrst bemerkcn kann, an
ciner zum Vorbcilassen passcndcn!Ztelle so lange zu halten, bis das andere Fuhrwerk
vorbeigefahren ist.

Auf solchenWegen sollen sich dieFuhrlente durch Znrus, Kuallen mit der Peitsche,
die Postillone mit dcm Horn, Zeiche» gebcn.
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