Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1899 — Heidelberg, 1899

Seite: 408
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dauern. Die Nuhezeit ist von zivölf Uhr nachtS zu rechnen und muß bei zwei aufein-
ander folgenden Sonn- und Festtagen bis sechs Uhr abends des zweiten Tages dauern.

Jn Betrieben mit regelmäßigcr Tag- und Nachtschicht kann die Ruhezeit srühestenS
um sechs Uhr abends ded vorhergehenden Werktages, spätestens um sechs Uhr morgens
des Sonn- und Festtages beginnen, wenn für die auf den Beginu der Ruhczeit fol-
geuden vierundzwanzig Stunden dcr Betrieb ruht.

Hierzu bcmerken wir solgendes:

1. Das in 8 105 b Abs. 1 entbaltene Verbot der Sonntagsarbeit gilt nicht für
die Land- und Forstwirtschaft, den Gartenbau, den Weinbau, die Viehzücht, den Gc-
säiäslsbetrieb der Avotheker, die Ausübung der Heilkunde und dcr ichöuen Uünste und
die in 8 0 Abs. 1, Satz 1 der Gewerbeordnung bczeichneteu Gewerbe.

Ferner sind krafl besonderer Vorichrist von dem Verbot dcr Sonntagsarbeit aus-
genommen Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe, Musikaussührungen, Cchaustcllungen,
theatralische Vorstellungen und sonstige Lustbarkeiteu, sowie die Verkehrsgcwerbe
8 1051.

2. Jn denjenigcn Handclsgewerben, in welchen beim Ladenverkauf an den
Waren Acnderungtz- oder Znrichtungsarbeiten vorgenommen wcrden tGcwcrbc der
Fleischer, Hutmacher, Blumcnhändler, Uhrmacher und dergl.), ist die Bcichästigung
mit diesen Arbeiten als Beschäftigung im Handelsgewerbe zu bctrachten und dcshalv
an Sonn- nnd Festtagen währeud der für das betreffende Handelsgcwerbe sreigege-
bcnen Zcit gestattet.

3. Verboten ist an Sonn- und Festtageu jede Art dcr Beschäftigimg von Arbei-
tern „im Betriebe" der unter 8 105 k Abs. 1 sallenden Gewerbe, also im Äetricbe von
Bergwerken, Salinen, Aufbercitnngsanstalten, Brüchen und Gruben, von Hütten-
werken, Fabriken und Werkstätten, von Zimmerplätzen und Bauhöfen, von Werften
nnd Ziegeleien.

Durch die Worte „im Betriebe" ist zrnn Ausdruck gebracht, daß das Verbot nicht
nur ränmlich fiir die Betricbsstätte, in welcher sich der belreffende Gewcrbcbetrieb
regelmäßig abzuwickeln Pflegt, sondern fnr jede zu dem Gcwcrbebetricb gehörige Thä-
tigkeit gelten soll. So dürfen z. B. Monteure, Schlosser-, Glaser-, Maler-, Tapczicr-,
Barbiergehilsen während der Sonntagsruhe auch außerhalb der BetriebSstätte nicht
bcschäftigt werden, soweit nicht etwa die betreffenden Arbeiten gemäß den Vorschristcn
der 88 105 e. bis t statthast sind.

4. Das Verbot der Sonntagsarbeit gilt auch für „Bauten aller Art", d. h. snr
Hoch-, Tief-, Wege-, Gisenbahn- und Wasserbanten, sowie für Erdarbeiten, sofcrn
dicse nicht Ausfluß des land- oder forstwirtschaftlichen Bclriebes, des Weinbaues
oder GartenbaucS sind, ferner nicht nur fiir Neubauten, sondcrn auch sür Aus-
besserunqs- und Instandhaltungsarbeiten, z. B. auch fiir das Schoriistcinfegergcwerbc.

5. Das Verbot der Sonntagsarbeit gilt für gewerbliche Arbeiter im weitciteri
Sinne, also nicht nur für Gescllen, Gehilfen, Lehrlinge, Fabrikarbeiter und andcre
im Betriebe beschäftigte Handarbeiter, sondern auch für Werkmcister, Betriebsbeanitc
und Techniker.

6. Die den Arbeitern zu gewährende Ruhe soll mindestens dauern:
für einzelne Sonn- uno Festtage 24 Stunden,

für zwei aufcinander folgende Sorin- nnd Fefttage 36 Stunden,
für das Wcihnachts-, Lster- und Pfingstfest 48 Stunden.

Diese Ruhezeiten müssen auch in solchen Betrieben, die an Werktagen umuiter-
brochcn mit rcgelmäßigcr Tag- und Nachtschicht arbeiten, gewährt werden, soweit
nicht etwa für diese Betricbe gemäs; 8 105 c bis e Ausnahmen von dem Verbot der
«onntagsarbeit Platz greifen. Während abcr in Betrieben, die nur bei Tage oder in
unregelmäßigen Lchichten zu arbeiten pflegeu, die Nuhezeit stets von 12 Uhr nachts
an gerechnct werden soll, kann in Betrieben mit rcgelmäßiger Tag- nnd Nachtschicht
die Nuhezeit schon frühestens um 6 Uhr abends des vorhergehendcn Werktags und
spätestens crst um 6 Uhr morgens des Sonn- und Festtags'beginnen, wenn fiir die
auf den Beginn der Ruhezeit folgenden 24 Stunden der Betrieb ruht.

Für alle Fälle gilt die Vorschrift, daß die Nuhezeit an zwei aufeinander folgen-
den Sonn- und Fefttagen stets bis 6 Uhr abends des zweiten Tages dauern muß.
Deinnach beträgt die Ruhezeit in Betrieben, die keine regelmäßigen Taa- und Nacht-
schichten haben, nicht nur 36, sondern mindestens 42 Stunden (von der Mitteruachts-
stunde vor dem erstsn Tag bis 6 Uhr abends deS zweiten Tags).
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