Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1899 — Heidelberg, 1899

Seite: 417
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Polizeibehörde kcnm in diesem Falle auf Antrag ded Lchrherrn den Lchrliug anhalten,
so lanae in dcr Lehre zu verbleiben, als dnrch gerichtliches Urteil das Lchrverhältnis
nicht für aufgclöst erklärt ist. Der Antrag ist nur zulässig, wenn er binnen einer Woche
nach dein Audtritte des Lehrlingd acstellt ist. Jm Falle der Wcigerung kann die Poli-
zeibchörde den Lehrling zwangswcisc znrüekführen lasscn, oder durch Androhnng von
Äeldstrafe bis zn 50 Mark oder Haft bis zn siinf Tage i znr Rückkchr ihn anhalten.

8 101. Wird von dcm Vater odcr Vorinund sür den Lchrling, oder, sofern der
Icbtere groszjährig ist, von ihm sclbst dcm Lehrherrn dic schriftlichc Erkiäriittg abge-
gcbcn, daß dcr Lchrling zu eiiiem anderen (stewerbe odcr andercn Bernfe übergehen
werde, so gilt da« Lchrverhältnis, wcnn der Lehrling nicht früher eiitlasscn wird, nach
Ablauf von vier Wochen als anfgelöst. Den Grund der Anflösung hat dcr Lehrherr
ln dem Arbeitsbuchc zn vcrincrken.

Binnen nenn Monaten nach dcr Anflösnng darf dcr Lehrling in demsclbcii Ge-
wcrbc von eincm andercn Arbcitgcbcr ohne Zustiiniiinng des srüheren Lehrherrn nicht
bcschäftigt wcrdcn.

ß 102. Erreicht daS LehrverhältiliS vor Ablauf der verabredcten Lehrzcit sein
Ende, so kann von dcm Lehrherrn oder von dem Lehrling ein Ansprnch auf Eittschädi-
guiig nur geltcnd gemacht wcrden, wcnn der Lchrvertrag schriftlich gcschlossen ist. Jn
den Fällcn dcS ß 128 Absatz 1 nnd 4 kann dcr Ansprnch nur geltend gemacht werden,
wenn drcses in dcm Lehrvertrag nnter Festsetznng dcr Art und Höhe der Eittschadigung
vcreinbart ist.

Der Ansprnch anf Eiitschädigung crlischt, wenn er nicht innerhalb 4 Wochen nach
Auflösnna des Lchrverhältnisses iin Wegc dcr Klage oder Einrcde geltend gemacht ist.

8 160. Jst von dcm Lehrherrn das Lchrverhältnis anfgclöst wordcn, weil der
Lchrling die Lchrc unbefugt verlassen hat, so ist die von dcm Lehrherrn bcanspruchte
Eittschädiaung, wcnn in dem Lehrvertrage cin anderes nicht attsbcdnngcil ist, auf eilicii
Bctrag festzusetzen, welcher sür jedcn anf den Tag des Vertragsbrnches folgendcn Tag
dcr Lcbrzeit, höchstcns aber für sechs Monatc, bis auf die Hälftc dcs in dem Ge-
wcrbe oes Lchrhcrrn den Gcsellen oder Gehilfcn ortsüblich gezahlten Lohnes sich bc-
laufen darf.

Für die Zahlnng dcr Eittschädignng sind als Selbstschilldncr initverhaftet der
Vatcr dcS Lehrlings sowic derjenige Arbcitgcber, welchcr dcn Lehrling znni Verlasfen
der Lekre vcrleitct odcr wclchcr ihn in Arbeit gciiomnien hat, obwohl er wnßte, daß
der Leyrling znr Fortsetzung eincs Lehrverhältnisscs noch verpflichtet war. Hat der
Eiitschädignngsbcrechtigte erst nach Anslösling deü Lchrverhältnisses von der Verson
des ArbeitgeberS, welcher den Lehrling vcrleitet oder in Arbeit geiiomincn hat, jücnnt-
nis erhalten, so erlischt gcgen diese der Entschädiglmgsanspruch erst, wenn derselbe
nicht innerhalb vier Wochcn nach crhaltener KenntniS geltend gemacht ist.

2. Dcr Besuch dcr Gcwerbcschule.

Orisstatut vom 14. Juni 1886.

Anf Grnnd dcr 88 420, Absatz 2 und 142 der Gewerbe-Ordnnng nnd im Hin-
blick auf 88 184 nnd 161 dcr bad. Vollzugsverordnung znr Gewcrbe-Ordimng, sowic
nach Ansicht deS 8 dcr Städte-Ordiinng wird fcstgesctzt:

8 1. Die Arbeiter jeder Art - GeseUen, GehUfen, Lehrlinge —, wclche aus der
Volksschnle enllassen und >n Gewerbcbetricbcn der iii ß^ gcdachte» Art beschäftigt sind,
sind bis znr Errcichnng des 18. Lebcnöjahreö vervsuchtct, die Gewerbeschule zu be-
sncheii, sofern sie nicht schon vorher die vorg-'schuebenen drei JahrcSklassen ordrmngs-
mäßig durchlaufen nnd ein Abgangszeugnis erhaltcn haben. Nbsolviert ein Schülcr
die drei Jahrcsklassen schon vor Errcichung des 18. LebenöjahrcS, so hat er aber wäh-
rcnd der Nestzeit noch den Zeichen-, resp. Modellier-Unterricht zn besuchen.

8 2. Dic Vorschrift des 8 4 sindet auf alle Arbeiter Auwendung, wclche in dcn
Betricben folgendcr Gewerbcnnternchmer beschäftig» sind:

Bautcchiiiker, Gürtler, Malcr, Schreiner,

'auer, Steinhauer,

Graveure,

Tapeziercr,
Tüncher,
Vergolder,
Wagner und

Zimmerleute.

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