Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1897 — Heidelberg, 1897

Seite: 404
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mit Ausimhme der i» Grusien bcizuschcndeu isiehc 8 32) uur Särgc mis iveichem
Holze, melche iuiieu sorgfsiltig vcrpicht sciu miissen, verwcndet werdcn.

Bezüglich der nach auswärts zu verbriiigeiiden lleichen findcii dic bcsondercii gc-
setzlichen Bestimillttiigei! Anwendiiiig.

Die Särgc, dcren iiincre Ausstattuiig iind das Beschläg dcrsclbcii iiiiissen iiiimer
aus dem städtischen Sargmagaziii ctttnoiuinen werdeu.

tz 10. Die Leichcn sämtlichcr hicr vcrstorbcncr Pcisoncn sind, soscrn sie niclit ziim
Transport uach answärts bcstimmt sind, alsbald nach Boriiahiiic der erslen Lcichen-
schau, spätestcnS abcr vor Ablaus von 24 Stiindeii nacli (5intritt des Todcs iu das
Leichenhaus zu verbrinaen.

Die Ueberführullg oer Lcichen in das srädtische Leichcnhaus dars, ganz dringcnde
Fälle ailsgcnoinmcn, n»r iu dcn sriihen Morgen- und späten Abcndstuildcn nnd nnr
auf dem kürzesteii Wcge stattfindcn.

Vou auswärts hicrhcracbrachtc Lcichcn sind dirckl in das städtiscbc LeiMenhans
zu verbringen.

Für dic Leichenhallc dcs akadeinlschen j>lrankeiiha»ses gclten dic besonderen vcr-
einbarteil Bcstimmiliigen.

si 11. Die llcbcrsrlhrniig eincr Lcichc in das Leiclienhans gcschicht durch dcn
Leichenwagcn der bctrcssendcn >tiassc.

Die Aufsicht uud Begleitung iibcrnehincn bei Orwachjcnen 4, bei Kindcrn von
6—15 Jahren 2 Leichenträger. Lcichen von Kiiideril iinkcr 6 Fahre» werden unr
von eincm Leichenwärter bezw. ciner Leichcnwärtcrin bcgleitet. Lcichcn von Kindern
unter 1 Jahr konneii anch, sofern nicht cinc anstcckendc .'llrallkhcit dcn Tod hcrbei-
geführt hat, vom Leichenwärlcrpcrsonal !» das Lcichenliaiis gctragen wcrdcn. Ans
nahmsweise kann von den Angehörigeii die Bcgleitnng dcs Lcichenordiiers gegen
O'nrrichturig der hicfiir vorgcsehciicn (3cbühr verlangt werden.

ds 12. Wührend dcr Uebcrstthrung dars dcr Sargdcckcl iiur losc ausliegen.

13. Dic Aiisnahme dcr Leiche in das Lcichenhaus geschieht aus Borzcigcn
und Abgabc des Erlattbiiisschciues an drn Leichcnhailsaufschcr.

Die Obsorge für die Leichc in dcm Lcichenhans ist für Allc ohnc jegliche Aus
nahme gleich und licgt ansschliestlich dcm Leichclihaiisaufseher ob.

tz 14. Für jede Leiche ist einc Zclle — ssiv tiu ansteckeuden Krankheiten
Gestorbeiicn die im östlichcn Teil gelcgenen bestimml. Icdc Zelle must mit
einer ausreichenden Bcutilatioiisvorrichtuiig verschcn scin. Eine etwa erforderliche
Desiiifektion wird der Lcichenhalisausseher uach Aiiweisung deS (strosth. Bczirksarztcs
vornehmen.

In jeder Zellc mnst einc Leitung zu dem im Wächterzimmer befindlichen
elektrischen Läutewcrk angebracht sein, dercn Endcil so an dcr Hand der Leiche zn
befestigen sind, dast bei der gcringstcn Beränderiing der Lage das Läntewcrk in Be
weguug gesetzl wird.

Der Sarg bleibt bis cinc Stunde vor der Beerdigling osfcn, vorausgesetzt, dast
nicht eine ansteckcnde Krankheit die Todcsursache wär oder starke Spurcn cintrc-
tender Zcrsetzung sich zeigen, in welchen Fällcn der Sarg sofort nach der zwciteu
Leichknschan gcschlossen werden must.

15. Den Angehörigen der Berstorbcncil ist der Zutritt zu den Zcllcn wäh-
rend des Tages gestattet, mit Ausnahmc der am Schlust des vorhei^ehcndcn Para-
graphen genannten Fälle, wo der Zutritt erst nach Schlust des -sargcs erlanbi
werden känn.

Andere Personcn haben kcincn Zutritt, ebcnso wenig darf der Leichnam der
össentlichen Bestchtigung ausgesetzt werden.

8 16. Dcn Angehörigen ist cs gestattct, die Zellc nnd den Sarg mit Blumcn
zu schmücken.

8 17. Alle Becrdiguiigeii mnsseu, dringeiide Fälle allSgeiiominen, morgeilö vor
10 Uhr, nachmittags im Wintcr nach 3 tthr, im Sommcr nach 5 Uhr stattsinden.

8 18. Die Leichenbegleituna versammelt stch in dcr Halle des Leichcnhauscs,
wo bei geöffncter Thür der bctreffenden Zelle die kirchlichen Feierlichkeiten und An-
sprachen gehalten werden.

Von da wird der Sarg durch die Leichenträger zum Grab gebracht. Aus-
nahmsweise kann dies mit Genehmigung der Frieohoss-Kommission durch andere
Personen geschehen, jedoch okne daß deswegen von dem bezüglichen klassenmästigen
Kostenbetrag ein Abzug eintritt.
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