Adreßbuch der Stadt Heidelberg nebst den Stadtteilen Neuenheim und Schlierbach für das Jahr 1899 — Heidelberg, 1899

Seite: 419
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Be« dkm Gedintte monatlicher Zahlrnig gilt dcr Bcrtrag auf die Dauer ciiics Mo-
natS geschlosscn.

8 4. Der Vertrag, welcher bei den a»s ein Jahr gciiiieteten Dienstboien nichl sechs
Woche», bei den anf ein Bierteljahr gcmietelen nicbt vier Wochen oder bei monalsiveise
gemicteten Dienstboten nicht l l Tage vor Ablanf der Dienstzeit geknndigt ivird, isl als
siir die geselzlieti unterstellte Daner der Dienstzcit stillschweigend ernenert anzusehen.

8 ü. Die Vorsclrristen der 88 6 n»d 4 finden keine Ainveiidung, soweit eine von
dem Gemeinderat (Dladlrat) mil ejttstimninng des Bnrgeransschnsses lOleineindcver-
sammlnng) beschlossene statntarische Bestiiiimnng, welche der Genehniignng des Mini-
steriunis des Innern bedarf, abweichende Borschriften g!bt.

§ tt. Dienstboten haben sich allen, ibren Kräfieii nnd dem Inhalte dcs Dienst-
vertrageS entsprechenden Verrichtnngcn nach Aiiordnnng der Dienstherrschaft zn nnter-
ziehen iind sich der Ordnung des Danses zu nnterwcrfen. Die Dienstbote» sind nicht
berechtigl, sich in den ilmen anfgetragenen Lerrichtnngen vertreten zn lassen. Sie
»insseii, selbst wenn sie n»r zn gewissen Diensten angenoininen sind, nöliaensalts nnd
vorübergehend anch anderweite, ihren Berhältnissen nicht nnangemesscne Verrichtnngen
nach Anordiinng der Diensthcrrschaft iiberilehinen. Fnr Schaden, welchen der Dienst-
bote der Hcrrschaft zufügt, hat er nach Vtastgabe der allgemeinen Bestiiniiiniigen übcr
Schadenersatzpflicht Grsatz zu leisten.

8 7. Die Dienstherrschast ist verpflichtet znr Leistnng des Lohnes »nd UnterhaltS
des Dienstboten in Kost iind Wohiinng, wie solche sür Dienstboten der gleichen Art üb-
lich sind. Die Ansbezahlnnft des Lohncs ersolgt am Ende der Dienstzeit. Wird nach
Slblanf der Dienstzeit der Bertrag fortgesetzt, so darf die Zalilnng der Hälfte des ver-
sallenen ^ohnes n»i vier Wochen verschoben werden. Das anf die Daner eines Jahres
gemietete Gesinde kann verlangen, dast ihm nach 4 Monaten der Dienstzeit ein Biertel,
nach 8 Monalen ein weiteres Biertel des Jahreslohnes ansbezahlt werde.

8 8 wird airfgehoben.

8 6. Stirbt ein Dienstbote, so können seine Erben den Lohn nnr für die Zeit bis
znm (snntritte der Grkranknng fordern. Die Begräbniskosten fallen dem Dienstherrn
»icht zur Last.

8 10. Die Diettstherrschaft ist berechligt, das Gesinde ohne Nnfkündigung sofort
zn entlassen:

Wegen völliger ttnsälngkeit zn den übernonrmeneii Die>istleistnngt>i, sowie ivegen
Berhinderung an deren Besorgnng, insoserne solches dnrch eigenes Berschnlden des
Dienstboren veranlastt wnrde, oder bei znfälligcr Gntstehiing über 14 Tage andanerte,
wegen Untreiik. hartnäckigen ttngehorsams, wegen ttnsitllichkeit, überhanpt wegen
solcher Handtttiigeii, welche nach ihrem Wesen n»t dem fnr das Dienstbotenverhältnis
ersorderlichen Bertrarien oder niit der hänslichen Ordnnng nnvereinbarlich sind.

r'ir t'^i einer seiteos de« Diensidote» »uvorsch» ldoto» Aiisiöj»»,, des 0iosi»dr»erli!ilt»isse-Z
destelisiide iliei^slichiiiiiii zur gortznhl»»» deo »oiiiios o»s dio Douer »o» >-t r»,ie» siiilt bei Aiislos»»»
diirch Erkr»iik»»ji daun we,>, wsnn ber Dionsibotö »uf ciiriiiid riuer .it»»»I>!»>».'rsichoii>ii,s Siusnohino
i» ei» Hr>i»ke»haus gofundon h»t.

8 11. Das Gesinde ist befugt, den Dienst ohne Attskündignilg sofort zn verlassen:

Wenn der Dienstbote durch schwere Erkranknng zur Fortsetznng des Dienstes nn-
vermögend ifl, wenn die Dieiistherrschaft i» Gant gerät, wenii sie den Wohnort
bleibend verändert oder den Dienstboten nötigen will, längere Beisen in entferrue
Gegendeii mitzumachen;

wenn ste den Dienstboten nnsthandelt, ihm ttnjitiliches ansiniit oder !hn vor sol-
chen 'jumiitimgen Anderer, die znr Familie gehören oder im Hanse regelinüstigen
Zntritr haben, nicht schützkn konnte oder wollte;

wenn sie dem Dienstboten den Lohn über die Versallzeit vorenthält oder il»n den
iiötigen llnterhalk verweigert, svwie überhanpt wege» solcher Handlnngen der Dienst-
herrlchast, wetche, wie die angeführten, mit den vom Gesinde gegeiiüver der Herrschast
nach dem Dienstbotenverliältiiisse znsteheiiden Anfoederiingen mwereinbarlich sind.

8 13. Ter arif lünger als ein Bierteljahr abgeschlosseiie Bertrag kann vor Ablauf
der Dienstzeit mit Frist von sechs Wochen aitfaekündet werden, wenn das Haupt der
Familie oder das Mitglied derselben stirbt, für dessen bcsondere Bediemmg das Gesinde
gemietet worden ist.

8 18. Wenn der Dienstdote während der Dienstzeit gemäst 8 10 entlassen wird
oder austritt, so kann er nur uach Bkahgabe der Dauer des BertragsverhältnisseS An-
spruch auf die Gegenleistungen des Dienstherrn erheben.
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