Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1899 — Heidelberg, 1899

Seite: 411
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Am Sonntag Lätare darf ivegen des Sommertagsfestes cine Beschäftigung der
Arbeiter bis 12 Uhr mittags stattfinden.

Jnder hiesigen Stadt wird Ueberarbeit im Betriebe von Bäckereien und Kon-
ditoreien allgemein gestattet:

Am Samstag vor dem sogenannten Sommertag (Lätare)
am Samstag vor Ostern, am Samstag vor Psingsten,

am 24. Dezember und am Sylvestertag.

Die übrigen Tage, an welchen Ueberarbeit zugelassen werdcn darf, werden je-
weils auf Antrag der Beteiligtcn durch besouderc Derfügung bestimmt werden.

Auch an diesen Tagen mil Ausnahme des Tages vor dem Weihnachts-, Oster- und
Pfingstfeste, muk zwischen den Arbeitsschichten derGehilfencine ununterbrochene Ruhe
von mindestens 8 Stunden, den Lehrliugen eine solche von mi.rdestens 10 Stunden im
ersten Lchrjahre, mindestens 9 Stuuden im zweiten Lehrjahre gewährt werden.

2. Jm Konditoreigewerbe ist die Beschäftigung von Arbeitern an allen
Sonn- und Fcsttagen von 4 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags gestattct.

Während der denArbcitern bieniach zu gewährendenNühezeit von 12Uhr mittags
an dürfen dieselben jedoch mit der Herstellung und nüt dem Austragen leicht verderb-
licher Waren, die unmittelbar vor dem Kenus; hergestellt werden müssenlEis,Crcmcs
und dergl,), bcschäftigt werden, müssen abcr in diesem Falle an einem der uächsten 6
Werktagc von mitlags 12 Uhr ab von jeder Arbcit freigelassen werden.

Außerdem ist jedem Arbeiter mindeslens an jedem dritten Sonntage die zum Be-
suche des Gottesdienstes crfordcrliche Zeit frei zu geben.

Bemerkiiiig. Zu 1 und 2 wird Folgeiides'bemerkt:

Für Betriebe, in dcnen sowohl Bäckerwaren, als Kondirorwaren hergestellt wer-
den, ist die Beschäftigung solcher Arbeiter, die an Sonn- und Festtagen ausschließ-
lich uüt der Herstellung von Konditoreiwaren bcschäfligt werden, nach den Bestim-
uiungen für Konditoreien, die Beschäflignng der übrigen Arbeiter nach den Bcstim-
inungcn für Bäckcreicn zu regcln.

Als Bäckcrwaren ist dasjcnige Backwerk zu behandcln, welches herkömmlich unter
Derweudung vo» Hefe oder Sauerteig hergestcllt wird.

3. Jm Fleischergewe r be ist die Beschäftigiing von Arbeitern an allen Sonn-
und Festtageu,

und zwar iu der Zeit vom 1. April bis 30. Septembcr von '/--5 Uhr bis 9
Uhr vormittags, in der Zeit vom 1. Oktober bis 31. März von Hs6 Uhr bis
9 Uhr vormiltagS

gestattet.

Wenn die Soiintagsarbeiten länger als drei Stunden dauern, so sind die Arbeiter
entwedcr au jedem zwciteu Sonntag von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends oder an
jcdem drittcn Sonntag für volle 36 Stuiidcn von jeder Arbeit freizulassen.

4. Jm Barbier- und Friseurgewerbe ist die Beschäfligung von Arbeitern
an alleu Sonn- und Festtagen bis 2 Uhr nachmittags, darübcr hinaus nur insoweit
gestattet, als sie bei der Borbereitung von öffentlichen Theatervorstellungen und
Schaustellungen sowie während der Zeit von Weihnachien bis Ende Februar zur Lor-
bereitung von Bällen und Gesellschaften erforderlich ist.

Wenn die Sonutagsarbeiten länger als drci Stundcn dauern, so sind die Arbeiter
entwedcr an jedem dritten Sonntag für volle 36 Stunden oder an jedem zweiten
Sonntag mindestens in der Zcit von 6 Uhr morgcns bis 6 Uhr abends oder in jeder
Woche während der zweiten Hälste ciues Arbcitslages und zwar spütcstens vou 1 Uhr
nachmittags ab von jedcr Arbeit frciz.,tasscn.

Außerdcm ist den Arbcitern au jedem dritten Sonutagc die zum Besuche des
Gottesdienstes erforderliche Zeit zu gewähren.

5. Jn Blumeiibindereieu ist dic Beschäftigung von Arbeitern nüt dem Bin-
den von Blumen, Winden von Kränzen und dergl. während der für den Verkauf von
Blumen in offenen Vcrkaufsstelleu frcigegebenen Stunden gestattet, d. i. an den Sonn-
und Festtaaen (mit Ausnahme des ersten Oster-, Psingst- und Weihnachtsfeierlags)
unbeschränkt mit Ausnahme der Stnnden des vormittägigen Hauptgottesdienstes, am
ersten Oster-, Pfingst- nnd Weihnachtsfeiertage von 6 bis 9 Uhr vormittags.

Am Sonntag vor Allerheiligen ist dic Beschästigung von Arbeitern auch währcnd
oer Stunden des vormittäqigen Hauptgottesdienstcs gestattet.

Wenn die Arbeiten langer als drei Stunden dauern, so sind die Arbeiter ent-
weder an jedem drittcn Sonntag für volle 36 Stunden oder an jedem zweilen Sonn-
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