Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1899 — Heidelberg, 1899

Seite: 416
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einc Woche, den Bctraq deS ortsübUchen Tagelohncs (K 8 des Krankenverstcherungs-
gesehes vom 15. Ium 1888, Neichö-Äcsetzbl. S. 78) fordern. Diese Forderung ist
an den Nachweis eines Schadens nicht gcbnnden. Dnrch ihre Äcltendimchung
wird der Ansprnch anf Erfiillung dcö Vertragcs und anf weiteren Schndenersatz
auögcschlosscn. Dasselbc tllecht steht dcm Aesellen oder Gehilfcn gegcn den Arbeit-
geber zu, wenn cr von diesem vor rechtmäsnger Becndigung des Arbcitsverhcilt-
nisseS cntlasscn wordcn ist.

8 125. Ein Arbcitgeber, wclcher cinen Gesellen oder Gehilsen verleitet, vor
rcchtmäßiaer Beendigung dcs Arbeitsverhältnisscs die Arbeit zu verlassen. ist dcm
fruhcren Arbcitgcbcr fttr dcn entstandencn Schaden oder den nach 8 124 b an die
Stellc des Schadencrsatzes tretcndcn Bctrag als Selbstschuldncr mitvcrhaftet. Jn
gleichcr Weise haftct ein Arbeitgeber, wclcher cinen Gesellen oder cincn Gchilfcn an-
nimmt, von dcm er wciß, daß derselbc cmem anderen Arbcitgcber zur Arbeit noch
verpflichtct ist.

In dcm im vorstehcnden Absatzc bezcichneten Umfang ist auch derjenigc Ar-
beitgcbcr mitverhaftct, welcher einen Gesellen odcr Gehilfen, von dem er weiß, daß
dersclbe einem anderen Arbeitgcber zur Arbcit noch vcrpflichtet ist, während der
Dauer dieser Berpflichtung in der Beschäftigung behält, sofern nicht seit der un-
rechtmäßigcn Lösung deö Arbcitüverhältnisscs bereitS vicrzehn Lage vcrstossen sind.

e) LehrlingSverhältnisse.

8 126. Der Lehrherr ist vcrpflichtet, deu Lchrling in den bci scincm Betriebc vor-
kommcudcn Arbciten dcs GcwerbeS in der dnrch dcn Zweck der Ansbildung gebolencn
Aeihensolge nnd Ausdchuung zu unrerweiscn. Gr muß cntweder selbst odcr durch
eineu geeigncten, anüdrttcklich dazn bestimmtcn Bcrtrcler die Ausbildnng des Lchr-
lings leiten. Er darf dcm Lehrling dic zu seiner Ausbildnng nnd zmn Besuche dcs
GotteSdienstcS an Sonn- nnd F-cstlagcn ersorderliche Zcit nnd Gclegenhcit dnrch Vcr-
wcndung zu anderen Dicnstleislungeu nicht cntziehc». Gr hat dcn Lehrting zur Arbeit-
samkeit und zn gnten Siiten anzuhaltcu und vor AiiSschweifungcn zu bcwahrcn.

8 127. Der Lehrling ist dcr väterlichen Zucht dcs Lehrherrn nnterworsc». Dcm-
jenigen gegenttbcr, welcher an Stellc des Lchrherru scine Ausbildung zu lciteu hat, ist
er zur Folgsamkeit vcrpflichtct.

8 128. DaS LehrverhaltniS kann, weun cine längere Frist nicht vereinbart isl,
währcnd der erstcn vicr Wochen nach Beginn dcr Lehrzcit durch cinscitigcn Ancklritt
aufgclost werdcu. Gine Bercinbarnng, wonach dicse Probezcit mehr als drci Monale
betragen soll, ist nichtig.

Aach Ablauf der Prcbczcit kann dcr Lehrling vor Beendignng dcr vcrabredctcn
Lchrzeit entlasscu werden, wcnn cincr dcr im 8 128 vorgesehenen Fälle auf ihu An-
wtndnng fiiidct.

Bon seiten dcs Lehrlings kann das Lchrverhältnis nach Ablauf dcr Probczeit
anfgelöst wcrden:

1. Weml cincr der in 8 124 nnter Ar. 1, 8 bis 5 vorgeseheiieri Fällc vorliegt;

2. wenn der Lehrherr scinen gcsetzlichett Lervflichtungen gegcn dcn Lehrling in
cincr die Gesnndheit, die Sittlichkeit oder die Auübildung dcs Lchrlingö pc-
fährdende» Wcise vernachlässigt, odcr daS Necht dcr väterlichen Zucht nnß-
bräucht, odcr znr Grsrillung der ihm veriragöinäßig obliegenden Berpflich-
tuilgen nnsähig wird.

Der Lehrvertrag wird durch den Tod des LehrlingS aufgehoben. Durch dcn
Tod dcs Lehrherrn gilt dcr Lchrvertrag als aufgehobcn, sofern die Allfhebung inner-
halb vier Wochen geltcnd gemacht wird.

8 129. Bci Becndigung deS LchrverhältnisfeS hat der Lehrherr dem Lehrting
unter Angabe des Gewerbes, in wclchcm dcr Lehrling unterwiescu lvordcu ist. ttber
die Dauer der Lebrzeit und die während dersclben erworbeneu Kenntnisse und Fer-
tigkeiten, sowie iiber sein Bctragen ciu Zeugnis auszustclleli, wclches vou der Ge-
meindebehörde kosten- und stcmpelsret zu beglanbigen ist.

Au Stellc dieser Zeugnisse können, wo Innuugeii oder andcre Bertrctmigen
der Gcwcrbetrcibenden bestehen, dic von diesen ausgestcUtcn Lchrbricfe treten.

8 180. Verläßt der Lehrling in einem durch dies Gesetz nicht vorgcsehenen Falle
ohne Zustimmllilg dcs Lehrherrn die Lchre, so kann letzterer den Anspruch auf Nttckkehr
des LehrlingS nur geltend machen, wenn der Lehrvertrag schriftlich geschlossen ist. Die
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