Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1897 — Heidelberg, 1897

Seite: 387
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Polizeibchörde kann in diesem Aallc a»f Antrag dcs Lc'nberrn dcn Lchrling anhalten
so la»be i» der Lehre zn verbleiben, als dnrch gerichtliches Nrteil das Lehrverhältnis
nicht fiir anfgelöst erklärt ist. Der Anlrag ist nii'r znlässig, ivenn er binnen einerWoche
»ach dem Alistrilte des Lehrlings gestellt ist. Im Fallc der Weigernng kaiin die Poli-
zeibehörde den Lebrling zmangsiveise ziiriicksjihrc» lassen, vder dnrch Androhiing von
cheldstrafe bis zu -'iO Mark oder Hast bis zn fiinf Dagen znr Niickkehr ihn anhalten.

8 131. Wird von dem Pater oder Boriniliid siir dcn Lehrling, oder, sosern der
lcgtere grosijährig in, von ihm setbst dem Lehrherrn die schristliche Erklärimg abge-
geben, dasi der Lehrling zn eiiiem andere» Ecwerbe oder anderen Bernfe übergchen
werde, so gilk das Lehrverhällnis, ivenn bcr Lehrliug nichl früher enllassen wird, nach
Ablanf von vier Wochen als anfgelöst. Dcn l8r»nd der Auflösiiiig hat der Lehrherr
iii dem Arbeilsbnche zu vermerkeii.

Binneii neiin Monaten nach der Aiiflösiing darf der Lehrling in deinselben (Äe-
werbe von eincm anderen Arbeirgeber ohne Znstimmnng dcs srüheren Lehrherrn nicht
beschäfligt werden.

8 13L. Erreichi das Lehrverhältnis vor Ablanf der verabredeten Lehrzeit sein
Ende, so kann von dem Lehrherrn oder von dem Lehrling ein Anspruch anf Emschädi-
giing^nur geltend gemacht werden, wenn der Lchrvertrag schriftlich geschlossen ist. Jn
den Fällen des 8 128 Absag 1 nnd 4 tann der Ansprnch iinr geltend gcmacht werde»,
wenn dieses in dem Lehrvertrag nnter F-estsehniig der Arl nnd Höhe der Entschädignng
vercinbart ist.

Dcr Ansprnch anf Eiilschädignng erlischt, lvenn er »icht innerhalb 4 Wochen nach
Anslösnng des Lehrverhältnisses im Äst'ge der Rlage oder Einrede geltend gemacht ist.

8 >33. Isl von dem Lchrherrn das Lehrverhältnis aufgclöst Ivorden, Iveil der
Lehrling die Lehre nnbesngt verlassen hal, so ist die von dem Lehrhcrrn beansprnchte
Emschädianiig, ivenn in dem Lehrvcrlragc ein anderev »icht ausbediingeii ist, auf eineii
Berrag sestziiseven, welcher sür jedcn anf ben Dag dcs Bertragsbrnches folgenden Tag
der Lchrzcil. hachstens aber sür sechs Monate, bis anf die Hälfte des in dcm Ge-
werbe des Lelirherrn den Gesellen oder Gehilfen ortsüblich gezahlten Lohnes stch be-
lansen darf.

Für die Iahlnng der Enlschädigung sind als Sclbstschnldncr mitverhaftet der
Bater des Lehrlings sowie derjenige Arbeitgebcr, welcher den Lehrling zum Berlassen
der Lehrc verlcikel odcr welcher ihn in Arbeit genommen hat, obwohl er lvusite, dasi
dcr Lehcling znr Foiisevnng eines Lehrverhaltnisses noch verpflichtet war. Hat der
Entschädigniigsberechligte erst nach Anflösnng des Lehrverhältnisses vo» der Person
des Arbeitgebers, ioelcl>cr den Lehrling vcrlestet oder in Arbcit gcnommen hat, Kennt-
nis crhalten, so erlischi gege» diese der Entschädigiingsanspriich erst, wenn dersclbe
nicht innerhalb vicr Wochen nach erhaltener lstenntnis geltend gemacht ist.

2. Der Besnch der Gelverbeschule.

Ortsstatut vom 14. Juiii 1886.

Anf Griiiid der 88 120, Absal; 2 nnd 142 der Gewerbc-Ordnnng und iin Hin-
blick anf 88 134 nud 1«>I der bad. BoUzngsverordnnng znr Gewerbc-Ordnung, sowie
nach Ansicht des 8 7g der Städte-Ordnnng Ivird fcstgesetzt:

8 1. Dic Arbeiler jeder Art - GeseUen, Gehilfen, Lehrlinge , welche aus der
Bolksschiile emlasseii nnd in Gewcrbehetricben der in §2 gedachten Art beschästigt sind,
sind biy znr Errcichniig des 18. Lebensjahrcs verpflichtet, dic Gewerbeschnle zu be-
silchen, sofern sie nichl schon vorher die vocgcschriebencn drei Jahresklassen ordnungs-
"läsiig dilrchlanfeii nnd ci» Abgangszeugnis erhalten haben. Absolviert ein Schüler
die drei Jahresklassen schon vor E'rreichung des 18. LebensjahreS, sa hat er aber wäh-
rend der Nestzeit noch den Zeichen-, resp. Modellier-Unterricht zu besuchen.

8 2. Die Borschrift des 8 1 stndet auf alle Arbeiter Aliwendiiug, wetche in den
Betrieben folgender Oiewerbcnnteriiehiiier beschäftigt sind:

Baiitechiiiker,

Bildhaner,

Bnchbinder,

Drechsler,

Flaschner,

Glaser,

Goldarbeiter,

Graveure,

tstürtler,
«tzypscr,

Hastier,

In'tallateurc,

.stüfcr,

Knpfcrschiniede,

Lithographen,

Maler,
Maschiiienbauer,
Maurer,
Mechaniker,
Ofensetzer,
Schlosser,
Schmiede,

Schrciner

Skeinhauer,

Tapezierer,

Tüncher,

Vergolder,

Wagner und

Zimmerleute.
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