Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1897 — Heidelberg, 1897

Seite: 374
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und Werkstätten, von Züiimerplätzcn »nd nndcren Bnuhöfen, von Werftcn und
Ziegeleien, fowie bci Bnnten nller Art sind niiSnnhmsweisc nnch nn Sonntngen
und gebotenen Festtngen in folgcnden Fälien zulnssig:

1. Soweit die Beschnstigung von Arbeitern nn Sonn- nnd Festtngen nnch 8105 b
Absatz 1 der Gewerbeordniiiig gestnttct ist i

2. wenn die Arbeitcn den in tz 105 e Absntz l Zisfcr 3 bis 5 dcr Gewerbe-
ordnung bezeichneten Zwecken dienen, oder

3. weiin sie zu denjenigcn Arbeiten gehören, bei welchen gcmns; 8 105<l bis 105k
der Gewcrbeordmmg durch Beschlust dcS Bundcsrnts oder durch Berfügung der höhe-
ren oder untercn Verwnltungdbchördc dic Beschnftignng von Arbcitcrri nn Souu-
und Feiertngen zugelnssen ist.

Jedoch dnrf durch die Vorunhme solcher Arbeitcn eiuc Störuiig dcs (siottes-
dienstes oder nndcrer religiöser Feierlichkeiten eiuer christlichcu .üoufessioii nicht hcr-
beigeführt lverden.

H 3. Arbeiten im HnndelSgcwerbe. Ilnter dns Verbot dcr öfientlichen
Arbeitcn iin Handelsgewerbe 1 Ziffer 1 dieser Verordiiuug) snllt nustcr dem nnch
tz 41 rc der Gewerbeordnung lintersngteii (fiewcrbebctricbe iu ofseucn VerknufsstcUeu
und dem nnch 55a, der Gewerbeordnung verbotenen Wniidergcwerbebetriebc (8 55
Abs. 1 Ziff. 1 bis 3 der Gewerbeordniing) nnd dcm nui Wohn- uud Nicderlnssungs-
orte nuf öfsentlichen Wegcn, Strnßen, Plätzen odcr nn nnderen öffcntlichcu Orten
oder von Haus zu Hnus stnltfindcndcn Gewerbebetricbe <8 dcr (stewcrbcoidiiung,
ambulantes Gewerbe):

1. Die Abhnltung von Messen und Mnrkten-, jedoch knnn dns Bczirksamt für
Sonntnge und gebotene Festtngc die Abhnltung eiuer Mcsie, eines Fnhr- odcr Spc-
zialmarktes vom Schlusfe des vormittngigen .Hnuptgotteödiensted nu gestntten;

2. dic Vornnhme von öffentlichen Verstcigerungen und Verpnchtungcn;

Ansnnhmsweise sind nn Sonntngeii und gebotenen Festtagen nnchstchendc öffcnt-

liche Arbeiten und Verrichtungen im Handclsgewerbe gestnttet:

>i) während des gnnzen Tngcs dcr Verknuf von Arziieimitteln in Apotheken;

l>> frühestens vom eschlusse des vormittägigen HnuptgottcSdienstes nn dns nnch
8 55» der Gewerbeordnung durch die untere Verwnltungsbchörde zugelnssene Feil-
bieten und Anknnfen von Gegcnständen, iiisbesondere von Sbst und nudcren Gst-
wareu, auf öffentlichen Wegcn, Strnsten und Plätzen oder nn niidercn öffentlicheil
Orten und von Haus zu Hnus;

c) bei der Durchfahrt von Zügen dns Feilbieten frischer Lcbensmittcl nuf deu
Eisenbahnstationen;

<l) dns öffentliche Arbeitcn in denjenigen Hnndclsgewerben, dcren vottständige
oder teilweisc Ausübung nn Sonn- und Festtnbeu zur Bcfriediguug täglicher odcr
nn diesen Tagen besonders hervortrctcnder Bedlirfnisse dcr Bevölkcrung crsorderlich
ist (8 105c> Absntz 1 der Geweibeoidnulig), insbcsondcre dns Hciumtrügen der be-
treffenden Lebcnsbcdürfnisse in die Hänser der .(lunden, während derjenigen Stundcii
der Sonntage und gebotencn Festtnge, für welche nach 8 105 o Absntz 1 der Gewerbe-
ordnung Ausnnhmeii vom Verbote der Beschäftigung von Gehilfcn, Lehrlingcn nnd
Arbeitern zugelnssen sind.

tz 4. Arbeiten des öffentlichcn Verkehrs. Ilnlcr das Verbot der
öffentlichen Arbeiten und Handlniigkii im öffeutlichcn Verkehr (8 I Ziff. 1 dieser Ver-
ordnung) fällt nuch die nuf öffentlichen Strasten stnttfiiidende gewcrbsmnstige Beför-
derung von Gütern mittelst Fuhrwerken und von Vieh, soivie dns Belndcn und
Entlnden von Schiffen, Kähnen nnd Flösten. Jedoch sind von dem Verbotc solche
Arbeiten nusgettommen, welche ibrcr Natur nnch überhaupt nicht odcr doch nicht
ohne sehr erhebliche wirtschaftliche Nachteilc ilntcrbrochen oder nnfgeschobcn wcrden
können. Auch knnn die Octspolizeibehörde für sonstige unverschiebliche Arbeitcn und
Hnndluugen des öffentlichen Verkehrs Nachsicht ertcilcn, wenli die Notwcndigkeit der
Sonntngsnrbeit nicht von dem Unternehmer nbsichtlich herbeigeführt oder durch Fnhr-
lässigkeit verscbuldet ist.

Das Verbot des 8 1 Zisfer 1 erstreckt sich nicht nuf:

1. den Betrreb der Eisenbnhnen, der Post, der Schifffahrt niid Flösterei;

2. das Anbieten und Verrichten von Diensten nuf öffentlichen Wcgcn, Strnstcn
und Plätzen;

3. die gewerbsmnßige Beförderung von Personen mittelst Fuhrwerken und
sonstigen Fahrzeugen.
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