Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1897 — Heidelberg, 1897

Seite: 389
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lichen Dieilsteii ciemietel werde». Bei dcm Kedinqe monatlicher Zahlung gilt dcr Ver-
trag auf dic Dauer eines Monats gefchlossein

8 4. Der Vertrag, welchcr dei den anf ein Iahr gemietelen Dienstboten nicht scchs
Wochen, bci den a»f ein Vicrteli'ahr genüereten nicht vierWochcn oder bei monatsweife
gemieieten Dikilstboren nichi 14 Tage vor Ablanf der Dienstzeii gekiindigt wird, ist als
fiir die geserzlich nnterstcllte Taner der DienNzeit stillschweigend ernenert anznsehen.

t: ä. Die Vorschrme» der tss; 8 nnd 4 finden keine Äiiwendnng, wenn abweichende
Beftimmnngen dunch Drtsgebranrii*! Iiergebracht sind nnd dessen Bestehen dnrch einen
Keschins; des INemeinderais festgcstellt niid öffenllich bekannt gemacht wnrde.

8 <>. Dienstboicn liabcn sich allen, ibren .skräslen nnd dem Inhalte des Dienst-
verirages entsprecheiiden Vcrriclniiiigeii nach Aiiordniing der Dienstherrfchast zn unter-
ziehen nnd sich dcr Drdnnng des .vaiises zn iinierwcrfen. Die Dienstboten sind nicht
berechtigi, sich in den ihiien ansgeiragenen Verrichtnngen vertreten zn lassen. Sie
milssen, sclbst wcii» sie n»r zn gewisseii Diensten aiigcnommen sind, nötigenfalls und
voriibergehend anch anderweiie, ihren Verhältnissen nieht linangemessene Verrichtungen
nach Aiiordimng der Diensthcrrschafi iibernehmen. Iiir Schaden, welchcn der Dienst-
bote der .verrschasi ziisiigl, hal er nacl, Maftgabc der allgemeincn landrechtlichen Be-
stimmnngeii iiber Schadenersahpsticht (5rsah zn leisten.

8 7. Die Dienstherrschast ist verpstichtet znr Leistnng dcs 5tohnes nnd Unterhalts
des Dienstboten in >rost und Wohimng, wie solche fiirDicnstboten der gleichen Art üb-
lich sind. Die Aiisbezahlimg des 5.whnes erfolgt am (5'iide der Dienstzeit. Wird nach
Ablauf der Dieiistzcii der Verirag fortgeseftt, so darf die Iahlnng der Hälfte des ver-
fallcnen 5.wh„es iim vicr Wochen verschoben werden. Das anf die Daucr eines Jahres
geiiiieteie Ülesinde kann vertangen, daft ihm nach 4 Monaten der Tienstzeit ein Viertel,
uach 8 Monaten cin weilercs Viertel des Iahreslohnes ausbczahlr werde.

8 8. Wird ein Dienftboie ohne eigenes grobes Vcrschnlden krank, so hat die Dienst-
herrschast ihn achi Tagc lang zn vcrpflegen und die 5losten fiir den Arzt und die Arz-
neien zu iibkrnehmen. Sie ist indessen berechkigt, den Kranken in öffentlichen Kranken-
anstalten unterzubringen.

Die Bclpftichtuii., der Herrschait z»r Berpfk'gii»>i der Dieustboten sällt weg, iven» der Dienstbote
gegen Krantheir ,bei der Geiiieindekniiikeiiveriicheriing vder fonst in einer drn Anforderungen des Reichs-
kmiikenkasieiigesetzes enlsvrecheiide» Weise) versichert isl.

8 9. Stirbt ein Dienstbotc, so köimen scine (5rben den Lohn nnr für die Zeit bis
zum (5'intritte dcr (srkrankimg sordern. Die Begräbniskosten fallen dem Dienstherrn
nicht zur Last.

8 10. Die Dicnftherrschast ist bercchtigt, das Gesinde ohne Aufkündigung sofort
zn entlassen:

Wegen völliger Ilnfälngkeit zn den iibernomineiien Dienstleistuligen, sowie wegen
Bcrhinderimg an deren Bcsorgung, insoferne solches durch eigenes Verschulden des
Dienstboten vcranlaftt wnrde, oder bci zufältiger Entstehung uber 14 Tage andauerte,
wegen llnirene, hartnäckigcn tlngehorsams, wegen Unsittlichkeit, überhaupt wcgcn
solcher Handliiiigen, welche nach ihrem Wesen mit dem für das Dienstbotenverhältnis
erforderlichen Vertranen odcr mit der hänslichen Ordnung imvereinbarlich sind.

Die bei einer seitens deä Dieiiftboteii »llversch» Ideten Anflosmig des Gesindeoerhältnisses
destehende Ver,'flicht»»g ,»r zortzablung deS Loh»e-Z oilf die Daiier von I I Tngen fällt bei Aiiflösung
dnrch Erkrankung dami weg, iven» der Dienstbote a»s Griind einer Kmnkenversicherung Aufnahme
in ein KrankenhanS gcsiinben hat.

8 11. Das Gesinde ist befilgt, den Dienst ohnc Aiifkündigrmg sofort zu verlassen:

Wenn dcr Dienstbote durch schwere Erkrankung znr Fortsetzimg des Dienstes un-
vermögend ist, wenn die Dieiistherrschaft in Gant gerät, wenn sie den Wohnort
bleibend verändert odcr den Dienstboten nötigen will, längere Reisen in entfernte
Gegenden mitzumachen;

wenn sic den Dienstboten mifthandelt, ihm Unsittliches ansinnt oder ihn vor sol-
chen Zumutnngen Anderer, dic zur Familic gehören oder im Hause regelmäßigen
Zutrilt haben, nicht schiitzen konntc oder wollte;

wcnn sie dem Dienstboten den Lobn iiber die Verfallzeit vorenthält odcr ihm den
nötigen Untcrhalt verweigerl, sowie übcrhaupt wegen solcher Handlnngen der Dienst-
herrschaft, welche, wie die angeführten, wit den vom Gesinde gegenüber der Herrschast
nach dem Dienstbotcnvcrhältnissc znstehcnden Aiifordcrimgen unvereinbarlich sind.

*) Vergl. Seite 8gg und SSl.
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